Politik

Kein Rubel für McCain Russland hofft auf Obama

Über diese Panne im US-Wahlkampf musste selbst das vom republikanischen Bewerber John McCain viel gescholtene Russland lachen. Ausgerechnet bei der russischen Vertretung am UN-Sitz in New York landete ein Bettelbrief McCains für eine Wahlkampfspende. Man finanziere im Gegensatz zu den USA grundsätzlich keine politischen Aktivitäten im Ausland, antworteten die Russen. Für McCain, der in Moskau als "Kalter Krieger" verschrien ist, hätte ohnehin kaum jemand einen Rubel übrig. Sein Wahlsieg wäre für viele ein Albtraum. Bei allen Sympathien für den Demokraten Barak Obama kam der Kreml in der Vergangenheit besser mit den Republikanern klar.

Es gehört zu den Absurditäten der großen Politik, dass sich die langjährigen Herren im Kreml und Weißen Haus, Wladimir Putin und George W. Bush, privat als Freunde bezeichneten, während die Beziehungen beider Länder immer schlechter wurden. Die USA sind in Russland so unbeliebt wie nie seit Ende des Kalten Krieges. Das Streben Moskaus nach alter Stärke geriet zum Dauerzwist mit den USA. Washington prangert pausenlos Demokratiedefizite bei den Russen an und unterstützt deren in die NATO strebenden Nachbarn Ukraine und Georgien. Auch bei Irans Atomprogramm, der Kosovo-Frage und der US-Raketenabwehr für Mitteleuropa liegen beide Seiten über Kreuz.

Die russische Öffentlichkeit blickt mitunter verwundert auf die US-Wahl am 4. November, deren Ausgang im Gegensatz zu den heimischen Urnengängen nicht im Voraus feststeht. "Für Russland sind die Ergebnisse der US-Präsidentenwahl wichtig", betont der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow. Er persönlich könne zwischen dem Demokraten Obama und dem Republikaner McCain keine großen Unterschiede erkennen. Mit dieser Meinung steht der 77-Jährige in Russland allerdings ziemlich allein da.

"McCain schlägt die alten Schlachten"

In Umfragen unter russischen Bürgern kommt Obama, nicht zuletzt wegen seiner weniger aggressiven Haltung gegenüber Russland, deutlich besser weg als McCain. "Er ist ein junger, unvoreingenommener Politiker, der nicht so sehr den alten Denkmustern anhängt", meint der außenpolitische Sprecher der Staatsduma, Konstantin Kossatschow. McCain schlage weiter "die alten Schlachten, ohne die großen Unterschiede zwischen der Sowjetunion und dem heutigen Russland zu sehen", sagt der Abgeordnete.

Für McCain und seine Vize-Bewerberin Sarah Palin muss Russland im Wahlkampf immer wieder als Bedrohung der USA herhalten. Als Beleg dafür diente den Republikanern zuletzt das russische Vorgehen im Südkaukasus ("gewaltsame Aggression"). Ende August platzte Putin, zu dem McCain nach eigenen Worten nur die Buchstaben KGB einfallen, der Kragen. Das Weiße Haus habe die Georgier ermuntert, Südossetien zu überfallen, um einem "bestimmten Präsidentschaftsbewerber" zu nützen, behauptete Putin. Es war klar, dass damit nicht Obama gemeint sein konnte. Der hatte das russische Vorgehen gegen Georgien deutlich zurückhaltender kritisiert als McCain.

"Härtere Gangart" kam gut an

Über Jahrzehnte konnte der Kreml spürbar besser mit den Republikanern. Das lag vielleicht daran, "dass deren härtere Gangart unseren Führern imponierte", wie die Moskauer Tageszeitung "Iswestija" vermutet. Auf Einladung von Präsident Dwight D. Eisenhower reiste Nikita Chruschtschow 1959 als erster sowjetischer Staatschef in die USA. Sein Nachfolger Leonid Breschnew legte mit dem Republikaner Richard Nixon die Grundlagen für die Abrüstungsverträge. Ihren Höhepunkt fand die Zusammenarbeit im Dialog von Ronald Reagan und Gorbatschow, mit dem der Kalte Krieg zu Ende ging.

Im Verhältnis zu den Demokraten ist den Russen der "Moralapostel" Jimmy Carter in schlechter Erinnerung geblieben. Das lag vor allem am Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan. Auch der beliebte Vergleich Obamas mit John F. Kennedy lässt russische Politologen zusammenzucken. In der Amtszeit des smarten Kennedy schrammten Moskau und Washington an einem Nuklearkrieg vorbei - in der Kubakrise 1962.

Quelle: ntv.de, Stefan Voß, dpa

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