Politik

Mordvorwürfe gegen Sinn-Féin-Chef Nordirische Polizei lässt Gerry Adams gehen

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Gerry Adams ist Vorsitzender der pro-irischen Partei Sinn Féin.

(Foto: AP)

Vor über 40 Jahren soll Gerry Adams an der Entführung und Ermordung einer zehnfachen Mutter beteiligt gewesen sein. Trotz der schweren Vorwürfe ist der Chef der pro-irischen Partei Sinn Féin nun wieder auf freiem Fuß - ohne Anklage.

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Regierungsvize Martin McGuinness (l.) und Gerry Adams gehörten einst der IRA an.

(Foto: REUTERS)

Der Nordirland-Politiker Gerry Adams ist nach viertägigem Polizeiverhör wieder freigelassen worden. Die Polizei teilte mit, dass keine Anklage erhoben, eine Akte über Adams' Befragung allerdings zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werde.

Zuvor war die Vernehmung des republikanischen Politikers zu einem Mord auf dem Höhepunkt der Nordirland-Krise vor mehr als 40 Jahren fortgesetzt worden. Der 65 Jahre alte Vorsitzende der pro-irischen Partei Sinn Féin wurde einem Bericht der BBC zufolge "bis zu 17 Stunden am Tag" verhört.

Adams hatte sich freiwillig bei der Polizei in Antrim zur Befragung gemeldet. Er war verdächtigt worden, an der Entführung und Ermordung der zehnfachen Mutter Jean McConville im Jahr 1972 beteiligt gewesen zu sein. Er bestritt jede Beteiligung an der Tat, die auf das Konto der früheren Untergrundorganisation IRA ging.

Fall belastet Regierungskoalition

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Protest gegen Adams' Festnahme vor einem neuen, ihm gewidmeten, Wandgemälde in Belfast.

(Foto: AP)

In Belfast demonstrierten Hunderte Menschen gegen seine Festnahme. Teilnehmer trugen Plakate, die Adams mit dem verstorbenen früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela zeigten. Auf einem neuen Wandgemälde wurde Adams als "Friedensbringer und Visionär" gelobt.

Partei-und Regierungsvize Martin McGuinness hatte der Polizei auf der Veranstaltung vorgeworfen, ihr Vorgehen sei "politisch" motiviert. Das wies Peter Robinson, der zur Protestantischen Democratic Unionist Party (DUP) gehörende Regierungschef von Nordirland, zurück. Er warf Sinn Féin wiederum "Einschüchterungstaktik" gegen die Polizei vor. Diese tue aber nicht mehr als ihre Pflicht, den gegen Adams erhobenen Vorwürfen nachzugehen.

Die Vernehmung von Adams beruhte auf neuen Erkenntnissen, die auf Interviews einer Universität in Boston mit ehemaligen IRA-Aktivisten zurückgehen. Die Dokumente sollten ursprünglich erst nach dem Tod der Befragten veröffentlicht werden. Ein US-Gericht zwang die Hochschule im vergangenen Jahr jedoch, Aussagen zu dem Fall herauszugeben. Sie wurden den britischen Behörden zur Verfügung gestellt.

Berüchtigter Mord durch die IRA

Die Entführung und Ermordung von Jean McConville geht auf das Konto der früheren Untergrundorganisation IRA, zu deren Führungszirkel Adams damals gehörte. Die Partei Sinn Féin galt als politische Vertretung der IRA. Der Mord gehört zu den berüchtigsten in der Geschichte des Nordirland-Konflikts.

Die damals 37 Jahre alte Witwe war vor den Augen ihrer Kinder entführt worden, da die IRA sie für eine Informantin der britischen Armee hielt. Sie wurde erschossen und an einem geheimen Ort vergraben. Erst im Jahr 2003 wurden ihre sterblichen Überreste an der irischen Küste gefunden.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa

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