Politik

"Besatzer" in Afghanistan Polizistin beschossen

Eine Beamtin der Bundespolizei ist in Afghanistan von örtlichen Polizisten beschossen worden. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte einen entsprechenden "Spiegel"-Bericht.

Die deutsche Polizistin war demnach Ende vorvergangener Woche mit einem finnischen Kollegen in der Nähe des Kabuler Flughafens unterwegs, als sie an einem Kontrollpunkt der afghanischen Polizei zum Halten aufgefordert wurde. Weil die Dienstvorschriften vorsehen, in solchen Situationen nicht zu stoppen, gab die Beamtin Gas. Daraufhin feuerten afghanische Polizisten mehrere Schüsse auf den Wagen ab, der im Auftrag der europäischen Polizeimission EUPOL unterwegs war. Die Polizistin und ihr Kollege blieben unverletzt.

Bei einem weiteren Anschlag hatte sich am Freitag ein Selbstmordattentäter hinter dem Fahrzeug deutscher Feldjäger in die Luft gesprengt. Dabei wurde ein deutscher Soldat leicht verletzt, zwei afghanische Soldaten kamen ums Leben.

Die "Bild am Sonntag" berichtet aus einer neuen Lageanalyse des Bundesnachrichtendienstes, wegen der Einsätze deutscher Aufklärungstornados machten die radikalislamischen Taliban die Bundesrepublik mitverantwortlich für die US-Luftkriegsführung in Afghanistan. Unter Berufung auf Sicherheitskreise heißt es in dem Zeitungsbericht weiter, Deutschland werde deshalb im Empfinden der afghanischen Bevölkerung zur Besatzungsmacht. Es müsse mit weiteren Taliban-Anschlägen auf Deutsche gerechnet werden.

Bomber von Kabul doch noch nicht gefasst

Unterdessen hat die vermeintlich heiße Spur im Fall der drei in Afghanistan getöteten deutschen Personenschützer anscheinend nicht zum Täter geführt. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, sagte dem Magazin "Focus", die Aussagen des festgenommenen 16-Jährigen ließen Zweifel an seiner Täterschaft aufkommen.

Die deutsche Ermittlungsgruppe stellte Ziercke zufolge "gravierende Abweichungen zwischen dem tatsächlichen Tatablauf und der Aussage des Verdächtigen" fest. "Wir glauben deshalb nicht, dass dieser 16-Jährige für den Anschlag unmittelbar in Frage kommt." Wegen des Sicherheitsrisikos bei Afghanistan-Einsätzen seien für den Schutz des deutschen Botschafters in Kabul, Hans-Ulrich Seidt, künftig acht statt bisher sechs Mitarbeiter zuständig.

Der Festgenommene stammt aus der Provinz Wardak westlich von Kabul. Er wurde verdächtigt, bei dem Anschlag Mitte August für die Zündung des Sprengsatzes verantwortlich gewesen zu sein. Die drei deutschen Polizeibeamten, die getötet wurden, waren in einem geschützten Fahrzeug auf dem Rückweg von einem Schießtraining. Einer der Getöteten, Jörg Ringel, war langjähriger Personenschützer von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Merkel hatte vor zwei Wochen im Berliner Dom an der Trauerfeier für die drei Opfer teilgenommen.

Quelle: n-tv.de

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