Politik

RTL/ntv-Trendbarometer Söder führt in der Kanzlerfrage

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Steht als Krisenmanager stärker im Vordergrund als Habeck oder Scholz: Markus Söder.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die politische Stimmung in Deutschland wirkt ungewöhnlich stabil. Im aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer hält die Union ihren Vorsprung vor Grünen und SPD. Eine Neuerung gibt es bei der Frage nach den aussichtsreichsten Kanzlerkandidaten.

Knapp 15 Monate vor dem regulären Wahltermin zeichnet sich in Deutschland ein politisches Novum ab: Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik könnten im Wahljahr 2021 drei ernstzunehmende Kanzlerkandidaten gegeneinander antreten. Abgesehen von der Episode um eine Kandidatur des damaligen FDP-Chefs Guido Westerwelle gab es bislang immer nur zwei Kanzlerkandidaten.

Wie aus den Befragungen zum aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer hervorgeht, könnten sich nach derzeitigem Stand Union, Grüne und SPD Chancen aufs Kanzleramt ausrechnen. Sollten die drei jeweils ihre derzeit populärsten Politiker als Kanzlerkandidaten aufstellen, läge nach Einschätzung des Meinungsforschungsinstituts Forsa CSU-Chef Markus Söder deutlich vor Robert Habeck, dem Co-Vorsitzenden der Grünen, und dem Sozialdemokraten Olaf Scholz.

Wenn die Wahlberechtigten ihre Bundeskanzlerin oder ihren Kanzler direkt wählen könnten, würden demnach 41 Prozent für Söder stimmen, 20 Prozent für Habeck und 14 Prozent für Scholz. Die Daten zu den Partei- und Kanzlerpräferenzen wurden von Forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL und ntv im Zeitraum vom 20. bis 24. Juli erhoben. Befragt wurden 2504 repräsentativ ausgewählte Teilnehmer.

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Söder liegt gegenüber den beiden Konkurrenten zwar insgesamt deutlich vorn, Habeck kann aber bei den 18- bis 29-Jährigen, unter Schülern und Studenten sowie Beamten und Anhängern der Linke größere Sympathien erreichen als die beiden möglichen Konkurrenten. Scholz dagegen kann Söder und Habeck nur bei den Anhängern der SPD schlagen und schneidet lediglich bei den über 60-Jährigen sowie den Rentnern besser ab als Habeck. Söder würde bei einer Direktwahl besonders deutlich bei Selbständigen (50 Prozent) und Rentnern (46 Prozent) führen.

CDU-Politiker fordern Umdenken bei Kandidatenfrage

Als amtierender Ministerpräsident im Freistaat Bayern könnte sich Söder auf die Unterstützung aus den Reihen der Union verlassen: 72 Prozent der CDU-Wähler und 87 Prozent der CSU-Anhänger würden sich für ihn entscheiden. Für Scholz würden 54 Prozent der SPD-Anhänger, für Habeck 63 Prozent der Grünen-Anhänger votieren.

In der Union mehren sich unterdessen die Stimmen, die für die anstehenden Entscheidungen über den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur ein Umdenken fordern. Sie schlagen Gesundheitsminister Jens Spahn anstelle von Laschet, Merz und Röttgen als künftigen CDU-Chef vor; CSU-Chef Markus Söder könnte diesen Überlegungen zufolge Kanzlerkandidat werden.

49 Prozent der Bundesbürger sind der Befragungen zum Trendbarometer zufolge überzeugt, dass dies "eine gute Lösung für die Union" wäre. Eine Minderheit von 34 Prozent meinte, ein solches Gespann Söder/Spahn würde der Union "nicht mehr Sympathien bringen als andere personelle Angebote". 17 Prozent waren in dieser Frage unschlüssig. Im Lager der beiden Schwesterparteien CDU und CSU stellt sich die Stimmungslage eindeutiger dar: Zwei Drittel der Unions-Anhänger (66 Prozent) sprachen sich für dieses Gespann aus, das sich in der Corona-Krise profilieren konnte.

Während der Sommerwochen bleibt die politische Stimmungslage im Übrigen bemerkenswert stabil. Im aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer haben sich die Positionen der Parteien gegenüber der Vorwoche nicht verändert. Die Union liegt jetzt bereits in der 15. Woche an der 40-Prozent-Marke und damit weit vor Grünen und SPD. Die SPD ist seit sieben Wochen drittstärkste Partei hinter den Grünen. Das "linke" Wählerlager aus SPD, Grünen und Linke kommt zusammen auf 40 Prozent und käme damit weiterhin nicht auf eine regierungsfähige Mehrheit.

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Theoretisch könnte die Union auf Basis der aktuellen Zustimmungswerte mit der SPD weiterregieren oder alternativ auch eine Koalition mit den Grünen eingehen. Am rechten Rand tut sich ebenfalls wenig: Seit Anfang Februar bleibt die AfD hinter ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl im September 2017 zurück. Neue Themen konnte die "Alternative für Deutschland" bislang nicht mit Erfolg besetzen. Aufmerksamkeit erreicht die Partei derzeit vor allem durch ihre internen Querelen.

Quelle: ntv.de, mmo