Politik

"Caritas in veritate" Papst sieht in Krise Chancen

RTR25C42.jpg

Benedikt am vergangenen Sonntag beim Angelussegen.

REUTERS

Papst-Appell vor dem G8-Gipfel: Benedikt XVI. hat eine "echte politische Weltautorität" zur Krisenbewältigung gefordert. Zugleich pocht er auf ein Wirtschaften, das sich an ethischen Zielen und am Gemeinwohl aller Menschen ausrichtet. In seiner ersten Sozialenzyklika "Caritas in veritate" (Die Liebe in der Wahrheit) plädiert das Oberhaupt der Katholiken für eine "ganzheitliche Entwicklung aller Völker". Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise wie auch die Globalisierung sollten als Chance genutzt werden, eine Welt in Gerechtigkeit und Solidarität zu bauen.

Die Enzyklika kam einen Tag vor dem Beginn des G8-Gipfels der sieben führenden Industriestaaten und Russlands heraus, der sich mit der Wirtschaftskrise, mit dem verschärften Hunger in der Welt und den Klimazielen im Kampf gegen die Erderwärmung befasst. Benedikt hatte seine insgesamt dritte Enzyklika mehrfach verschoben, um sie, beraten von Wirtschaftsexperten, in der Weltwirtschaftskrise zu aktualisieren und dann mit führenden Staatenlenkern diskutieren zu können.

Die bereits von seinem Vorgänger Johannes Paul II. angeregte, über die UN hinausgehende "Weltautorität" ist nach Benedikts Worten nötig, "um die Weltwirtschaft zu steuern, die von der Krise betroffenen Wirtschaften zu sanieren, eine Verschlimmerung der Krisen und sich daraus ergebenden Ungleichgewichten vorzubeugen". Außerdem gehe es darum, "eine geeignete vollständige Abrüstung zu verwirklichen, die Sicherheit und den Frieden zu nähren, den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren".

Hengsbach sieht Lücken

Der Sozialethiker Friedhelm Hengsbach machte in der Sozialenzyklika entscheidende Defizite aus. "Gerade die Probleme der Finanzmärkte sind ziemlich schwach und blass dargestellt. Es gibt keine konkreten Anweisungen oder konkrete Orientierungen, wie sie gelöst werden sollen", sagte Hengsbach der Deutschen Presse-Agentur. Die Argumentationsweise des Papstes sei zum Teil sehr diffus, sagte der Sozialethiker. "Sie ist eigentlich nur verständlich für Leute, die auf dem Boden des Christentums stehen."

Deutsche Bischöfe sind begeistert

Die Deutsche Bischofskonferenz lobte die Sozialenzyklika dagegen. Es sei ein "großartiges Werk" und ein entscheidender Beitrag zur aktuellen Globalisierungs- und Gerechtigkeitsdebatte, erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, in einer Pressemitteilung. Nicht zuletzt der Zeitpunkt der Veröffentlichung mache "die Dringlichkeit des Anliegens deutlich".

Der Papst rufe nicht nur die Verantwortlichen der wichtigsten Industrienationen der Welt auf, den aktuellen Herausforderungen mutig zu begegnen und dabei die notwendigen ethischen Grundlagen nicht zu vergessen, sondern er ermutige alle Menschen guten Willens, sich als Gestalter, nicht als Opfer derzeitiger Entwicklungen zu sehen. "Umdenken ist bei allen gefordert!", mahnte Zollitsch.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema