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Wenn der Park zum Kühlschrank wird Städte rüsten sich für Klimawandel

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In Berlin soll der geschlossene Flughafen Tempelhof für Frischluft sorgen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

In Berlin fällt kein Schnee, in Köln schauen die Touristen durch Plexiglaswände auf das Hochwasser im Rhein und in Frankfurt blühen Platanen zwischen den Hochhaustürmen. Was wie Satire klingt, ist im Jahr 2050 vermutlich Wirklichkeit.

Der Klimawandel wird das Gesicht der Großstädte verändern und wer dabei vor allem auf mehr laue Nächte im Biergarten hofft, sollte die schädlichen Insekten, die ihm dabei um die Nase fliegen, nicht vergessen.

"Die Stadtplaner müssen jetzt reagieren, um die Städte lebenswert zu halten", sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Frankfurt, Berlin und Köln untersuchen gemeinsam mit der Bundesbehörde in Forschungsprojekten, was eine Temperaturerhöhung von geschätzten zwei Grad für Konsequenzen hat. "Es werden Bevölkerungsdichte, Baudichte, Einfall- und Ausfallstraßen, Gewässer und Luftschneisen untersucht", sagt Lux. Eine Simulation stellt für Städte dar, welche Entwicklung wahrscheinlich ist.

Köln leistet Vorarbeit

Köln stieg erst vor zwei Wochen in ein solches Projekt ein, hat aber mit seinem Hochwasserschutzkonzept schon Vorarbeit geleistet. Es startete in den 90er Jahren und steht vor dem Abschluss. Auf einer Strecke von rund 12 Kilometern wurden entlang dem Rheinufer Fundamente eingelassen, in die bei Hochwasser Wände eingesteckt werden können, um einen Schutz bis zu 1,50 Meter Höhe zu garantieren. "Dort, wo die Touristen am Rhein entlang spazieren, sind diese aus Plexiglas", sagt Ludwig Arentz, Koordinator des Klimaschutzkonzepts der Stadt Köln, "so wird Hochwasser zur Attraktion." In Köln werden demnächst auch mediterrane Bäume an den Straßen stehen. "Wir brauchen Pflanzen, die wärmeliebend und wärmeresistent sind", sagt Arentz. Für Palmen reiche es zwar nicht, aber Platanen oder Rubinien könnten Linden oder Rosskastanien bald ergänzen.

Je mehr Grün, desto besser. Sonst wird die Hitze nicht nur unerträglich, sondern sogar gefährlich für den Menschen. "Schädliche Insekten und Krankheiten können Folgen des Klimawandels sein", sagt Arentz. Wo heute eine Malaria-Fliege, die sich ins Flugzeug verirrt, nach der Landung auf dem Flughafen Frankfurt abstirbt, könnte sie 2050 zu einem gefährlichen Krankheitserreger werden. Neben Grünflächen sind neue Frischluft- und Abluftschneisen in den Städten notwendig, auch die Verwendung neuer Baumaterialien, die anders als Beton die Hitze nicht speichern.

Tempelhof als Kühlschrank

Das Bauamt Frankfurt weiß aus der Zusammenarbeit mit dem DWD bereits, dass es in der Stadt bis 2050 jährlich zwischen 12 und 26 Tage mehr pro Jahr geben wird, in denen die Temperaturen über 25 Grad steigen. Sind es derzeit rund 46 Tage pro Jahr, geht Lux davon aus, dass sich die Zahl bis 2100 sogar verdoppelt. "Macht es noch Sinn, Plätze mit Stein auszugestalten? Brauchen wir Arkaden, um Einkaufsstraßen nutzbar zu halten?", fragt Klaus Wichert, Leiter des Bauamts der Stadt Frankfurt. Seine wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt ist: Es muss gehandelt werden - und zwar nachhaltig.

In Berlin soll der geschlossene Flughafen Tempelhof für Frischluft im Süden sorgen. "Seine Kühlschrank-Funktion muss erhalten werden", sagt Manuela Damianakis, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Noch vor der Bundesgartenschau, die dort 2017 stattfindet, soll das Gelände zu einem Park umgestaltet werden. Die Behörde beschäftigt sich seit Jahren mit dem Klimawandel und versucht, durch Anlage von Grünflächen und Schutz der Gewässer den Folgen entgegenzuwirken. Was auf die Hauptstadt zukommt, weiß Damianakis, ohne zu überlegen: "Es wird zahlreiche Tropennächte geben, im Winter gibt es keinen Schnee, die Keller laufen voll und die Winde blasen so stark, wie wir es bisher nicht erlebt haben."

Quelle: n-tv.de, Mechthild Henneke, AFP

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