Politik

Irak-Krieg hebelt nach hinten Terror-Gefahr gewachsen

Der US-geführte Krieg im Irak hat einer Studie zufolge zumindest kurzfristig die Gefahr terroristischer Anschläge gegen westliche Länder erhöht. In seinem am Dienstag veröffentlichten Bericht "Das militärische Gleichgewicht 2004-2005" kommt das International Institute for Strategic Studies (IISS) zu dem Schluss: "Insgesamt scheint das Risiko terroristischer Anschläge gegen westliche Bürger und westliches Eigentum in arabischen Ländern nach Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 zugenommen zu haben." Der Jahresbericht beinhaltete eigens ein Kapitel über die El Kaida-Organisation von Osama bin Laden.

Kriegsgrund: Eigene Interessen der USA

Mit der militärischen Invasion und Besetzung des Irak hätten die USA die politische Lage in der arabischen Welt verändern wollen, um eigene Interessen voranzutreiben, stellt das unabhängige Institut fest. "Demnach war es immer wahrscheinlich, dass die Irak-Invasion kurzfristig die Rekrutierung für den Dschihad verstärkt und die Motivation El Kaidas intensiviert, terroristische Unternehmungen zu ermutigen und zu unterstützen." Zwar sei nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die Hälfte der 30 führenden Köpfe von El Kaida entweder gefangen genommen oder getötet worden, aber rund 20.000 in afghanischen Lagern ausgebildete Anhänger der Organisation seien weiterhin auf freiem Fuß.

Der Krieg in Afghanistan habe einerseits die Handlungsfähigkeit der El Kaida beschränkt, andererseits aber deren Anführer in die Berge im Grenzgebiet zu Pakistan gedrängt und damit eine Zerschlagung der Organisation schwieriger gemacht.

Im Westen Anschläge verhindert

Der Bericht hebt hervor, dass westliche Länder weitgehend Anschläge von El Kaida verhindern konnten. Nach dem 11. September 2001 seien die Anschläge auf Vorortzüge und Bahnhöfe in Madrid am 11. März dieses Jahres der einzige große Angriff auf Westeuropa und Nordamerika gewesen. Dagegen hätten die Anschläge auf Entwicklungsländer wie Kenia, Indonesien, Pakistan und Saudi-Arabien zugenommen. Zwar würden viele dieser Anschläge von örtlichen Gruppen geführt, diese hätten aber oftmals eindeutige Verbindungen zu El Kaida-Mitgliedern.

Finanzierung eingedämmt, Schlagkraft ungebrochen

Das IISS stellt fest, in den vergangenen drei Jahren seien Fortschritte erreicht worden, die Finanzierung von El Kaida einzudämmen. Allerdings habe dies nicht deren Schlagkraft geschwächt. Nach Einschätzung des Instituts kosteten die Anschläge vom 11. September lediglich 500.000 Dollar. Die Bombenanschläge auf Diskotheken auf der indonesischen Insel Bali hätten nur 35.000 Dollar gekostet: "Große Bargeldmengen bewegen zu können ist daher keine zum Handeln erforderliche Notwendigkeit."

"Kampfhaltung" auch nach dem Krieg

Das Institut kritisiert ferner die USA und ihre Verbündeten für ein schlecht durchdachtes Vorgehen im Irak nach Ende des Krieges. Die Beteiligten hätten angesichts der weiterhin unsicheren Lage im Land die "Lektionen zu lernen", dass Nach-Kriegs-Operationen und friedenserhaltende Maßnahmen in allen Phasen sehr personalintensiv seien. Außerdem hätte nach dem Ende der Kriegsphase schnell die "Kampfhaltung" abgelegt werden müssen - zu Gunsten der Unterstützung der Zivilbevölkerung.

Das IISS kritisierte außerdem, dass der Einsatz von unzureichend ausgebildeten Reservisten oder solchen mit den falschen Qualifikationen keine gut geschulten Soldaten ersetzen könnten. Dies hätten die USA schmerzvoll beim Skandal um die Folterungen von Irakern in US-Gefängnissen im Irak lernen müssen. Auch sei die Einstellung von Personal privater Sicherheitsunternehmen nicht die Lösung des Problems zu weniger Einsatzkräfte.

Quelle: ntv.de