Politik

"Das wahrscheinlichste Szenario" Russische Opposition setzt auf Sturz Putins durch internen Streit

"Die Vorstellung, man könne Putin mal eben durch ein paar große Protestmärsche hinwegfegen, ist naiv", sagte Wolkow.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Für die Oppositionellen um den prominenten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist die Entmachtung von Staatschef Putin nur eine Frage der Zeit. Dabei setzen sie auf einen Machtwechsel durch Druck aus dem inneren Kreis um Putin. An eine anschließende Fortführung des jetzigen Systems glaubt die Opposition nicht.

Durch den Angriffskrieg auf die Ukraine gibt es viele Spekulationen darum, ob sich Präsident Wladimir Putin im Amt halten kann. Umfragen, um die Zustimmungswerte im Volk abzubilden, werden genau analysiert, jedoch stellt sich die Frage, wie aussagekräftig sie wirklich sind. Schließlich ist der Druck auf die russische Bevölkerung im Krieg weiter verschärft worden. So ist es untersagt, im Zusammenhang mit den Geschehnissen in der Ukraine überhaupt von Krieg zu sprechen. Die russische Opposition um den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hofft auf einen Umsturz in Moskau durch interne Konflikte im inneren Kreis um Putin. Das sei inzwischen "das wahrscheinlichste Szenario", sagte der langjährige Stabschef Nawalnys, Leonid Wolkow, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Er warnte aber vor westlichem Wunschdenken, dass eine Massendemonstration in Russland den Machtwechsel einleiten könnte. Vielen Russen sei nach den jüngsten Strafverschärfungen das Risiko zu groß, in Haft zu kommen und ihren Job zu verlieren. Trotz der von Putin erzwungenen Ruhe auf den Straßen gebe es aktuell aber eine sich verändernde russische Wirklichkeit hinter den Fassaden, beschreibt Wolkow die Situation gegenüber dem RND. Immer mehr Russen würden sich um regierungsunabhängige Informationen bemühen. "Die Vorstellung, man könne Putin mal eben durch ein paar große Protestmärsche hinwegfegen, ist naiv", sagte Wolkow weiter. "Putins Entmachtung wird kommen, aber auf andere Weise."

Demnach gibt es laut dem Nawalny-Vertrauten in der politischen und ökonomischen Elite Moskaus eine spürbare Unruhe. Putins militärische Pläne hätten sich als undurchführbar entpuppt, zugleich aber erleide das Land Schaden durch die Wirtschafssanktionen. "Diese beiden Faktoren addieren sich zu einem Druck auf Putin, der ihn früher oder später das Amt kosten wird, da bin ich sehr zuversichtlich. Wenn Putin weg ist, wird dieses System nicht an irgendjemanden vererbt", sagte Wolkow dem Netzwerk. "Es wird zusammenbrechen."

In den erwartbaren politischen Turbulenzen im Land lägen nicht nur Risiken, sondern auch Möglichkeiten. "Russland könnte im Idealfall so etwas wie einen kompletten Neustart hinbekommen." Auf die Frage des RND, ob Nawalny im Fall seiner Freilassung nach einem Machtwechsel zur nächsten russischen Präsidentschaftswahl antreten würde, sagte Wolkow: "Natürlich. Ich glaube, er hätte auch sehr gute Chancen. Alexej bringt viele Qualifikationen mit. Er kämpft seit Langem gegen die Korruption, er kämpft seit langem gegen die obszönen Unterschiede zwischen Arm und Reich in Russland. Und sogar als Gefangener Putins hat er den Menschen jahrelang immer wieder seinen Mut, seine Beharrlichkeit und sein Engagement für ein anderes, besseres Russland bewiesen. Deshalb ist Alexej jetzt vor allem in einem Punkt unschlagbar: Glaubwürdigkeit."

Quelle: ntv.de, ysc

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