Politik
Der Tatort: Taseer wurde in der Nähe seines Autos erschossen.
Der Tatort: Taseer wurde in der Nähe seines Autos erschossen.(Foto: dpa)
Dienstag, 04. Januar 2011

Taliban-Gegner von Leibwächter getötet: Punjab-Gouverneur erschossen

Die durch die Regierungskrise geschwächte pakistanische Partei PPP verliert bei einem Attentat einen ihrer führenden Vertreter. Der Gouverneur der Provinz Punjab, Taseer, wird von seinem eigenen Leibwächter erschossen. Er galt als Gegner der Taliban. Als Motiv nennt der Attentäter die mögliche Abschaffung eines Blasphemiegesetzes.

Der Gouverneur der politisch wichtigsten pakistanischen Provinz Punjab, Salman Taseer, ist erschossen worden. Nach Polizeiangaben wurde der als Taliban-Gegner geltende Taseer in der Nähe seines Hauses in der Hauptstadt Islamabad angeschossen und erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Unterdessen spitzte sich die Regierungskrise in dem Land weiter zu.

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Der als moderater Politiker geltende Taseer wurde nach Behördenangaben von einem seiner Leibwächter ermordet. Es soll sich um einen 26-jährigen Polizisten handeln, der für den Personenschutz des Gouverneurs zuständig war. Der Täter habe die Tat gestanden und als Motiv Taseers Widerstand gegen ein umstrittenes Blasphemiegesetz genannt, sagte Innenminister Rehman Malik.

Polizei und Anti-Terror-Kräfte riegelten den Tatort nach dem Anschlag ab. Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Islamische Extremisten werfen der pakistanischen Führung vor, sie wolle das Gesetz über die Strafbarkeit von Gotteslästerung ändern oder abschaffen. Pakistan hat bislang kein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt. Allerdings sitzen Dutzende Menschen deswegen in Gefängnissen.

Vertreter des moderaten Flügels

Ein Augenzeuge berichtete, Taseer sei aus dem Auto ausgestiegen, als plötzlich auf ihn geschossen wurde. "Der Gouverneur fiel hin und der Mann, der auf ihn geschossen hat, warf seine Schusswaffe weg und nahm beide Hände hoch", sagte der Zeuge.

Taseer galt als moderater Vertreter der PPP.
Taseer galt als moderater Vertreter der PPP.(Foto: REUTERS)

Taseer war ein führendes Mitglied der regierenden Pakistanischen Volkspartei (PPP) und galt als einer der wichtigsten Vertreter des moderaten Flügels in der Regierungspartei. Die PPP kündigte nach dem Attentat auf Taseer eine zweiwöchige Trauerzeit an. Gilani verurteilte den Anschlag auf seinen politischen Verbündeten und erklärte, die Schuldigen würden zur Rechenschaft gezogen. Er forderte eine sofortige Untersuchung und rief zugleich die PPP und ihre Unterstützer auf, Ruhe zu bewahren, um eine ordnungsgemäße Untersuchung des Attentats zu ermöglichen.

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In Pakistan herrscht eine Regierungskrise, nachdem die PPP am Sonntag ihren Koalitionspartner verlor. Die Muttahida Qaumi Bewegung (MQM) kündigte der Regierungspartei die Zusammenarbeit auf, Gilanis PPP ist seitdem ohne Mehrheit. Die MQM begründete den Schritt mit der aus ihrer Sicht untragbaren Erhöhung der Benzinpreise.

Zunächst keine Vertrauensabstimmung

Oppositionsführer Nawaz Sharif stellte Gilani ein Ultimatum, binnen 72 Stunden wichtigen Reformen zuzustimmen. Andernfalls werde seine Partei, die Muslim-Liga (PML-N), die Zusammenarbeit mit der Regierungspartei in der im Osten des Landes liegenden Provinz Punjab beenden. Sharif hatte bereits im August 2008 die Zusammenarbeit mit der Zentralregierung aufgekündigt.

Die beiden größten Oppositionsparteien erklärten aber, sie planten zunächst keine Vertrauensabstimmung. Anscheinend wollen sie die Schwäche des Ministerpräsidenten dadurch deutlich machen, dass sie die Gesetzgebung blockieren oder ihre Anhänger auf die Straße holen, um vorgezogene Wahlen zu fordern.

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Quelle: n-tv.de