Politik

Aktion von Böhmermann Spenden-Welle für "Sea-Watch 3"-Kapitänin

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Böhmermann kritisiert, dass Seenotreter wie Rackete "von skrupellosen Politikern" kriminalisiert und zu Verbrechern erklärt würden.

(Foto: REUTERS)

Unerlaubt legt die "Sea-Watch 3"-Kapitänin mit 40 Geflüchteten an Bord auf Lampedusa an - nun drohen Carola Rackete in Italien bis zu zehn Jahre Haft. Die Moderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf starten einen Spendenaufruf - gut 500.000 Euro haben sie bereits zusammen.

Die Festnahme der "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete in Italien hat in Deutschland eine Welle der Solidarität ausgelöst. Nachdem die Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf in der Nacht zum Sonntag zu Spenden für die Seenotretter aufriefen, waren am Sonntagabend fast 600.000 Euro eingegangen. Insgesamt wurde gut 19.000 Mal gespendet.

Das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" hatte in der Nacht zum Samstag nach mehr als zwei Wochen auf offener See mit 40 Migranten unerlaubt im Hafen der italienischen Insel Lampedusa angelegt. Die Kapitänin Rackete wurde festgenommen, das Schiff beschlagnahmt. Der 31-Jährigen droht nun nicht nur eine Geldstrafe, sondern im schlimmsten Fall auch bis zu zehn Jahre Haft.

In einem gut fünfminütigen auf Youtube geposteten Video zeigten sich Böhmermann und Heufer-Umlauf erschüttert von den Geschehnissen auf der italienischen Insel. Böhmermann sagte: "Mit den Ereignissen der letzten Tagen hat diese unmenschliche, kaltblütige und skrupellose Politik einen neuen Tiefpunkt erreicht." Er erinnerte daran, dass im Mittelmeer noch immer täglich "unschuldige Menschen ertrinken". Diejenigen, die zu Hilfe eilen wollen, würden "von skrupellosen Politikern" kriminalisiert und zu Verbrechern erklärt.

"Wer Menschenleben rettet, ist kein Verbrecher"

In einer gemeinsamen Erklärung zum Spendenaufruf auf der Plattform Leetchi betonten Böhmermann und Heufer-Umlauf: "Wer Menschenleben rettet, ist kein Verbrecher." Wie die meisten könnten auch sie nicht persönlich vor Ort im Mittelmeer helfen. "Darum möchten wir spenden und gemeinsam mit Euch Geld sammeln."

*Datenschutz

Heufer-Umlauf bedankte sich umgehend für die Spenden: "Wow! Vielen Dank an alle!" schrieb er auf Twitter. Für den Fall, dass die italienischen Behörden Rackete strafrechtlich verfolgen würden, "werden wir, wie im letzten Jahr, Geld für die anfallenden Rechtskosten und Ausgaben der Lebensretter sammeln und spenden", twitterte er weiter. Die Aktion soll bis Ende Juli laufen.

Bereits im vergangenen Jahr hätten sie mit ihrem Engagement für Seenotretter "Öffentlichkeit schaffen und Druck erzeugen wollen", sagt Heufer-Umlauf in dem Youtube-Video. Sie hätten gehofft, dadurch die Politik an den EU-Außengrenzen zu verändern, doch das sei nicht der Fall gewesen. Böhmermann kritisierte in dem Video den italienischen Innenminister Matteo Salvini scharf: Dieser missbrauche die Seenotrettung, um für eine inhumane Politik Stimmung zu machen.

Salvini hatte einen Zusammenstoß der "Sea-Watch 3" beim Einlaufen in den Hafen von Lampedusa mit einem Boot der Finanzpolizei als Beweis gewertet, dass es sich bei den Seenotrettern um "Kriminelle" handelt. "Sie haben die Maske abgelegt: Das sind Verbrecher", sagte er. Die jüngste Odyssee der "Sea-Watch 3" hatte am 12. Juni begonnen, als die Seenotretter vor Libyen die Bootsflüchtlinge an Bord nahmen. Das deutsche Innenministerium hatte mitgeteilt, wie die Flüchtlinge verteilt und aufgenommen würden, werde derzeit auf europäischer Ebene geklärt.

Rackete "lustig und guter Dinge"

Nach Angaben ihres Anwalts hat Rackete bereits ihre Entscheidung verteidigt, unerlaubt in den Hafen von Lampedusa gefahren zu sein. Die Situation sei hoffnungslos gewesen und ihr Ziel sei es gewesen, die verzweifelten Migranten an Bord des Schiffes an Land zu bringen.

Der Vater der Kapitänin, Ekkehart Rackete, rechnet unterdessen mit einer raschen Freilassung seiner Tochter: "Ich gehe davon aus, dass sie gegen Auflagen oder Kaution bis zum Prozessbeginn freikommt", sagte Ekkehart Rackete dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Als er am Samstag zuletzt mit seiner Tochter telefoniert habe, sie sei "lustig und guter Dinge" gewesen.

"Sie steht unter Hausarrest in Lampedusa und ist bei einer sehr netten Dame untergebracht", sagte der 73-Jährige weiter. Er sei nicht "in Panik oder voller Sorge" um seine Tochter. Sorgen mache er sich darum, wie seine Tochter damit umgehe, dass sie ungewollt im Rampenlicht stehe. "Das mag sie überhaupt nicht. Es ist ihr unangenehm, im Mittelpunkt zu stehen."

Anfang der Woche soll die Kapitänin in Agrigent einem Richter vorgeführt werden. Der Deutschen drohen bis zu zehn Jahre Haft wegen Widerstands gegen ein Kriegsschiff. Ihr werden überdies Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie die Verletzung italienischer Hoheitsgewässer vorgeworfen.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/AFP

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