Infrastruktur im VisierRussland trifft wichtige Dnipro-Brücke im Süden Kiews

Die ukrainische Hauptstadt Kiew steht unter massivem Beschuss. Eine Brücke im Süden wird beschädigt, bereits am Abend stirbt mindestens ein Zivilist. Präsident Selenskyj betont, dass sich in der Nähe "keine einzige militärische Einrichtung" befinde.
Bei einem russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko eine wichtige Dnipro-Brücke beschädigt worden. Der Angriff habe die Südbrücke über den Fluss getroffen, teilte Klitschko im Onlinedienst Telegram mit. Auch die Metro-Infrastruktur auf der Brücke wurde demnach beschädigt. Der Zugverkehr über die Brücke sei eingestellt worden, fügten die städtischen Behörden hinzu.
Zuvor waren Berichte über den Abschuss mehrerer ballistischer Raketen in Richtung der ukrainischen Hauptstadt eingegangen. Die ukrainische Armee hatte am frühen Dienstagmorgen mitgeteilt, dass ballistische Raketen in Richtung Kiew abgefeuert worden seien.
Bereits am Montagabend kam bei russischen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt nach offiziellen Angaben mindestens ein Mensch ums Leben. Acht weitere Menschen seien verletzt worden, so Klitschko. Bei den Angriffen wurden demnach unter anderem zwei medizinische Einrichtungen und ein Studentenwohnheim beschädigt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, russische ballistische Raketen seien in der Nähe einer Universität und in belebten Stadtvierteln eingeschlagen.
Nach Angaben Klitschkos gingen durch die Druckwelle eines Einschlags Fenster einer Intensivstation zu Bruch. In einer weiteren medizinischen Einrichtung wurden die Fenster zweier Stationen zerstört. Patienten und medizinisches Personal blieben demnach unverletzt. Nahe einem Supermarkt wurde ein Mensch getötet. Beim Einschlag in der Nähe eines Studentenwohnheims erlitt eine 20-jährige Frau Verletzungen.
Selenskyj erklärte, die russischen Raketen hätten das Gelände einer Universität, den angrenzenden Kyoto-Park, die Umgebung einer U-Bahn-Station und Wohnhäuser getroffen. In der Nähe befinde sich "keine einzige militärische Einrichtung". Der Angriff habe sich unmittelbar gegen die Stadt und ihre Infrastruktur gerichtet.
Angst vor Winter ohne Strom wächst
Russland hatte seine Drohnen- und Raketenangriffe auf Kiew in den vergangenen Wochen noch einmal verstärkt und dabei erneut vermehrt Energieinfrastruktur ins Visier genommen. Viele Menschen in Kiew haben daher Angst vor einem weiteren Winter mit wenig oder gar keiner Strom- und Wärmeversorgung.
Wiederholt wurden auch Brücken über den durch Kiew fließenden Dnipro getroffen, was zu Verkehrseinschränkungen führte. Die Verbindung zwischen dem linken und dem rechten Ufer ist laut Klitschko "einer der entscheidenden Faktoren für die Funktionsfähigkeit der Stadt".
Zeitgleich zu dem neuen russischen Angriff auf Kiew trat in der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky in der Nacht eine örtlich begrenzte Waffenruhe in Kraft, die von beiden Seiten bestätigt wurde. Die von US-First-Lady Melania Trump vermittelte Feuerpause soll angesichts gravierender Engpässe bei Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten die Versorgung der Bevölkerung, Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten ermöglichen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte erklärt, Russland werde seine Angriffe trotz der für November in Aussicht gestellten Dreiergespräche mit der Ukraine und den USA fortsetzen. Die Wiederaufnahme der Verhandlungen bedeute "keine Einschränkungen für die Kampfhandlungen". Moskau schloss allerdings weitere örtlich begrenzte Waffenruhen aus humanitären Gründen nicht aus.