Politik

Nach Verwarnungen in Straflager Nawalny rechnet mit Einzelhaft

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Droht Nawalny Einzelhaft? Der Kremlkritiker geht davon aus, dass das die Antwort auf mehrere Verstöße sein wird.

(Foto: dpa)

Alexej Nawalny sitzt wegen eines umstrittenen Gerichtsurteils im berüchtigten Straflager im russischen Pokrow ein. Der Kremlkritiker berichtet von Gängelungen und Schikanen - und seiner Gegenwehr, die ihm Verwarnungen eingebracht haben soll. Deshalb fürchtet der Putin-Gegner, bald in Einzelhaft zu kommen.

Dem in einem russischen Straflager inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny droht nach eigenen Angaben Einzelhaft. Er habe in den vergangenen zwei Wochen sechs formelle Verwarnungen von den Gefängnisbehörden bekommen, schrieb der Oppositionelle bei Instagram. "Wenn man zwei Verwarnungen bekommt, kann man in eine Strafzelle verlegt werden und das ist ungemütlich, die Bedingungen dort grenzen an Folter", schrieb der 44-Jährige. Doch nicht nur die Haftbedingungen machen dem Kremlkritiker gerade schwer zu schaffen.

Nawalny zufolge würden die Gefängnisbehörden derzeit weitere Verwarnungen gegen ihn erwägen. Zu seinen Vergehen zähle das Aufstehen vor der vorgesehenen Zeit, die Weigerung, einen - nach Nawalnys Aussage "idiotischen" - Videovortrag anzusehen sowie sein Widerstand, an verpflichtenden morgendlichen Übungen teilzunehmen.

Auch Nawalnys Mitarbeiter beklagten neue Repressionen. Iwan Schdanow kritisierte, dass sein 66 Jahre alter Vater wegen erfundener Vorwürfe verhaftet worden sei. "Sie wollen mein Leben zur Hölle machen", schrieb Schdanow bei Facebook. Die Verhaftung seines kranken Vaters sei das Schlimmste, was ihm das System antun könne.

Putins größter Widersacher war im vergangenen August in Russland Opfer eines Giftanschlags geworden, für den er den russischen Geheimdienst und den Kreml verantwortlich macht. Der 44-Jährige wurde im Koma liegend nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt.

Bei Rückkehr nach Russland verhaftet

Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Moskau im Januar wurde er dann festgenommen und wegen angeblicher Verstöße gegen seine Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft in einem Straflager verurteilt. Die USA und die EU hatten wegen des Vorgehens gegen Nawalny Anfang März Sanktionen gegen Russland verhängt.

Derzeit ist er in der berüchtigten Strafkolonie Nr. 2 in der Kleinstadt Pokrow inhaftiert. Seit seiner Überstellung dorthin kommentierte der Oppositionelle seine Haftbedingungen mehrfach mit ironischen Beiträgen in Onlinemedien. So verglich er seinen Gefängnisalltag mit dem eines "Stormtroopers" aus den Star-Wars-Filmen. Auf Instagram schlug der inhaftierte Kremlkritik jedoch auch immer wieder sehr ernste Töne an, bezeichnete die Einrichtung kürzlich etwa als "Konzentrationslager". Wie Nawalny die Nachrichten absetzt, wollten seine Anwälte nicht kommentieren. Der 44-Jährige hat keinen Zugang zum Internet.

Ärzte fordern medizinische Hilfe für Nawalny

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Nawalny leidet neben den schwierigen Haftbedingungen und ständigen Gängelungen auch noch unter einem Rückenleiden. Dutzende russische Ärzte fordern deshalb eine rasche medizinische Hilfe. In einem offenen Brief an den Chef des Strafvollzugs und in Videobotschaften verlangten die Mediziner eine angemessene Behandlung, um "die Gefahr für sein Leben und seine Gesundheit" abzuwenden.

Konkret forderten die Ärzte den Zugang eines Neurologen zu dem 44-Jährigen und den Einsatz von moderner diagnostischer Technik. Sie erinnerten zudem daran, dass der Gefangene nach einem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August noch immer geschwächt sei. Der Kreml bezeichnete sich als nicht zuständig. Wegen unzureichender ärztlicher Behandlung drohe ihm der Verlust seines rechten Beins, in dem er teilweise kein Gefühl mehr habe, schrieb Nawalny am vergangenen Freitag auf Instagram.

Quelle: ntv.de, joh/AFP

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