Politik

Gigantische Militärparade Moskau feiert Tag des Sieges

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Das S-400 Triumpf wurde bereit 1985 entwickelt. Es ist ein mobiles allwetterfähiges Langstrecken-Boden-Luft-Raketen-System zur Bekämpfung von Flugzeugen und Marschflugkörpern in allen Flughöhen.

(Foto: REUTERS)

Mit einem beispiellosen Truppenaufmarsch erinnert Russland an den Sieg über Nazi-Deutschland vor 70 Jahren. Staatschef Putin gedenkt der Opfer - auch auf alliierter Seite. Zugleich beklagt er ein Erstarken des Blockdenkens.

Ganz Russland gedenkt des Sieges der Roten Armee über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg vor 70 Jahren. Einen Tag nach den Gedenkfeiern zum Kriegsende in ganz Europa, haben in Moskau Hunderttausende eine große Militärparade auf dem Roten Platz verfolgt, an der rund 16.000 Soldaten teilnahmen.

Der russische Präsident Wladimir Putin und Verteidigungsminister Sergej Schoigu nahmen die bislang größte Parade zum "Tag des Sieges" im Beisein von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, dem chinesischen Staatschef Xi Jinping, dem kubanischen Präsidenten Raúl Castro und anderen Spitzenpolitikern aus Indien, Nordkorea, Südafrika und ehemaligen Sowjetrepubliken ab.

Namhafte Vertreter der ehemaligen Alliierten USA, Großbritannien und Frankreich blieben den Feiern dagegen wegen des Ukraine-Konflikts fern. Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft erst am Sonntag in Moskau ein, um dort mit Putin am Grabmal des Unbekannten Soldaten einen Kranz niederzulegen.

Sicherheitssystem ohne militärische Blöcke

In seiner Rede sprach sich Putin auch für ein weltweites Sicherheitssystem ohne militärische Blöcke aus. Die Prinzipien der Nachkriegsordnung seien in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger verletzt worden, kritisierte der russische Präsident auf dem Roten Platz. Versuche, eine unipolare Welt zu schaffen, würden zunehmen. Nötig sei aber ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere. "Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten", betonte Putin.

Er erinnerte an das historische Treffen von sowjetischen und US-Soldaten Ende April 1945 in der Elbe-Stadt Torgau. Diese Geschlossenheit und dieses Vertrauen gelte es zu hüten - zur Bewahrung der internationalen Sicherheit.

Unterzeichnung in Karlshorst

Putin würdigte den "grandiosen Sieg" der Sowjetunion 1945. Mit der Erstürmung Berlins habe die Rote Armee dem Nazismus den Todesstoß versetzt. Alle Sowjetvölker hätten mit großem Heldenmut gekämpft.

Putin dankte aber auch den Alliierten. "Ich danke den Völkern Großbritanniens, Frankreichs und der Vereinigten Staaten für ihren Beitrag zum Sieg. Ich danke den unterschiedlichen antifaschistischen Ländern, die sich in den Reihen des Widerstands und im Untergrund an den Kämpfen gegen die Nazis beteiligt haben", sagte Putin. Auch den Antifaschisten in vielen Ländern, darunter im damaligen Deutschland, gebühre großer Respekt.

Der Präsident zeigte sich eher versöhnlich in seiner Ansprache und verzichtete auf eine Warnung vor der Gefahr des neuen "Faschismus" in der Ukraine. Putin erinnerte lediglich daran, dass die "Geschichte uns lehrt, erneut wachsam zu sein". Damals habe der Glaube an eine "rassische Überlegenheit" zum Krieg geführt, heute sollte ein solcher Fehler nicht wiederholt werden.

Parade der Separatisten in Donezk

Nach der Parade wurden mehr als 160.000 Menschen zu einem riesigen Umzug im Zentrum von Moskau erwartet, bei denen sie Bilder ihrer Väter oder Großväter tragen, die an dem "großen Vaterländischen Krieg" teilnahmen. Seit Tagen bereits tragen die Russen als Ausdruck des neuen Patriotismus in Erinnerung an den Sieg das russische Sankt-Georgs-Band. Auch Behörden und U-Bahnschalter sind mit dem orange-schwarzen Band geschmückt.

Außer in Moskau fand auch im ostukrainischen Donezk eine Militärparade der prorussischen Separatisten statt. Knapp 1500 Rebellenkämpfer marschierten begleitet von sechs Panzern sowie Raketenwerfern und Luftabwehrgeschützen die Hauptstraße der Großstadt hinunter. Viele trugen die rote sowjetische Fahne oder Bilder des Diktators Josef Stalin.

Während in Westeuropa der 8. Mai 1945 als Tag der Kapitulation Deutschlands gefeiert wird, gilt in Russland der 9. Mai 1945 als "Tag des Sieges". An diesem Tag hatte der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, im Hauptquartier der Sowjettruppen in Berlin-Karlshorst die Unterzeichnung der Kapitulation wiederholt. Die Kapitulationsurkunde war bereits am Morgen des 7. Mai im französischen Reims unterzeichnet worden und am Abend des 8. Mai in Kraft getreten.

Quelle: ntv.de, jwu/ppo/dpa/AFP