Politik

Söder trifft auf Laschet Nächtlicher Showdown endet ohne Sieger

Der Machtkampf in der Union geht weiter: In der Nacht treffen sich CSU-Chef Söder und CDU-Chef Laschet im Bundestagsgebäude zu einem Gespräch. Doch auch nach Stunden ist die K-Frage nicht geklärt. Schlägt nun die Stunde der Unionsfraktion?

Nach einem ergebnislosen Treffen von Armin Laschet und Markus Söder in der Nacht wird mit Spannung der Ausgang des Machtkampfs um die Kanzlerkandidatur der Union erwartet. Die beiden Vorsitzenden von CDU und CSU hatten sich nach ntv-Informationen am späten Sonntagabend zusammen mit ihren engsten Vertrauten für knapp dreieinhalb Stunden im Bundestagsgebäude in Berlin getroffen. Über die dort besprochenen Inhalte und den weiteren Ablauf war bislang nichts zu erfahren. Teilnehmer des Gipfels nach ntv-Informationen: CSU-Chef Markus Söder, CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, CSU-Generalsekretär Markus Blume, CDU-Chef Armin Laschet, CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak und Unions-Fraktionsvorsitzender Ralph Brinkhaus.

Sonntagabend war zunächst Markus Söder in Berlin eingetroffen. Er kam mit einem Privatjet aus Nürnberg. Er überraschte damit offensichtlich auch Parteifreunde. Und Armin Laschet, der wenig später ebenfalls in der Hauptstadt eintraf. Beide wollten eigentlich bis Sonntag die K-Frage unter sich ausgemacht haben. Doch sie konnten sich nicht einigen, die Frist verstrich. Weil jetzt auch der Nacht-Gipfel gescheitert ist, droht am Dienstag eine Kampfabstimmung in der Bundestagsfraktion. Das könnte zum Riss zwischen CDU und CSU führen. Und genau das wollten sie doch verhindern.

Das Treffen im Bundestagsgebäude bildete den vorläufigen Höhepunkt im Unionsstreit, der sich seit einer Woche immer mehr zuspitzt. Die Union steht nicht nur wegen der internen Folgen des Streits fünf Monate vor der Bundestagswahl maximal unter Druck, möglichst schnell eine Entscheidung zu finden. Hinzu kommt, dass die Grünen - nach aktuellen Umfragen stärkste Kraft hinter der Union - heute ihren Kanzlerkandidaten oder ihre Kanzlerkandidatin präsentieren wollen: entweder Parteichefin Annalena Baerbock oder Parteichef Robert Habeck.

Junge Union spricht sich für Söder aus

Wenige Stunden vor dem Treffen von Söder und Laschet am Sonntagabend hatte sich die Junge Union (JU) mit großer Mehrheit hinter Söder gestellt und damit den Druck auf Laschet erhöht. "Die beiden Kandidaten hatten genug Zeit, zu einer Entscheidung zu kommen. Dies ist nicht geschehen und jetzt sehen wir uns gezwungen, uns zu positionieren. Dies ist mit deutlicher Mehrheit für Markus Söder erfolgt", erklärte JU-Chef Tilman Kuban.

In der Konferenz der JU-Landeschefs hatten sich nach Angaben der Jungen Union 14 von 18 Landesvorsitzenden für Söder ausgesprochen. Sollte sich am Ende tatsächlich der bayerische Ministerpräsident durchsetzen, wäre Laschet nur knapp drei Monate nach seiner Wahl zum CDU-Chef hochgradig angeschlagen.

Das gesamte Wochenende hatten Söder und Laschet in streng geheimen Beratungen um eine Lösung gerungen, eine Einigung gelang aber nicht. Über den Verlauf der Gespräche drangen keine Details an die Öffentlichkeit. Aus Unionskreisen war nur tagelang zu hören, Laschet und Söder seien in guten und konstruktiven Gesprächen miteinander.

Auch die CDU in der Hauptstadt bekräftigte am Sonntag ihre Unterstützung für Söder. Die Mitglieder des Präsidiums und die Kreisvorsitzenden hätten das einstimmige Meinungsbild des Berliner CDU-Präsidiums vom vergangenen Montag bestätigt, erklärte Landeschef Kai Wegner. "Markus Söder hat eine breite Unterstützung auch in der Basis der CDU Berlin."

In Niedersachsen beriet am Sonntagabend der CDU-Landesvorstand mit den Bezirks- und Kreisvorsitzenden in einer Online-Sondersitzung über die verfahrene Lage. Über das Ergebnis wurde aber auch hier offiziell nichts bekannt, alle Teilnehmer verabredeten Stillschweigen. Die "Bild"-Zeitung berichtete allerdings, dass sich eine große Mehrzahl der Mitglieder für Söder aussprach. Dagegen ergab sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aus Teilnehmerkreisen ein gemischtes Bild: Es habe zwar mehr Unterstützer für Söder gegeben, aber zahlreiche Teilnehmer hätten sich auch für Laschet ausgesprochen, hieß es. Tenor sei gewesen, dass man beide Kandidaten unterstützen werde. Fast alle hätten gefordert, dass jetzt kurzfristig entschieden werden müsse.

"Was wir jetzt brauchen, ist eine gemeinsame Lösung"

Dagegen hatte etwa der CDU-Kreisverband Alzey-Worms mitgeteilt, dass in einer Abstimmung 82,9 Prozent der Mitglieder für Söder und 6,6 Prozent für Laschet gestimmt hätten. Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß sagte der "Rheinischen Post": Sollte es zum Wochenstart keine Entscheidung geben, müsse die Fraktion als einziges gemeinsames Unionsgremium entscheiden.

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Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann warnte aber vor einer Abstimmung in der Fraktion: "Was wir jetzt brauchen, ist eine gemeinsame Lösung und keine Kampfabstimmung in der Fraktion. Ansonsten drohen Gräben aufgerissen zu werden, die sich nur schwer wieder zuschütten lassen", sagte er der Funke Mediengruppe.

Am Sonntag vor einer Woche hatten sich Laschet und Söder erstmals zur Übernahme der Kanzlerkandidatur bereit erklärt. In der Folge stellten sich die Spitzengremien von CDU und CSU jeweils hinter ihre Parteichefs. Am Dienstag traten beide in der Bundestagsfraktion auf, wo es nach Teilnehmerangaben mehr Zuspruch für Söder gab.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/rts

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