Politik

Klare Ansage an Russland Nato stationiert Tausende Soldaten im Osten

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Bei der Übung "Anakonda" Anfang Juni probte die Nato den Einsatz in Polen. Deutsche und britische Einheiten bauten dabei die weltweit längste amphibische Brücke über die Weichsel.

(Foto: dpa)

Mehrere Bataillone sollen in Osteuropa die Außengrenze der Nato schützen. Das Signal ist eindeutig: Das Bündnis will seine Verbündeten nicht im Stich lassen. Der Empfänger der Botschaft sitzt in Moskau.

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Nato-Generalsekretär Stoltenberg.

(Foto: AP)

Seit dem Ukraine-Konflikt und der Annexion der Krim sprechen manche schon wieder von einem Kalten Krieg in Europa - mit Russland auf der einen und EU und USA auf der anderen Seite. Aber was ist mit den Nato-Staaten in Osteuropa? In Polen, im Baltikum und anderswo blickt man mit Sorge nach Moskau. Was, wenn der russische Präsident Wladimir Putin auch versucht, ihre Länder zu destabilisieren? Die Nato versucht nun, Entschlossenheit zu demonstrieren. Wie im Kalten Krieg setzt das Bündnis auf Abschreckung und will Putin klarmachen, dass es seine osteuropäischen Mitglieder nicht im Stich lassen wird. Teil dieser Strategie war das große Manöver "Anakonda" in Polen. Doch es gibt noch mehr Pläne. Vor dem Bündnisgipfel Anfang Juli in Warschau klären die Nato-Verteidigungsminister letzte Details. Ein Überblick:

Tausende Soldaten dauerhaft in Osteuropa

In den drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen will die Nato jeweils ein Bataillon mit 500 bis 1000 Soldaten dauerhaft stationieren. Die Bundeswehr könnte dabei die Führungsrolle in Litauen übernehmen. Die aus mehreren Nato-Staaten zusammengesetzten Einheiten sollen regelmäßig ausgewechselt werden. Mit der Rotation will das Bündnis verhindern, dass es gegen die Nato-Russland-Grundakte verstößt, nach der eine dauerhafte Präsenz größerer Kampfverbände im Osten vermieden werden soll.

Schnelle Eingreiftruppe

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Wie Putin auf die Ankündigung reagiert, ist noch nicht klar.

(Foto: AP)

Seit dem vergangenen Jahr baut die Nato eine schnelle Eingreiftruppe auf. 5000 Soldaten der sogenannten Speerspitze sind ständig in Alarmbereitschaft und sollen teilweise binnen 48 Stunden samt Ausrüstung und Waffen in Krisengebiete verlegt werden können. Diese Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) soll bis zum Nato-Gipfel voll einsatzfähig sein. Kern ist dieses Jahr eine spanische Infanteriebrigade. Die Speerspitze ist Teil der bisherigen Eingreiftruppe NATO Response Force (NRF), die gleichzeitig von ursprünglich 13.000 auf 40.000 Soldaten ausgebaut wird.

Ständige Nato-Stützpunkte

In Osteuropa hat die Nato sechs ständige Stützpunkte aufgebaut, die als Brückenkopf für die Speerspitze dienen und ihre schnelle Einsatzfähigkeit vor Ort garantieren sollen. In den Basen in den drei baltischen Staaten sowie Polen, Rumänien und Bulgarien sitzen 40 Logistik- und Führungsexperten, die als "Empfangskomittee" für die Interventionskräfte dienen. Waffen sind dort nicht eingelagert, aber Nahrungsmittel und medizinische Versorgungsgüter. Zwei weitere dieser NATO Force Integration Units (NFIU) sollen in Ungarn und der Slowakei entstehen.

Mehr Manöver

Auch durch mehr Übungen und Manöver will die Nato verstärkt Flagge zeigen. In Portugal hielt das Bündnis im vergangenen Herbst mit "Trident Juncture" sein größtes Manöver seit über einem Jahrzehnt ab. Beteiligt waren 36.000 Soldaten einschließlich erster Teile der Speerspitze. Dieses Jahr sind vier Übungen mit der neuen Eingreiftruppe geplant. Im April fand bereits die Alarmierungsübung "Brilliant Jump - Alertex" statt, bei der die schnelle Verlegung von Soldaten und Material getestet wurde.

Engere Kooperation mit Partnerländern

Neben dem Ausbau der eigenen Verteidigungsfähigkeit will die Nato auch die Partnerstaaten stärken. Beim Gipfel sollen neue Hilfen für die Ukraine beschlossen werden, wie Generalsekretär Stoltenberg Ende Mai sagte. Bereits 2014 hatte man fünf "Treuhandfonds" für das ukrainische Militär ins Leben gerufen. Stoltenberg zufolge will die Nato auch die Kooperation mit Georgien und Moldau weiter ausbauen.

Quelle: n-tv.de, vpe/AFP

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