Politik

Putin soll Trumps Traum erfüllenUkraines Widerstand blockiert eine US-russische Profitmaschine

24.02.2026, 08:10 Uhr rpeters_foto1x1Von Roland Peters, New York
00:00 / 10:29
President-Donald-Trump-greets-Russia-s-President-Vladimir-Putin-on-the-tarmac-at-Joint-Base-Elmendorf-Richardson-in-Anchorage-Alaska-Aug-15-2025
Im August rollte Trump seinem Gast aus Moskau in Alaska den roten Teppich aus. (Foto: AP)

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine geht in sein fünftes Jahr. US-Präsident Trump drängt Kiew immer wieder zu Zugeständnissen gegenüber Moskau. Er und seine Verhandler haben dabei riesige Dollarzeichen in den Augen.

Russland war zum ersten Treffen von Donald Trumps Friedensrat eingeladen, kam aber nicht. Die Bedingung des Kremls war nicht erfüllt: Den Auslandsbesitz Moskaus freizugeben. Der ist durch Sanktionen wegen des nun seit vier Jahren tobenden großangelegten Angriffskriegs in der Ukraine eingefroren. Könnte Russland nach dessen Ende in die internationale Geschäftswelt zurückkehren, würde das insbesondere den US-Präsidenten freuen. Für ihn geht es um Geld.

Die Ukraine verteidigt sich mit allem, was sie hat und von ihren Verbündeten bekommt. Die USA haben sich zurückgezogen. Es geht dem US-Präsidenten in Europa nicht um Demokratie gegen Diktatur, Menschenrechte oder Unterdrückung. Sondern um einen möglichen Profit, der gemeinsam mit Russland zu machen ist. Damit lockt Moskau das Weiße Haus bereits seit dem Machtwechsel in Washington. Mit einigem Erfolg: Trump übt Druck auf Kiew aus, damit es dem Feind Zugeständnisse macht und so hilft, den Krieg schnell zu beenden.

Dafür sorgen, dass Trump und die USA gut am Frieden verdienen, soll Steve Witkoff. Der von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner unterstützte Verantwortliche für den Nahen Osten ist schnell zum weltweiten "Sondergesandten für den Frieden" aufgestiegen. Bei seiner ersten Zusammenkunft mit Wladimir Putin im Februar 2025 habe Witkoff vier Stunden mit dem russischen Präsidenten verbracht, schwärmte Trump gerade beim "Board of Peace"-Treffen über seinen alten Bekannten aus New Yorker Zeiten: "Das ist Talent." Die meisten Immobilienentwickler der Stadt "hassen sich, aber jeder liebt Steve; die schlimmsten, bösesten Leute, schreckliche Menschen", lobte der Präsident.

Kreml bootet Kellogg aus

Trumps eigentlicher Ukraine-Beauftragter, Ex-General Keith Kellogg, wurde im Handstreich ausgebootet. Putin wollte es so. "Er ist zu nah an der Ukraine, nicht unser Typ", hieß es dazu aus dem Kreml. Dessen Chef wollte lieber Witkoff treffen - allein, ohne Übersetzer, ohne den US-Geheimdienst CIA. Putin hatte sich den US-Verhandler selbst ausgesucht. Allein das zeigt, dass sich Trump nie als Teil der Allianz gegen Russland sah. Seither tingelt Witkoff, der kein Russisch spricht und anfangs weder Russland noch die Ukraine gut kannte, zwischen den Staaten. Die Grundlage der Gespräche sind Geschäfte, keine Grenzen. Das sehen die Europäer und insbesondere die Ukraine komplett anders. Es war die Sollbruchstelle der Unterstützerallianz mit den USA.

Trump ist ohnehin überzeugt, die EU sei gegründet worden, "um die USA auszunehmen", wie er mehrfach behauptet hat. Warum also enger als fürs Geschäft nötig mit dem Bündnis zusammenarbeiten? Sein Vize JD Vance sieht Europa als finanzielle Last, die Nato als militärischen Schmarotzermechanismus zum Nachteil Washingtons. Stattdessen lässt sich das Weiße Haus schon seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit von Russland umgarnen - man könnte auch sagen: einseifen. Nach Informationen des "Wall Street Journal" hat der Kreml diese Strategie sorgsam geplant.

Ein Ergebnis der Treffen von Witkoff mit dem russischen Chefverhandler Kirill Dmitrijew war Ende vergangenen Jahres der 28-Punkte-Plan, der praktisch von Moskau diktiert, von den Europäern scharf kritisiert und danach in Verhandlungen eingedampft wurde. Bis heute gibt es keine abschließende Übereinkunft, während Russland weiter angreift.

Dmitrijews Vorschlag für die Zeit nach dem Ende des Krieges: US-Unternehmen sollten die etwa 300 Milliarden Dollar Vermögenswerte der russischen Zentralbank, die in Europa eingefroren sind, für amerikanisch-russische Investitionsprojekte und einen - von den USA angeführten - Wiederaufbau der Ukraine nutzen. Unternehmen beider Länder könnten sich zusammenschließen, um die riesigen Bodenschätze in der Arktis auszubeuten, schlug Dmitrijew zudem vor. Es gebe schier unendliche Möglichkeiten: Warum sollte man nicht gemeinsam zum Mars fliegen? Nasa, Roskosmos und Elon Musks SpaceX könnten doch zusammenarbeiten.

