Politik

Waffen für Afghanistan Russland dehnt Einfluss aus

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Regionale Vierer-Koalition: Rachmon, Karsai, Zardari und Medwedew (v.l.) kin Sotschi.

(Foto: REUTERS)

Zwei Jahrzehnte nach dem Rückzug sowjetischer Soldaten aus Afghanistan verstärkt Russland seine Aktivitäten in der Region. Hintergrund ist die Sorge, dass die USA die Lage nicht unter Kontrolle bekommen. Derzeit bildet Russland afghanische Polizisten aus und will Hubschrauber liefern.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat Afghanistan im Kampf gegen die Taliban seine Unterstützung zugesichert. "Wir unterstützen den Kampf der afghanischen Regierung gegen den Terrorismus und sind bereit zu helfen", sagte Medwedew bei einem Sicherheitsgipfel im russischen Sotschi, an dem auch die Präsidenten Afghanistans, Pakistans und Tadschikistans teilnahmen.

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Karsai und Zardari: Eine eher seltene Begegnung.

(Foto: REUTERS)

"Wir leben in derselben Region - das schafft gemeinsame Probleme und Aussichten", sagte Medwedew bei dem Treffen in seiner Sommerresidenz in dem Schwarzmeerkurort, bei dem es russischen Angaben zufolge um eine "Intensivierung der regionalen Zusammenarbeit für eine Stabilisierung Afghanistans" ging. Moskau sei auch zum Aufbau wirtschaftlicher Beziehungen mit Kabul bereit, fügte Medwedew hinzu. Afghanistans Staatschef Hamid Karsai dankte Medwedew für das russische Interesse an der Entwicklung am Hindukusch: "Afghanistan wird die Unterstützung von Freunden und großen Ländern wie Russland brauchen."

Schwere Niederlage 1989

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Karsai und Medwedew: Gemeinsam gegen Taliban und Drogen.

(Foto: AP)

Beobachtern zufolge versucht Russland, seinen Einfluss in dem vom Krieg gezeichneten Land am Hindukusch und den Nachbarrepubliken auszudehnen. Das Verhältnis zwischen Russland und Afghanistan wird noch immer vom Afghanistan-Krieg der 80er Jahre geprägt, aus dem sich die Sowjetunion 1989 erfolglos zurückziehen musste. Die UdSSR hatte im knapp zehn Jahre andauernden Krieg gegen die afghanischen Mudschaheddin etwa 15.000 Soldaten verloren.

Kreml bestätigt Hubschrauber-Pläne

Wegen der Erfahrungen, die Russland während des Krieges machte, schreckt Moskau davor zurück, sich an dem US-geführten internationalen Militäreinsatz in Afghanistan zu beteiligen, und lehnt die Entsendung von Soldaten ab. Allerdings hatte sich der Kreml die Möglichkeit offengehalten, Transporthubschrauber zu stellen, um den Kampf gegen Aufständische zu unterstützen.

Außenminister Sergej Lawrow zufolge haben die Staatschefs in Sotschi einen Plan diskutiert, der den Einsatz russischer Hubschrauber zur Bekämpfung von Extremisten vorsieht. Ein Abkommen sei aber nicht unterzeichnet worden. Nach den Worten von Kreml-Berater Sergej Prichodko braucht die ISAF am Hindukusch zusätzlich etwa 100 Transporthubschrauber. Der afghanischen Luftwaffe, die zurzeit aufgebaut werde, stünden vorerst 25 russische Mehrzweckhubschrauber zur Verfügung.

Laut Lawrow soll das afghanische Innenministerium außerdem in Kürze von Russland unentgeltlich Waffen und Munition erhalten.

Gewalt und Drogenschmuggel befürchtet

Auch sieht sich Russland durch den Drogenschmuggel aus Pakistan und Afghanistan bedroht. Deshalb bilden seit diesem Jahr Einheiten des russischen Innenministeriums 225 afghanische Polizisten aus, die auch gegen Rauschgifthändler vorgehen sollen. Zudem fürchtet Moskau ein Überschwappen der Gewalt auf die angrenzenden früheren Sowjetrepubliken Zentralasiens.

Reminiszenz an Sowjetzeiten

Medwedew rief Karsai sowie die Präsidenten Pakistans und Tadschikistans, Asif Ali Zardari und Emomali Rachmon, zu einer engeren Zusammenarbeit auf. Alle vier Staaten sollten zurückkehren zu ihrer wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die es bereits zu Sowjetzeiten gegeben habe. Er schlug seinen Amtskollegen vor, damalige Wirtschaftsprojekte wiederzubeleben, unter anderem im Energiesektor und im sozialen Bereich.

Die Präsidenten trafen sich zum zweiten Mal nach ihrem ersten Vierer-Treffen in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe im vergangenen Jahr.

Hilfe für Flutopfer zugesichert

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Zardari und Medwedew: Hilfe für Flutopfer ist mehr als dringend.

(Foto: dpa)

Vor dem offiziellen Beginn des Gipfels hatte Medwedew mit Karsai und Zardari jeweils bilaterale Gespräche geführt. Medwedew sicherte Zardari russische Hilfe bei der Bewältigung der Flutkatastrophe zu: "Wir trauern mit Ihnen und sind bereit, alle erdenkliche Hilfe zu leisten." Beide Präsidenten betonten, dass sie ihre Zusammenarbeit insgesamt auf eine neue Ebene stellten wollten. Traditionell war bisher eher Indien Russlands Verbündeter in der Region.

Auch Karsai und Zardari kamen zu einem Gespräch zusammen, von dem aber nichts an die Öffentlichkeit drang. Die Beziehungen beider Länder sind sehr angespannt. Afghanistan hat dem pakistanischen Geheimdienst mehrfach vorgeworfen, den Taliban-Aufstand zu unterstützen, und damit die Regierung in Islamabad erzürnt.

Quelle: n-tv.de, hdr/AFP/dpa/rts

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