Politik

Syriens Militär rollt mit Panzern vorwärts Moscheen rufen zu Flucht auf

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Panzer in Deir al-Sor.

(Foto: AP)

Die Truppen des syrischen Präsidenten rücken vor. Mit Panzern ist die Armee an der Grenze zum Irak im Einsatz, über Moscheelautsprecher wird die Bevölkerung in der Protesthochburg Maarat al-Numaan dazu aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Der Türkei fällt unterdessen eine immer wichtigere Rolle in der Lösung des Konflikts zu.

Das syrische Militär hat seine Offensive gegen Hochburgen der Protestbewegung ausgeweitet. Nach den Vorstößen in nördlichen Städten wie Maarat al-Numaan waren auch Panzer in östlichen Orten wie Deir al-Sor an der Grenze zum Irak im Einsatz. Dort liegen Syriens Ölfelder. In den staatlichen Medien hieß es, die Sicherheitskräfte gingen gegen "die restlichen Mitglieder von bewaffneten Terroristengruppen" vor.

Moscheen rufen zur Flucht

Seit Beginn der Massenproteste gegen Präsident Baschar al-Assad vor drei Monaten sind Angaben von syrischen Menschenrechtsgruppen zufolge 1300 Zivilisten und 300 Soldaten getötet worden. Die Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht überprüft werden, da die syrische Regierung die Arbeit ausländischer Journalisten stark eingeschränkt hat.

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Verletzter Flüchtling in einem türkischen Auffanglager.

(Foto: dpa)

In der muslimischen Pilgerstadt Maarat al-Numaan wurde die Bevölkerung nach Angaben von Bewohnern über die Lautsprecher der Moscheen zur Flucht aufgerufen. "Die Armee kommt, bringen Sie sich und Ihre Familien in Sicherheit", hieß es demnach. Ein der Pharmazie-Professor sagte der Nachrichtenagentur Reuters, etwa 70 Prozent der Bevölkerung habe den Ort bereits verlassen. In Maarat al-Numaan hatten in den vergangenen Wochen zahlreiche Menschen gegen Assad protestiert.

Türkei immer mehr betroffen

Im Bemühen um eine Lösung des Konflikts erwartet der türkische Politikwissenschaftler Nail Alkan, dass Ankara eine größere Rolle spielen wird. Seit März habe die Türkei die Entwicklung beobachtet und Reformen vorgeschlagen, sagte der Professor an der Gazi-Universität in Ankara im Deutschlandradio Kultur. In dieser Phase habe man den Konflikt jedoch als inneres Problem des Nachbarlandes betrachtet.

"Aber mittlerweile ist die Türkei selbst auch betroffen. Immer mehr Flüchtlinge, immer mehr Regimegegner fliehen in die Türkei, so dass die Türkei jetzt auch leider Gottes mit involviert ist in das Problem", sagte Alkan. "Das heißt, die Türkei darf sich und kann sich auch nicht mehr ganz zurückhalten."

Als Hürde für türkische Vermittlungsversuche bei der syrischen Führung nannte der Politikwissenschaftler die religiösen Unterschiede. Während der syrische Machthaber Assad und seine Gefolgsleute aus den Reihen der alawitischen Minderheit kämen, seien Regierung und Bevölkerung der Türkei eher sunnitischen Glaubens.

Quelle: ntv.de, rts/dpa