Politik

Queen, Klima, D-Day und Golf Trump - bemüht, aber etwas trampelig

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Bei den D-Day-Feierlichkeiten im Fokus: Der US-Präsident.

(Foto: REUTERS)

Mehrere Tage bleibt US-Präsident Trump in Europa. Er fasst die Queen an, liest ein Gebet vor, argumentiert mit Wirbelstürmen aus dem Jahr 1890 und vergleicht die Mauer zu Mexiko mit der inneririschen Grenze. Ein Protokoll.

Donald Trump ist nicht dafür bekannt, sich an gängige politische Regeln zu halten. Auf diplomatischem Parkett verhält er sich häufig ungewöhnlich und damit zumindest irritierend. Seit Anfang der Woche ist Trump nun in England, Irland und Frankreich unterwegs. Er hat mit Noch-Ministerpräsidentin Theresa May sowie der Queen gesprochen, saß neben ihr auf der Ehrentribüne der Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des D-Days, versuchte den irischen Ministerpräsidenten wegen des Grenzproblems zu beruhigen und traf sich bei einer weiteren Zeremonie mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf einem US-Militärfriedhof. So viel vorab: Trump hat seine Positionen unterstrichen, sich etwas ungeschickt benommen - sich aber sehr bemüht.

Wetter, Klima oder Umwelt?

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Melania und Donald Trump wurden als Staatsgäste im britischen Königshaus empfangen.

(Foto: REUTERS)

Trumps Staatsbesuch in Großbritannien beginnt am Montag, 3. Juni. Er und seine Frau Melania sind Gäste der königlichen Familie. Beim Bankett mit Queen Elizabeth II. unterläuft dem US-Präsidenten ein Fauxpas: Als die 93-jährige Monarchin das Glas auf ihren Gast erhebt, berührt Trump sie offenbar am Rücken. Es ist eine typische Geste, um Verbundenheit zu demonstrieren. Dumm nur, dass es gegen die Etikette des britischen Königshauses verstößt. Zudem ermahnt die Queen ihren Gast ungewöhnlich deutlich, internationale Institutionen zu schützen: "Völker arbeiten zusammen, um einen hart erkämpften Frieden zu bewahren", sagt sie. Trump, der häufig auf internationale Verpflichtungen der USA schimpft, steht schlecht da.

Für die Zeit davor war mit Prinz Charles ein viertelstündiges Gespräch zum Tee vereinbart. Dabei erklärt der Thronfolger dem US-Präsidenten den Klimawandel. Er redet 90 Minuten auf Trump ein. Bei einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview mit Piers Morgan von "Good Morning Britain" wird Trump auf das Treffen angesprochen. Er hat sich nicht überzeugen lassen. "Ich glaube, das Wetter verändert sich, es verändert sich in beide Richtungen", sagt der US-Präsident schwammig. Inzwischen werde der Klimawandel nur noch Extremwetter genannt, "damit kann man nicht daneben liegen". "Im Jahr 1890 hatten wir unsere schlimmsten Wirbelstürme", führt er als Beleg an.

Den negativen Einfluss der Vereinigten Staaten auf den Klimawandel weist der US-Präsident von sich. Sein Land sei verantwortlich für "eines der saubersten Klimata". Trump beschuldigt China, Indien und Russland, die Umwelt zu verschmutzen - offenbar benutzt er Klima mit Umwelt synonym. Tatsächlich wird in den USA auf Staaten heruntergebrochen die zweitgrößte Menge an Kohlendioxid weltweit ausgestoßen, die Hauptursache für die Klimaerwärmung. Im Jahr 2018 wuchs die Menge dort um 3,4 Prozent, die zweitgrößte Zunahme seit mehr als 20 Jahren. Nur 2010, als die US-Wirtschaft sich von der Finanzkrise erholte, war der relative Anstieg höher. Global gesehen waren die fünf vergangenen Jahre übrigens die wärmsten, seit die Aufzeichnungen im Jahr 1880 begonnen haben.

Aufschrei in London

Als Trump auf den Oppositionschef Jeremy Corbyn angesprochen wird, beschimpft er stattdessen Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Auf den britischen Politiker hatte er sich schon kurz vor Beginn seines Staatsbesuchs eingeschossen. Khan hatte kritisiert, dass Trump der rote Teppich ausgerollt wird: "Er ist kein Freund." Trump twittert im Gegenzug aus dem Flugzeug heraus über den Bürgermeister: Khan sei ein Verlierer. "Er erinnert mich sehr an den sehr dummen und inkompetenten Bürgermeister von New York, Bill de Blasio, der ebenfalls einen schrecklichen Job macht - aber ist nur halb so groß". De Blasio ist einer der mehr als 20 Demokraten, die bei der Präsidentschaftswahl 2020 gegen Trump antreten wollen.

