Politik

Für König Salman wird es schwer Herrscher im Hexenkessel

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Wachwechsel im saudischen Königshaus.

(Foto: REUTERS)

Der neue König von Saudi-Arabien übernimmt die Amtsgeschäfte in einer bedrohlichen Situation. Aus allen Himmelsrichtungen bedrängen Krisen das Königreich und auch im Innern brodelt es. Dabei gilt der 79-Jährige selbst als angeschlagen.

Der neue saudische König Salman bin Abd al-Aziz hat größere Probleme zu bewältigen als seine Vorgänger. Der 79-Jährige übernimmt die Krone des mit 90 Jahren verstorbenen Abdullah in einer Zeit, in der der Nahe Osten bebt wie seit Jahrzehnten nicht mehr und in der die regionale Vormacht des größten Erdölexporteurs nicht mehr so unerschütterlich ist wie noch vor einigen Jahren.

Die größten Probleme, mit denen es Salman zu tun haben wird, sind der fallende Ölpreis und die Kriege in Syrien und Teilen des Iraks. Die schrumpfenden Einnahmen durch das Erdöl bereiten dem Staat besonderes Kopfzerbrechen. Salman muss als neu eingesetzter Monarch sicherstellen, dass alle seine Unterstützer und die Mitglieder der königlichen Familie genug vom Ölreichtum abbekommen. Sonst könnte seine Macht schnell schwinden.

In jeder Himmelsrichtung nur Krisen

Die schlimmste äußere Bedrohung ist für Saudi-Arabien aber der Islamische Staat (IS) in Syrien und im Irak. Syrien zerfällt und mit dem IS ist eine dschihadistische Miliz auf dem Vormarsch, die den Islam noch radikaler auslegt als die Geistlichen im streng religiösen Königreich. Der IS breitet sich weiter aus und könnte seine Expansionsgelüste auch auf das wahhabitische Königreich lenken.

In Saudi-Arabien herrschen zwar zum Teil gesellschaftliche Regeln, wie sie auch der IS in seinem "Kalifat" aufgestellt hat, was etwa den Ausschluss von Frauen aus dem gesellschaftlichen Leben, das Verbot von Alkohol und die Verhängung von Körperstrafen angeht. Doch die Herrscher in Riad sind aus Sicht der Dschihadisten bigott und korrupt – weil sie die Verbündeten der USA sind. Seit einigen Monaten treibt Saudi-Arabien deshalb den Bau eines Hightechzaunes entlang der Grenze zum Irak noch schneller voran.

Eine weitere Baustelle befindet sich am Südrand Saudi-Arabiens, wo sich mit dem ebenfalls zerfallenden Jemen gerade ein neuer Brandherd entwickelt. Gerade erklärten die Regierung und der Präsident ihren Rücktritt. Die Zeichen stehen auf eine erneute Teilung des Jemen in einen Nord- und Südteil. Zudem hat mit den Huthi-Rebellen eine vom Iran unterstützte schiitische Kraft die Macht in Sanaa übernommen, in den Bergregionen an der Grenze zu Saudi-Arabien hat unterdessen "Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel" (AQAP) ihren Unterschlupf gefunden; ähnlich wie der IS ein besonders gefährlicher Feind für die Dynastie der Al-Saud. Auch hier ziehen die Saudis derzeit einen Sicherheitszaun durch die Wüste.

Die Lage bei Saudi-Arabiens wichtigem Verbündeten Ägypten hat sich zwar vorerst im Sinne der Großmacht von der Halbinsel beruhigt. Doch der wirtschaftliche Niedergang am Nil kostet die Saudis Milliarden, die sie in den Staat von General Abd al-Fattah al-Sisi überweisen. Bei sinkenden Öleinnahmen steht Riad auch hier vor einem Problem, denn Ägypten ist trotz seines Niedergangs als sunnitisches Land ein bedeutender strategischer Partner in der Region.

Stemmt Salman die Herausforderungen?

Salman ist der letzte der berüchtigten sieben Zudairi-Brüder, die Söhne von Staatsgründer Abd al-Aziz Al-Saud mit dessen Lieblingsfrau Hassa al-Zudairi. Der Vorgänger des nun verstorbenen Abdullah, der 2005 nach zehnjährigem Siechtum verstorbene König Fahd, war ebenfalls ein Zudairi gewesen. Allerdings ist der jahrzehntelange Gouverneur von Riad, der in den vergangenen Jahren stellvertretender Premierminister und Verteidiungsminister war, Gerüchten zufolge an Demenz erkrankt.

Der neue Kronprinz Muqrin gilt Insidern deshalb als der "einzige satisfaktionsfähige" Königskandidat aus der Generation der Söhne von Abd al-Aziz. Der 1945 geborene frühere Geheimdienstchef ist Sohn einer Jemenitin und stammt eigentlich nicht aus einem einflussreichen Zweig der Dynastie. Erst vor knapp einem Jahr ernannte Abdullah Muqrin zum stellvertretenden Kronprinzen. Auf den Posten rückt nun erstmals ein Enkel nach. Der 55 Jahre alte Mohammed ibn Naif war bisher Innenminister.

Innerhalb des Hauses der Al-Saud scheint damit zunächst einmal alles geregelt zu sein. Wie es langfristig weitergeht, ist offen. Zwar ist nun der Übergang zur Enkelgeneration offenbar vollzogen. Doch auch die meisten Enkel sind schon weit älter als 60 Jahre, während zwei Drittel der saudischen Bevölkerung unter 25 Jahre alt ist. Ein Kenner des Landes, der nicht namentlich zitiert werden will, sagte n-tv.de: "Viele junge Saudis wünschen sich eine Fortsetzung der Monarchie mit einem aufgeklärten jungen Monarchen, einem Typen wie ihn Baschar al-Assad in Syrien einmal verkörperte - der modern ist und mit Twitter und Emails umgehen kann. In den saudischen Familien gibt es die auch, aber es ist im Moment unklar, wer da Ansprüche hat und wer am lautesten hier schreit wird es bekanntlich meistens nicht."

Quelle: ntv.de