Politik

Pläne für "Heilige Allianz"? Putin trifft den Papst

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Putin (l.) und Franziskus (r.) sprachen über Syrien und christliche Minderheiten in der Welt, hieß es.

(Foto: AP)

Kremlchef Putin macht schon dem dritten Papst seine Aufwartung im Vatikan. Er ist auf Versöhnungskurs für die Ost- und Westkirche. Nun fragen sich viele, ob der Papst auch einmal nach Russland reist.

Kremlchef Wladimir Putin gilt aus Sicht seiner russisch-orthodoxen Glaubensbrüder als bewährtes Bollwerk gegen eine "antichristliche Revolution" im Westen. Und vor allem deshalb blickten sie mit großem Interesse auf den Besuch des russischen Präsidenten bei Papst Franziskus im Vatikan. Offiziell traf Putin das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zwar in seiner Funktion als Staatschef. Doch es ging um mehr.

Franziskus und Putin sprachen über die Situation von christlichen Minderheiten in der Welt und den Syrien-Konflikt, wie der Vatikan berichtete. Die russisch-orthodoxe Kirche in Moskau hatte zuvor mitgeteilt, dass sie auch auf einen neuen Impuls für die Beziehungen zum Vatikan hoffe - und auf eine Anerkennung ihrer religiösen Führungsrolle in Russland. Kreml-Hardliner wollen das nun auch in der russischen Verfassung verankern lassen.

Für die Gläubigen von Bedeutung ist, ob Putin dabei hilft, ein historisches Treffen des Moskauer Patriarchen mit dem Papst zu arrangieren. Er überbrachte Franziskus die Grüße des Patriarchen - eine Einladung zu einem Besuch in Russland gab es jedoch nicht, betonte der Vatikan. Zuvor hatte sich der orthodox getaufte Christ Putin für eine Versöhnung der Ost- und der Westkirche ausgesprochen. Es wäre ein Prestigegewinn für beide Kirchen, kommentierte die Moskauer Zeitung "Nesawissimaja Gaseta". Aber einfach wird das nicht.

Kirchen sind zerstritten

So haben Kremlchefs zwar immer wieder den Papst nach Moskau eingeladen - Putin traf bereits im März 2007 Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. und 2000 und 2003 Papst Johannes Paul II. Der Widerstand der nach dem Zerfall der Sowjetunion wieder erstarkten Kirche in Russland ist allerdings groß. Beide Kirchen sind im Ringen um Macht und Einfluss zerstritten. Vor allem aber stört sich das Moskauer Patriarchat am Missionseifer der Katholiken etwa in Sibirien und im Fernen Osten des Riesenreiches. Immer wieder gab es deshalb auch Übergriffe auf katholische Priester.

Dennoch sind Beobachter in Rom optimistisch, dass sich das Verhältnis zwischen beiden Kirchen weiter verbessern könnte. "Die Aussicht auf ein Treffen zwischen Franziskus und dem Patriarchen Kirill scheinen heute besser denn je", schrieb die Turiner Tageszeitung "La Stampa". Gründe dafür seien unter anderem die Herkunft des argentinischen Papstes und seine offene Haltung gegenüber der russisch-orthodoxen Kirche.

Auch Putin dürfte bei Franziskus erneut für eine weitere Annäherung geworben haben. Schon bevor er den Heiligen Stuhl besuchte, gaben sich Geistliche aus Moskau im Vatikan die Klinke in die Hand, der italienische Kardinal Angelo Scola traf mit einer Delegation in Moskau auf Kirill. Seit Jahren gibt es die Hoffnung für ein Treffen der beiden Oberhäupter auf neutralem Gebiet - in Italien, in Ungarn oder Österreich.

Putin und Kirill eng vertraut

Der Ex-Geheimdienstchef Putin und der Patriarch Kirill, dem eine undurchsichtige sowjetische Vergangenheit nachgesagt wird, gelten als enge Vertraute, die ein solches Treffen anbahnen könnten. "Konservative von Europa, vereinigt Euch!", twitterte deshalb schon der Politologe Dmitri Trenin vom Carnegie Center in Moskau. Auch Kommentatoren in Rom sehen den Versuch, eine "heilige Allianz" zu schmieden: etwa gegen eine "Homosexualisierung" der Welt, gegen die vor allem auch die orthodoxe Kirche in Russland kämpft.

Bei den liberalen Kräften in Russland stehen Putin und der Patriarch allerdings in der Kritik, mit einer "unheiligen Allianz" von Staat und Kirche den gesellschaftlichen Fortschritt zu verhindern. Ihrem Ärger darüber machte etwa die Frauenpunkband Pussy Riot Luft. Weil sie gegen Putin und Kirill in der Moskauer Erlöserkathedrale protestierten, verbüßen zwei Musikerinnen noch bis März eine zweijährige Straflagerhaft.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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