Europa diskutiert Verteidigung, Witkoff Geschäfte

Es sind gegensätzliche Welten: Europa diskutierte zu dieser Zeit darüber, ob es die russischen Gelder für die Verteidigung der Ukraine gegen Moskaus Truppen verwenden könne. Trumps Gesandter baute zeitgleich über die europäischen Köpfe hinweg goldene Luftschlösser mit dem russischen Gesandten. Der weiß, wie man Geschäfte mit US-Amerikanern macht. Dmitrijew hat einen Abschluss in Stanford sowie Harvard, war als Investmentbanker bei Goldman Sachs tätig, ist seit 2011 Chef des staatlichen russischen Auslandsinvestitionsfonds und zudem seit Februar vergangenen Jahres Putins Sonderbeauftragter für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Ausland.

Russland wolle mit dieser lange vorbereiteten Strategie den konventionellen nationalen Sicherheitsapparat der USA umgehen, schrieb das "Wall Street Journal" im November, um mit Leuten zu sprechen, die das Land nicht als militärische Bedrohung sehen, sondern als profitable Chance. Durch in Aussicht gestellte Zusammenarbeit bei Seltenen Erden und Energie könne Moskau womöglich Europa wirtschaftlich mitgestalten und politisch einen Keil in die westliche Allianz treiben, schrieb die Zeitung. Bei Investor Kushner und dem früheren Immobilienentwickler Witkoff seien sie damit auf offene Ohren gestoßen.

Treffen zwischen russischen Oligarchen und US-Unternehmen sollen bereits stattgefunden haben. Vertreter des US-Ölkonzerns Exxon Mobil unterschrieben zudem im vergangenen Jahr eine Vereinbarung mit Russlands staatlichem Energieriesen Rosneft, um nach einem Friedensschluss wieder Geschäfte in Russland machen zu können. Geschäftsleute aus Trumps Umfeld positionieren sich laut US-Medienberichten für die Zeit nach dem Krieg. Einer von ihnen versucht bereits seit 2024, die passenden Genehmigungen für einen Kauf der Nord-Stream-2-Pipeline zu erhalten. Im Juli 2025 besuchte Roskosmos-Chef Dimitri Bakanow das Raumfahrtzentrum der Nasa in Houston sowie Fabriken von Boeing und SpaceX.

Krieg ist viel zu teuer

Für Trump ist die Rechnung einfach: Krieg ist viel zu teuer, so sagte er es in der vergangenen Woche auch über Gaza. Warum nicht einfach Geschäfte zum eigenen Vorteil machen? Witkoff ist kein Diplomat; damit steht er für den Ansatz, dass immer und überall ein Vorteil, ein Profit herauszuschlagen ist. Ein Ende des Krieges in der Ukraine hätte große Vorteile für die USA und womöglich auch für Trump und seine Familie, für Unternehmerkollegen wie Witkoff und weitere alte Bekannte. Und was ist besser, als mit einem Land Geschäfte zu machen? Geschäfte mit zwei Ländern.

Als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Oktober nach Washington flog, hoffte er auf Tomahawk-Lenkraketen mit großer Reichweite aus US-Beständen. Damit hätte das ukrainische Militär russische Raffinerien lahmlegen und Moskau von seinen imperialistischen Verhandlungsbedingungen abbringen können. Doch am Tag zuvor hatte Putin mit Trump telefoniert. Der gab die Raketen nicht frei. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sagte im November ganz deutlich: "Wir wissen, dass es hier nicht um Frieden geht. Es geht ums Geschäft."

Revolutionäre Träume

So wie vor 40 Jahren, als Trump öffentlich von einem revolutionären Projekt träumte: Der Immobilienentwickler wollte 1987 im Herzen der Sowjetunion das angeblich höchste Hochhaus Europas bauen - gegenüber dem Kreml und mit der kommunistischen Regierung als Geschäftspartner. Solche Baupläne hegte Trump mindestens bis 2016. Eine von ihm unterschriebene Absichtserklärung führte laut Trumps russischem Mittelsmann nur deshalb zu nichts, weil das Projekt im Juni jenes Jahres politisch zu heikel wurde. Trump befand sich zu dieser Zeit mitten im Präsidentschaftswahlkampf für die Republikaner, russische Hacker hatten sich Zugang zu den Servern der Demokratischen Partei verschafft; es tobte die Diskussion um eine mögliche russische Wahlbeeinflussung.

Politik und Geschäft sind häufig untrennbar ineinander verwoben, das ist für Trump nicht neu. Ein Jahr vor seinen Bemühungen um das Hochhausprojekt, im Frühjahr 1986, hatte er sich persönlich mit Michail Gorbatschow treffen wollen. Der war im Vorjahr Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) geworden und hatte sich kurz danach stundenlang mit dem Friedensnobelpreisträger Bernard Lown unterhalten. Der US-Amerikaner war als einer der Gründer der Initiative "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" ausgezeichnet worden.

Trump lud Lown zu sich ein und bat den Wissenschaftler, ihm den Kontakt zu Gorbatschow zu vermitteln. Der Immobilienentwickler habe persönlich ein Atomwaffenabkommen aushandeln wollen, erzählte Lown später. "Es wird eine Stunde Diskussion dauern, bis der Kalte Krieg vorbei ist", habe Trump sich gebrüstet. Gespräche mit der politischen Führung im Kreml, potenzielle Geschäfte mit Moskau und ein Krieg, den Trump dafür im Handstreich beenden wollte. Das klingt irgendwie vertraut.

Quelle: ntv.de

RusslandDonald TrumpAngriff auf die UkraineSteve WitkoffJared KushnerUkraine-KonfliktWladimir PutinUkraine