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Tino Brandt sagt aus NSU erhielt Spende vom Verfassungsschutz

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Brandt kennt Zschäpe schon seit vielen Jahren. Von seiner Vernehmung verspricht man sich viel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im NSU-Prozess nimmt sich das Gericht eine Woche Zeit für die Aussage von Brandt. Bereits der erste Tag liefert erhellende Thesen: Der Thüringer Verfassungsschutz habe ihm Geld gegeben, das ausdrücklich für das untergetauchte Trio bestimmt war.

Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat die auf drei Tage angelegte Zeugenvernehmung des Neonazis und früheren Verfassungsschutz-Spitzels Tino Brandt begonnen. Die pikanteste seiner Aussagen bisher stellt den thüringischen Verfassungsschutz erneut in ein schlechtes Licht. Der soll kurz nach dem Abtauchen von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe Geld an sie geschickt haben. Tino Brandt habe das Geld selbst in Empfang genommen und weitergeleitet.

Auf die Nachfrage des Vorsitzenden Richters, ob das Geld tatsächlich ausdrücklich für die Weitergabe an das Trio bestimmt war, antwortete Brandt: "Soweit ich mich erinnere, war das direkt für die Weitergabe." An die Höhe der Beträge erinnere er sich nicht mehr. Auch, an wen er das Geld weitergeben habe, könne er nicht mehr mit Sicherheit sagen. Er vermute, es habe sich um jemanden aus der Jenaer Rechtsextremisten-Szene gehandelt, der umittelbaren Kontakt zum Trio hielt. Seine Geheimdienst-Tätigkeit soll Brandt bis zu seinem Auffliegen 2001 insgesamt 200.000 Mark eingebracht haben.

Zschäpe war "keine dumme Hausfrau"

Der nach der Wiedervereinigung zu den führenden Köpfen der rechtsextremen Szene in Thüringen zählende Brandt schilderte außerdem, wie er Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe kennenlernte. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen nahmen demnach regelmäßig an Treffen des rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz" teil.

Brandt sagte, die drei hätten zur "Kameradschaft Jena" gehört, die Teil des "Thüringer Heimatschutzes" gewesen sei. Er habe Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe bei Stammtischen und Schulungen der Rechtsextremen in Thüringen wiederholt getroffen. Mundlos sei dort als "nationaler Sozialist" aufgetreten. "Er hat sich für die damaligen Ideale der NSDAP durchaus eingesetzt." Böhnhardt sei etwas schweigsamer gewesen. Zschäpe sei zwar ebenfalls eher zurückhaltend gewesen, sie habe aber durchaus Wissen etwa zum Thema Germanentum gezeigt. Zschäpe sei "keine dumme Hausfrau" gewesen.

Dem NSU werden unter anderem zehn Morde und zwei Bombenanschläge angelastet. Die Taten sollen die mutmaßlichen Rechtsterroristen aus Ausländerhass verübt haben. Aufgeflogen war die Gruppe erst, nachdem sich Mundlos und Böhnhardt nach einem missglückten Banküberfall 2011 das Leben genommen hatten. Zuvor hatte das Trio jahrelang unerkannt im Untergrund gelebt.

Vorführung aus der U-Haft

Brandt wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Er sitzt in Gera wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch und Zuhälterei in Untersuchungshaft, weil er einen 15-Jährigen sexuell missbraucht und an Freier vermittelt haben soll. Außerdem soll er weitere Jugendliche und Männer als Zuhälter illegal an Freier weitergeleitet haben.

Quelle: n-tv.de, sba/apo/AFP/dpa

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