Politik

Feuer am AKW Krümmel Rauch in der Warte, Dioxin in der Lüftung

Acht Tage nach dem Brand im Atomkraftwerk Krümmel hat der Betreiber Vattenfall weitere Probleme beim Herunterfahren des Reaktors eingeräumt. Wahrscheinlich seien Computerdaten über den zeitlichen Ablauf des Störfalls teilweise verloren gegangen, sagte der Geschäftsführer der Vattenfall-Atomsparte, Bruno Thomauske. Außerdem sei aufsteigender Rauch aus dem brennenden Transformator über die Belüftungssysteme in die Kraftwerkswarte eingedrungen und habe bei Mitarbeitern zu Schleimhautreizungen geführt.

Dennoch ordnet Vattenfall den Störfall weiter in die niedrigste Kategorie des amtlichen Meldesystems ein. Die Ereignisse hätten lediglich untergeordnete sicherheitstechnische Bedeutung gehabt. Die Aufräumarbeiten in Krümmel würden voraussichtlich noch drei Wochen dauern. Erst im Anschluss könne das Kraftwerk mit 60-prozentiger Leistung wieder ans Netz gehen.

Zu dem Datenverlust sei es durch eine Panne bei Abspeichern der Daten gekommen. Die Kommunikation zwischen zwei Rechnern habe offenbar nicht korrekt funktioniert. Für die einzelnen sicherheitsrelevanten Komponenten der Anlage lägen jedoch lückenlose Aufzeichnungen vor.

Durch den Rauchaustritt habe auch der für den Betrieb des Reaktors verantwortliche so genannte Reaktorfahrer mit einer Atemschutzmaske arbeiten müssen. Nach derzeitigem Kenntnisstand von Vattenfall sei nicht mit einer Gesundheitsgefährdung der Mitarbeiter zu rechnen. Gleichwohl seien geringe Spuren des hochgiftigen Dioxin in den Filteranlagen des Gebäudes gefunden worden.

Missverständnis

Trotz dieser Zwischenfälle sei die Sicherheit der Anlage zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen. "Der Reaktor war zu jeder Zeit innerhalb des Regelungssystems", sagte Thomauske. Die Schnellabschaltung des Reaktors sei zudem nicht notwendig gewesen. Nur durch ein Missverständnis zwischen dem Reaktorfahrer und dem Schichtleiter sei es zu der manuellen Schnellabschaltung gekommen.

Eine Zustimmung der Atomaufsichtsbehörde vorausgesetzt, wird Vattenfall den Reaktor in Krümmel frühestens in drei Wochen wieder anfahren und ans Netz bringen können. So lange würden die Aufräumarbeiten vor Ort noch dauern. Über den vom Brand verschonten Transformator könne der Meiler dann mit 60 Prozent Leistung laufen. Mit Volllast könne Krümmel frühestens in zwei Monaten arbeiten. Vorher müsste die für Anfang August geplante Kraftwerksrevision abgeschlossen und der zweite Transformator eingebaut werden.

Das Bundesumweltministerium fordert indes weitere Aufklärung. Bei einem "bundesaufsichtlichen Gespräch" mit dem schleswig-holsteinischen Sozialministerium soll an unter anderem die Informationspolitik der Betreiberin besprochen werden, kündigte das Ministerium von Sigmar Gabriel. Zudem gehe es um die Darstellung des Unfallverlaufs und die Sicherheitsfrage.

"Lizenz entziehen"

Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast, forderte, dem Konzern die Lizenz zu entziehen. "Vattenfall hat die Öffentlichkeit nicht über das wirkliche Ausmaß des Zwischenfalls im AKW Krümmel informiert", sagte Künast. Dieses grobe Fehlverhalten scheine mehr die Regel als die Ausnahme zu sein. Die Atomaufsicht müsse umgehend die Konsequenzen ziehen. Auch die Grünen im Kieler Landtag und der Umweltverband BUND forderten den Lizenzentzug.

Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) forderte Vattenfall erneut auf, die für den 5. August geplante Jahresrevision des still stehenden Meilers vorzuziehen und die Informationspolitik zu verändern. Der Betreiber sei in der Pflicht, die Öffentlichkeit schnell und umfassend über wichtige Ereignisse zu informieren. In einem Bericht ans Ministerium hatte Vattenfall dem Vorfall im Reaktor "keine oder nur geringe sicherheitstechnische Bedeutung" beigemessen.

Quelle: n-tv.de

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