Politik

Kollegen mit Waffe bedroht Neue Vorwürfe gegen Bundespolizisten

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"Rassismus tötet": Nach Bekanntwerden der Vorwürfe protestieren etwa 300 Menschen vor dem Sitz der Bundespolizei in Hannover gegen Intoleranz.

(Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Bundespolizisten, der Flüchtlinge misshandelt haben soll. Doch ein Insider berichtet nun: Der Mann soll vor zwei Jahren einem Kollegen eine geladene Waffe an die Schläfe gehalten haben.

Gegen den Bundespolizisten, der in Hannover Flüchtlinge misshandelt haben soll, sind neue Vorwürfe bekannt geworden. Nach Informationen des NDR soll der verdächtige Polizist bereits im August 2013 in einem gemeinsamen Aufenthaltsraum seine Dienstwaffe gezogen und den Lauf einem anderen Polizisten an die Schläfe gehalten haben.

Zugleich soll er seinen Kollegen zu sexuellen Handlungen aufgefordert haben. Der NDR berief sich dabei auf einen Insider, der ungenannt bleiben wolle. Nach seiner Darstellung hätten insgesamt fünf Beamte diesen Vorgang miterlebt.

Berichte über zwei Fälle

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Hannover im Zusammenhang mit den Misshandlungsvorwürfen gegen einen 39-jährigen Bundespolizisten ermittelt. Der Vorwurf lautet unter anderem auf Körperverletzung im Amt, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge sagte. Zudem wird geprüft, ob andere Polizisten davon etwas gewusst oder mitgewirkt haben.

Laut NDR soll es im vergangenen Jahr mehrfach Übergriffe auf Menschen in den Gewahrsamszellen der Bundespolizei in Hannover gegeben haben. In einem Fall soll ein Flüchtling aus Afghanistan gewürgt und mit angelegten Fußfesseln durch die Wache geschleift worden sein. In einem anderen Fall bestehe der Verdacht, dass ein Marokkaner in der Zelle gezielt erniedrigt wurde. Ihm sei etwa verdorbenes Schweinemett verabreicht worden. Der Beamte soll damit im Kurznachrichtendienst WhatsApp geprahlt haben.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) forderte Konsequenzen. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" rief dessen Vorsitzender Aiman Mazyek den Bundespolizeipräsidenten Dieter Romann zum harten Durchgreifen auf. Er müsse sich bei den Opfern entschuldigen und sie entschädigen. "Ich bin sicher, die Mehrheit der Polizeibeamten zeigt sich solidarisch mit den Flüchtlingen in Deutschland und ist gegen eine Kultur des Schweigens", sagte Mazyek.

Gewerkschaft spricht von Einzelfall

Romann kündigte seinerseits in der "Bild"-Zeitung ein unnachgiebiges Vorgehen an, falls sich die Vorwürfe bestätigen sollten. "Die Würde des Menschen ist unantastbar", sagte Romann. Sollten sich die zum Teil erheblichen Vorwürfe "auch nur ansatzweise bestätigen", werde die Behörde "mit aller Konsequenz" gegen die Beschuldigten vorgehen.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sprach von einem "Einzelfall". Der "Passauer Neuen Presse" sagte er: "Es geht hier nicht um ein strukturelles Problem der Polizei, sondern um einzelne schwarze Schafe." Die Bundespolizei arbeite gerade im Umgang mit Flüchtlingen "ganz hervorragend" und zeichne sich "durch ein hohes Maß an interkultureller Kompetenz aus."

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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