Politik

Wie erklärt sich das Ergebnis? Nichtwähler entscheiden sich für Weil

Auch wenn die Koalitionsfindung schwierig wird: Wahlsieger sind Ministerpräsident Stephan Weil und die SPD. Was macht die Sozialdemokratie in Niedersachsen so stark? Warum muss die CDU Verluste einstecken? Ein Blick auf die Nachwahlbefragungen.

Noch vor wenigen Wochen ging es für die SPD bei der Bundestagswahl gründlich daneben. Bei der Landtagswahl in Niedersachsen dürfen sich die Genossen dagegen als Sieger fühlen. Union, Grüne und FDP müssen Einbußen hinnehmen. Woher kommen diese Wählerbewegungen? Welche Aussagen lassen sich mit Blick auf die Ergebnisse von Nachwahlbefragungen noch treffen?

  • Das gute Ergebnis der SPD dürfte damit zusammenhängen, dass sie einen beliebten Spitzenkandidaten aufzubieten hatte: Laut Infratest dimap wünschten sich 50 Prozent der Wähler, dass Ministerpräsident Stephan Weil seinen Posten behält. 67 Prozent bejahten die Frage, ob Weil ein guter Ministerpräsident ist. Nur 35 Prozent sprachen sich in der hypothetischen Frage nach ihrer Direktwahl für CDU-Herausforderer Bernd Althusmann aus.
     
  • Das positive Bild von der Arbeit Weils gilt nicht im selben Maße für die Grünen: Infratest dimap zufolge sind 55 Prozent der Befragten mit der Arbeit der SPD zufrieden. Bei den Grünen liegt der Wert bei 38 Prozent – überwiegend sind die Wähler mit der Partei in Niedersachsen also unzufrieden.
     
  • Zurück zur SPD: Die - bei manchen Demoskopen umstrittene - Auswertung der Wählerwanderungen zeigt, den Sozialdemokraten ist es gelungen, so viel Nichtwähler zu mobilisieren wie keine andere Partei in Niedersachsen. 167.000 Menschen, die noch 2013 zu Hause geblieben waren, machten ihr Kreuz bei der SPD. Damit schlug Weils Partei auch die AfD, die ja bei vielen vorangegangene Wahlen vor allem von der Mobilisierung der Politikverdrossenen profitiert hatte. Insgesamt ist die Wahlbeteiligung in Niedersachsen auf 63,1 Prozent gestiegen.
     
  • Der Blick auf die Wählerwanderung zeigt auch: Die SPD hat 91.000 Stimmen von ehemaligen Grünen-Wählern und 58.000 Stimmen von CDU-Anhängern gewonnen. Möglich ist, dass dabei auch die Querelen um den Wechsel der Grünen-Abgeordneten Elke Twesten zur CDU eine Rolle gespielt haben. Ihr von vielen als egoistisch verstandener Schritt hatte die Neuwahlen in Niedersachsen erst nötig gemacht.
     
  • Die Gewinne der SPD sind bei älteren Wählern besonders groß: In der Gruppe der über 60-Jährigen verzeichnen die Sozialdemokraten ein Plus von acht Punkten. 41 Prozent dieser Kohorte haben SPD gewählt. Generell liegt die SPD in nahezu allen Altersstufen vor der Union – mit Ausnahme der 35- bis 44-Jährigen.
     
  • Die Sozialdemokraten sind stark bei ihrer klassischen Klientel. 42 Prozent der Arbeiter wählten SPD - und nur 28 Prozent die CDU. Auch bei Arbeitslosen, Angestellten und Rentnern ist die SPD klar vorne. Den Kürzeren zieht Weil knapp bei den Beamten und erwartungsgemäß deutlich bei den Selbstständigen. Infratest dimap hat auch ermittelt: 35 Prozent der Wähler mit schlechter wirtschaftlicher Situation machten ihr Kreuz bei der SPD, jedoch nur 25 Prozent bei der CDU. Der Anteil der AfD-Wähler ist mit 16 Prozent hier besonders hoch.
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Quelle: n-tv.de, jog

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