Am Dienstag, 4. Juni, richten Trump und May ein Wirtschaftsfrühstück aus. Der US-Präsident stellt den Briten ein Handelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit in Aussicht. Bei Verhandlungen sei auch das öffentliche Gesundheitssystem National Health Service (NHS) auf dem Tisch, sagt er; "alles ist auf dem Tisch". Er löst damit einen nationalen Aufschrei aus. Später rudert er zurück und sagt, das Gesundheitssystem habe nichts mit Handel zu tun. Wusste Trump überhaupt, was der NHS ist? Sein Hin und Her ist ein weiterer Beleg dafür, dass Trump entweder seine Briefings nicht liest, oder es ihm einfach egal ist, wem er auf die Füße tritt.

Am Tag darauf fliegen Trump und Melania nach Portsmouth, um an den Gedenkfeierlichkeiten zum 75. Jahrestag des D-Day teilzunehmen. Von der südenglischen Stadt aus waren am 6. Juni 1944 die meisten alliierten Soldaten zur Invasion der Normandie aufgebrochen - was das Ende Nazi-Deutschlands und des Zweiten Weltkriegs einleitete. Trump sitzt direkt neben der Queen und spricht ihr mehrmals etwas ins Ohr. Auf der Bühne trägt er Auszüge eines Gebets vor. Dabei weicht er nicht vom Skript ab, das ist ungewohnt. In seiner Reihe sitzen auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und  Bundeskanzlerin Angela Merkel. Am Rande der Veranstaltung spricht Trump mit der Kanzlerin etwa zehn Minuten – über Libyen und Westafrika.

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Auf der Ehrentribüne: Trump in Portsmouth

(Foto: REUTERS)

In dem Weltkriegsbunker, von dem aus Winston Churchill die britische Regierung führte, befragt ihn Piers Morgan auch über den Vietnamkrieg. "Ich war nie ein Fan von diesem Krieg. Damals hatte niemand je von diesem Land gehört", erinnert sich Trump. "Es ist nicht dasselbe wie 'Ich kämpfe gegen Nazi-Deutschland, wir kämpfen gegen Hitler.'" Die USA hätten sich niemals am Vietnamkrieg beteiligen sollen. Danach fliegt Trump nach Irland, wo er sich mit dem irischen Premierminister Leo Varadkar trifft. Der US-Präsident hatte seinen Golfplatz im irischen Dorf Doonbeg als Treffpunkt vorgeschlagen, Varadkar lehnte ab. Am Ende unterhalten sie sich in der VIP-Lounge des Shannon Flughafens, etwa 65 Kilometer entfernt.

Mauer zu Mexiko, Mauer in Irland

Der US-Präsident zeigt sich in Irland optimistisch, dass der Brexit umgesetzt wird – trotz aller Differenzen um die Grenze zu Nordirland, dem Hauptstreitpunkt zwischen EU und Großbritannien. Es geht um die Angst vor dem Aufflammen von Gewalt, sollten erneut wieder Grenzkontrollen zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Norden eingeführt und damit das Karfreitagsabkommen gebrochen werden. Trump fühlt sich offenbar an die eigene Grenzsituation erinnert und spielt das Problem herunter: "Es wird alles gut enden, auch für euch, mit eurer Mauer, eurer Grenze. Wir haben auch ein Grenzproblem in den USA, und ihr habt hier eines." Varadkar widerspricht: "Wir wollen eine Mauer oder Grenze zwischen uns verhindern." Trump hat sich erneut nicht besonders geschickt verhalten, aber der irische Premier zeigt sich nachsichtig: "Es gibt fast 200 Staaten auf der Welt, es ist für ihn nicht möglich, die Probleme jedes einzelnen Landes zu verstehen."

Am Donnerstag, dem Jahrestag des D-Days, fliegt Trump nach Frankreich. Bei einer Zeremonie auf dem US-Militärfriedhof Colleville-sur-Mer ehrt er gemeinsam mit Macron amerikanische Veteranen. Wie schon die Queen mahnt auch Frankreichs Präsident den Gast: "Wir müssen den Kern des Versprechens der Normandie wiederfinden." Als beispielhaft für gemeinsame Werte nennt Macron die EU und die Vereinten Nationen - Institutionen, die Trump immer wieder scharf kritisiert. Der US-Präsident ist ein Befürworter des Brexits und hat einen Zollstreit mit Europa angezettelt. Bei der Feier ist jedoch kein Wort davon zu hören, stattdessen aber Treueschwüre: "Unser Bündnis ist unzerbrechlich." Macron und Trump legen mehrmals die Hand auf den Rücken des anderen. Auch diesmal bleibt Trump bei seinem Skript.

Nach der Zeremonie fliegen Trump und Melania wieder an die irische Westküste, wo sie vor ihrem Rückweg in die USA noch einmal übernachten. Bislang hat Trump in zweieinhalb Jahren Amtszeit an 178 Tagen Golf gespielt - womöglich kommt nun noch einer hinzu. "In Doonbeg, einer defizitären und vom Klimawandel bedrohten Anlage", titelt die "Washington Post" süffisant.

Quelle: n-tv.de

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