Politik
Montag, 08. März 2010

"Gönnerhafter" Frauentag: Schwarzer bekämpft 8. März

Die Feministin und Herausgeberin der Frauenzeitschrift "Emma", Alice Schwarzer, hält den Internationalen Frauentag für absolut überflüssig. "Schaffen wir ihn also endlich ab, diesen gönnerhaften 8. März. Und machen wir aus dem einen Frauentag im Jahr 365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer", schreibt Schwarzer in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Rundschau" zum 100. Internationalen Frauentag.

Der Internationale Frauentag am 8. März sei eine "sozialistische Erfindung", die auf einen Streik von Textilarbeiterinnen zurückgehe. Die Frauenbewegung sei aber bekanntermaßen Anfang der 1970er Jahre im Westen nicht zuletzt aus Protest gegen die Linke entstanden, so die 67-Jährige. "Eine Linke, die zwar noch die letzten bolivianischen Bauern befreien wollte, die eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter Kaffee kochen, Flugblätter tippen und Kinder versorgen ließ." Zudem seien die "realsozialistischen Länder" in den obersten Etagen frauenfrei gewesen, schreibt Schwarzer. "Unter diesen Vorzeichen ist die Übernahme des sozialistischen Muttertags als unser Frauentag für Feministinnen, gelinde gesagt, der reinste Hohn."

Immer weniger Frauen finden Vollzeitjobs

Allerdings sind Frauen in Deutschland immer noch von einer gleichberechtigten Teilhabe am Erwerbsleben weit entfernt: Immer weniger Frauen finden eine Vollzeitstelle. Dies gehe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, berichtet die "Frankfurter Rundschau".

Demnach arbeiteten 2009 trotz steigender Erwerbsbeteiligung 640.000 weniger Frauen in einer Vollzeitbeschäftigung als ein Jahrzehnt zuvor. Zugleich nahm die Zahl der Teilzeitjobs um 1,13 Millionen zu, die der Minijobs seit 2003 um 930.000. Zudem stieg laut Bundesregierung die Zahl derjenigen, die trotz Erwerbstätigkeit auf Hartz IV angewiesen sind, seit 2005 um fast die Hälfte auf fast 743.000.

"Arbeitskräfte zweiter Klasse"

Frauen seien noch immer "Arbeitskräfte zweiter Klasse", kommentierte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linkspartei, Sabine Zimmermann, diese Angaben. Die Daten der Bundesregierung seien eine "Bankrotterklärung" für die jetzige wie die vorherigen Koalitionen, sagte Zimmermann der "FR". Die Linkspartei hatte die Anfrage anlässlich des Weltfrauentags gestellt.

Begründerin des Internationalen Frauentags war die deutsche Sozialdemokratin Clara Zetkin. Auf ihre Anregung hin versammelten sich im März 1911 Frauen in Deutschland, Dänemark und Österreich, Schweden und in der Schweiz. Sie forderten das Recht auf politische Mitbestimmung, gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen sowie mehr Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Quelle: n-tv.de

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