Politik
Horst Seehofer - leicht nervös offenbar.
Horst Seehofer - leicht nervös offenbar.(Foto: dpa)
Dienstag, 27. August 2013

"Die müssen raus aus Bayern": Seehofer wird rüde gegenüber Presse

CSU-Chef Seehofer ist nicht unbedingt ein Leisetreter - das wissen auch Journalisten. Doch die Art, mit der der "König von Bayern" jetzt Pressevertreter angeht, überrascht dann doch.

Knapp drei Wochen vor der Landtagswahl attackiert CSU-Chef Horst Seehofer den WDR. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Würzburg wollte Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) Fragen eines ARD-Fernsehteams zur Verwandtenaffäre im bayerischen Landtag nicht beantworten, wie die "Main-Post" berichtete. Stamm fühlte sich von den Reportern der WDR-Sendung "Monitor" bedrängt und informierte CSU-Chef Horst Seehofer. Der erklärte dem "Main-Post"-Bericht zufolge anschließend: "Das geht so nicht. Die müssen raus aus Bayern".

Seehofer zog sich mit seiner Äußerung scharfe Kritik zu - vom Koalitionspartner FDP ebenso wie von SPD und Grünen. Sollten die Medienberichte zutreffen, sei das ein unerhörter Vorgang, erklärte FDP-Generalsekretärin Miriam Gruß. Die Grünen warfen Seehofer Entgleisung vor. "Dieser Ministerpräsident ist unter Bayerns Würde", kritisierte Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause. "Auch die CSU in Bayern muss sich kritischen Fragen stellen und kann nicht einfach Journalisten rauswerfen, die ihr nicht passen", betonte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher.

WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn bemängelte, dass Interviewtermine zu unliebsamen Themen aus allen politischen Lagern oftmals abgelehnt würden. "Mag sein, dass unsere Fragen für hohe politische Amtsträger manchmal unbequem sind. Aber wir stellen sie, auch in Bayern", teilte Schönenborn mit. Er sehe mit Sorge, wie oft bei unbequemen Themen aus allen politischen Parteien Interviewtermine trotz mehrfacher Anfragen immer wieder verweigert würden. "Und das ist leider nicht nur ein bayerisches Problem."

Immer mal wieder Stress

Die CSU-Landesleitung betonte, es habe keine Einflussnahme auf die Berichterstattung gegeben. "Horst Seehofer hat sein Missfallen über das unangemessene Auftreten des Monitor-Teams zum Ausdruck gebracht. Es ging nicht um Inhalte, sondern um die Einhaltung der Anstandsregeln." Der beteiligte "Monitor"-Redakteur Stephan Stuchlik sagte zu dem Zwischenfall: "Ich finde es als gebürtiger Bayer seltsam, dass man mich aus meinem Heimatland rauswerfen will". Das Team habe die Fragen korrekt und höflich gestellt - Stamm habe nicht antworten wollen, sondern lediglich auf die Internetseite des Landtags verwiesen. "Ich halte es für vollständig legitim, dass man die Verweigerung einer Antwort und den Verweis auf die Webseite nicht einfach so hinnimmt, sondern nachfragt."

Landtagspräsidentin Stamm hingegen sagte: "Wenn das nicht unhöflich war, dann weiß ich nicht, was Höflichkeit ist. Jeder kann mir kritische Fragen stellen, aber ich erwarte, dass die Formen des Anstands gewahrt bleiben". Das Team habe nicht einmal gefragt, ob ein Interview möglich sei, sondern sei mit laufender Kamera auf sie zugekommen. In den vergangenen Monaten hatte es im Laufe der Verwandtenaffäre mehrfach Auseinandersetzungen der Landtagspräsidentin mit Medienvertretern. Auch Seehofer ist immer wieder mit Journalisten aneinandergeraten.

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Quelle: n-tv.de