Politik

Eine Million Dollar für Überläufer? Russland enttarnt angeblichen US-Agenten

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Ryan C. Fogle arbeite bisher offiziell als dritter Sekretär der politischen Abteilung an der Moskauer US-Botschaft.

(Foto: dpa)

Das Verhältnis zwischen Moskau und Washington ist angespannt - jetzt droht ein weiterer Schlag: Angeblich hat Russland einen US-Spion enttarnt. Der Diplomat soll versucht haben, russische Geheimdienstler mit viel Geld zum Seitenwechsel zu überreden.

Ein neuer Spionageskandal belastet das Verhältnis zwischen Moskau und Washington: Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben einen als Diplomaten getarnten CIA-Agenten zeitweilig festgenommen. Der mutmaßliche Spion Ryan C. Fogle habe versucht, FSB-Mitarbeiter anzuwerben, teilte die Behörde mit. Zudem erklärte Moskau ihn zur unerwünschten Person und forderte seine schnelle Ausreise. Weil Fogle als Botschaftsmitarbeiter diplomatischen Schutz genießt, kann er nicht festgehalten werden. Das Außenministerium bestellte den US-Botschafter Michael McFaul ein.

Die USA reagierten demonstrativ zurückhaltend auf den Spionagevorwurf. Außenamtssprecher Patrick Ventrell sprach in Washington von einem "Zwischenfall", in den man nicht zu viel hineindeuten dürfe. Er wies Befürchtungen zurück, dass dadurch die US-amerikanischen und russischen Bemühungen um eine Syrien-Konferenz torpediert werden könnten.

Wie im "Kalten Krieg"

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Nach seiner Festnahme wurde Fogle stundenlang verhört.

(Foto: dpa)

Das sichergestellte "Spionage-Arsenal" und die große Menge an Bargeld werfe jede Menge Fragen an die USA auf, schrieb das russische Außenministerium auf seiner Internetseite. "Solche provokanten Aktionen im Geiste des 'Kalten Krieges' tragen nicht dazu bei, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen." Das bilaterale Verhältnis gilt unter anderem wegen Differenzen in Menschenrechtsfragen sowie unterschiedlicher Ansichten zum Syrienkonflikt als gespannt.

Bei dem mutmaßlichen Agenten wurden nach FSB-Angaben bei dem nächtlichen Zugriff im Südwesten Moskaus ein Anwerbebrief, viel Bargeld sowie Verkleidungen sichergestellt. Die Beamten hätten Fogle nach einem stundenlangen Verhör der US-Botschaft übergeben, wo er in der politischen Abteilung arbeite. Botschafter McFaul lehnte einen Kommentar zu dem Vorfall zunächst ab.

500-Euro-Scheine, Perücken und Sonnenbrillen

Der englischsprachige Staatsfernsehsender Russia Today veröffentlichte im Internet angebliche Fotos der Festnahme und des Beweismaterials. Zu sehen sind unter anderem Bündel mit 500-Euro-Scheinen sowie Perücken und Sonnenbrillen. In einem Schreiben werde einem Überläufer eine Million US-Dollar Jahresgehalt geboten. "Danke, dass Sie dies lesen. Wir freuen uns auf eine Zusammenarbeit in naher Zukunft. Ihre Freunde", heißt es in dem fotografierten Brief.

Im bislang spektakulärsten Fall war im Juni 2010 ein russischer Spionagering um die als "Agentin 90-60-90" bekannt gewordene Anna Chapman aufgeflogen. Die zwölf Verdächtigen wurden bald darauf gegen vier in Russland inhaftierte US-Spione ausgetauscht.

Die USA und Russland versuchen seit Längerem, ihre diplomatischen Beziehungen zu verbessern. Erst vor einigen Tagen beriet US-Außenminister John Kerry mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow über ein gemeinsames Vorgehen im Syrien-Konflikt. Zudem hatten die Regierungen in Washington und Moskau nach den Bombenanschlägen auf den Boston-Marathon eine engere Kooperation in Sicherheitsfragen in Erwägung gezogen. Seit Putin vor einem Jahr wieder zum Präsidenten gewählt worden war, hatten sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern verschlechtert.

Quelle: ntv.de, dpa/rts

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