Politik

Ältere Meiler technisch rückständig Regierung räumt Defizite ein

Die älteren deutschen Meiler entsprechen nicht mehr dem "aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik" und gehören offenbar auch nicht zu den sichersten Atomkraftwerken der Welt. Zudem gibt es weitere Pannen bei Vattenfall in Schweden.

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Krümmel wird auch in den nächsten Monaten keinen Strom liefern.

(Foto: AP)

Die Bundesregierung hat die technische Rückständigkeit von Atomkraftwerken älterer Bauart wie Krümmel oder Biblis eingeräumt. "Die neueren Siedewasserreaktoren sowie die Druckwasserreaktoren der dritten oder vierten Generation haben grundsätzlich bessere Sicherheitseigenschaften", heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen, aus der die "Berliner Zeitung" zitiert. Bei dem wegen mehrerer Pannen ins Gerede gekommenen Meiler Krümmel handelt es sich um einen Siedewasserreaktor älterer Bauart.

In einer Antwort auf eine weitere Anfrage geht die Regierung dem Bericht zufolge noch weiter. Die älteren Meiler entsprächen "nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik" und gehörten "nicht zu den weltweit hochmodernsten und sichersten Atomkraftwerken", heißt es da. Die Einschätzung der Regierung hatte bereits 2006 und 2007 vorgelegen. Das Akw Krümmel war am Samstag nach einem Kurzschluss in einem Transformator und weiteren technischen Problemen vom Netz gegangen.

Weitere Pannen bei Vattenfall

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Das Akw Ringhals in Schweden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch in schwedischen Atomreaktoren des Energiekonzerns Vattenfall haben sich in diesem Jahr wieder mehrere Pannen ereignet. Wie ein Sprecher der Strahlenschutzbehörde SSM sagte, mussten seit Januar zwei davon auf der höchsten von drei Gefahrenstufen eingestuft werden. Unter anderem sei ein automatisches Ventil zur Verhinderung radioaktiver Lecks bei Störfällen nicht in Betrieb gewesen. Insgesamt habe es in diesem Jahr 60 Pannen aller drei Kategorien gegeben. Vattenfall-Mitarbeiter sprechen sogar von einem "Verfall der Sicherheitskultur". Die Strahlenschutzbehörde droht Vattenfall nun mit einer verschärften Behördenaufsicht.

"Jetzt Vattenfall boykottieren"

Nach den Störfällen haben Politiker von SPD und Grünen sowie Umweltverbände die Stromkunden dazu aufgerufen, dem Betreiber Vattenfall den Rücken zu kehren. Das Aktionsbündnis "Atomausstieg selber machen" forderte in Berlin die Stromkunden auf, ihre Verträge mit Vattenfall zu kündigen und zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. "Jetzt besteht die realistische Chance, den schwedischen Konzern zur Aufgabe seines deutschen Atom-Engagements in Krümmel und Brunsbüttel zu treiben", hieß es. "Die Kunden von Vattenfall sollten den Atomausstieg vorziehen und zu einem Ökostromanbieter wechseln", sagte auch Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast. Ähnlich äußerte sich SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/AFP

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