Politik

"Divers" im Geburtenregister Regierung beschließt drittes Geschlecht

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Die Gesetzesänderung muss bis Ende des Jahres umgesetzt sein.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Menschen, die sich weder als Frau oder Mann fühlen, können sich künftig offiziell als "divers" bezeichnen. Das Kabinett kommt damit einer Forderung der Bundesverfassungsrichter nach. Auch transsexuelle Personen sollen bald besser anerkannt werden.

Im Geburtenregister soll künftig der Eintrag einer dritten Geschlechtsoption möglich sein. Das Bundeskabinett beschloss einen Gesetzentwurf, der neben "männlich" und "weiblich" auch den Eintrag "divers" vorsieht. Die große Koalition setzt damit eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2017 um. Darin wurde die geltende Regelung als Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht und das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes gewertet.

Transgender

Als Transgender bezeichnet man Personen, die die ihnen aufgrund ihres biologischen Geschlechts zugewiesene Geschlechtsrolle nicht akzeptieren. Transgender dient auch als Oberbegriff, der zum Beispiel Menschen einschließt, die sich weder mit dem Geschlecht Mann noch mit dem Geschlecht Frau identifizieren. Das Wort "trans" kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie "hinüber" oder "jenseitig", der Begriff "gender" bezieht sich auf das (soziale) Geschlecht.

Bis Ende des Jahres muss die Gesetzesänderung umgesetzt sein. Bundesjustizministerin Katarina Barley sagte, "es ist überfällig, dass wir das Personenstandsgesetz jetzt endlich modernisieren". Mit dem zusätzlichen Eintrag "divers" werde Menschen, die sich nicht einem Geschlecht zugehörig fühlen, ein Stück Würde und positive Identität gegeben. In einem nächsten Schritt gehe es jetzt darum, rasch weitere unzeitgemäße Regelungen für Transsexuelle zu beseitigen.

"Wichtiger Schritt"

Auch Bundesfamilienministerin Franziska Giffey begrüßte die Neuregelung. "Alle Menschen sollen ihre geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung selbstbestimmt und frei leben können", erklärte sie nach dem Kabinettsbeschluss in Berlin. Mit der Einführung der dritten Geschlechtsoption sei "ein wichtiger Schritt zur rechtlichen Anerkennung von Menschen, deren Geschlechtsidentität weder männlich noch weiblich ist, vollzogen worden".

Regelungen sowohl für inter- als auch für transsexuelle Personen sollen demnach in einem weiteren Gesetz unter Federführung des Justiz- und des Innenministeriums erarbeitet werden. Giffey betonte, das derzeit geltende Transsexuellengesetz müsse aufgehoben und durch ein modernes Gesetz zur Anerkennung und Stärkung von geschlechtlicher Vielfalt ersetzt werden. Damit sollten auch Zwangssachgutachten über die geschlechtliche Identität von Menschen künftig nicht mehr zulässig sein. Diese seien "einfach nicht mehr zeitgemäß", so Giffey.

Quelle: n-tv.de, cam/dpa/AFP

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