Politik

Chronologie des Iran-KriegsTrump hat sich gewaltig verschätzt

28.08.2026, 19:01 Uhr
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US-Präsident Donald Trump: Er bezeichnet den Angriff auf den Iran Ende Februar als "Operation Epic Fury", zu deutsch "Operation gewaltige Wut". (Foto: picture alliance / Captital Pictures)

"Es wird vier Wochen dauern - oder weniger", sagt Trump zu Beginn des Iran-Kriegs. Inzwischen hält der Konflikt im Nahen Osten seit sechs Monaten an. Wie festgefahren die Lage zwischen Washington und Teheran ist und warum ein schnelles Kriegsende kaum vorstellbar ist, zeigt ein Blick zurück.

Ein halbes Jahr ist es her, dass die USA und Israel mit massiven Luftangriffen ihren Krieg gegen den Iran begonnen haben. Damit, dass der Konflikt mehrere Monate andauert, hatte Trump ganz offensichtlich nicht gerechnet. "Wir gehen davon aus, dass es etwa vier Wochen dauern wird. Es war schon immer ein vierwöchiger Prozess, also - so stark es auch ist, es ist ein großes Land, es wird vier Wochen dauern - oder weniger", sagte Trump kurz nach Kriegsbeginn der britischen Zeitung "Daily Mail".

Aus vier Wochen wurden bisher sechs Monate - und eine Einigung mit Teheran ist nicht in Sicht. Unterdessen weitete sich der Konflikt mit Tausenden Toten auf die gesamte Region aus und hat Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, nachdem der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gekommen ist. Wie ist es dazu gekommen und wie steht es derzeit um die Verhandlungen? Eine Chronologie des Kriegs gibt Antworten:

28. Februar

Die USA und Israel beginnen koordinierte Luftangriffe auf Nuklearanlagen, Raketenstellungen und Kommandozentren in Teheran und weiten Teilen Irans. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei wird gezielt getötet. Der Iran reagiert mit Angriffen auf Israel und auf Golfstaaten mit US-Militärstützpunkten. Zudem verbieten die iranischen Revolutionsgarden Schiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus, einer der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels.

2. März

Der Krieg weitet sich aus: Die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon beschießt den Norden Israels mit Raketen. Damit reagiert sie nach eigenen Angaben auf die Tötung von Chamenei. Israels Armee bombardiert daraufhin Ziele im Libanon.

8. März

Chameneis Sohn Modschtaba wird zum neuen Staatsoberhaupt im Iran ernannt. Wie sein Vater ist auch er dafür bekannt, erzkonservativ zu sein und den iranischen Revolutionsgarden nahezustehen. Öffentlich zeigt er sich nach seiner Ernennung nie.

28. März

Die militant-islamistische Huthi-Miliz im Jemen tritt auf der Seite des Iran in den Krieg ein. Die Rebellen reklamieren Angriffe auf Israel für sich. Die von Teheran unterstützte Miliz ist wie die islamistische Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon Teil der iranischen "Achse des Widerstands". Deren erklärtes Ziel ist die Vernichtung Israels.

8. April

Der Iran und die USA einigen sich kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe und die Öffnung der Straße von Hormus. Zuvor hatte Trump dem Iran gedroht: "Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren."

11. April

In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad beginnen zweitägige Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein dauerhaftes Ende des Kriegs. Eine Einigung wird nicht erzielt.

13. April

Die USA starten eine Blockade der Straße von Hormus. An der Durchfahrt durch die Meerenge sollen Schiffe gehindert werden, die einen iranischen Hafen als Start oder Ziel haben.

17. April

Der Iran erlaubt Handelsschiffen die Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Ursprünglich ist die Öffnung bis zum Ende der Waffenruhe geplant. Weil die USA aber nicht von ihrer Blockade iranischer Häfen abrücken, hält die Öffnung seitens Teheran nur einen Tag.

21. April

Kurz vor Ende der Waffenruhe gibt Trump dem Iran mehr Zeit für eine Verhandlungslösung und verlängert überraschend und einseitig die Feuerpause auf unbestimmte Zeit.

1. Mai

In einem Brief an den US-Kongress erklärt Trump die Kampfhandlungen im Iran (Operation "Epic Fury") für beendet. Kurz darauf wären die 60 Tage verstrichen gewesen, in denen der US-Präsident eine Militäroffensive auch ohne Zustimmung des US-Kongresses befehligen darf.

7. Mai

Nach iranischen Attacken auf drei US-Zerstörer in der Straße von Hormus greift das US-Militär Ziele in der Islamischen Republik an. Im Mai gibt es über Wochen neben gegenseitigen Angriffen und Drohungen auch Gespräche über ein mögliches Kriegsende - ohne konkretes Ergebnis.

2./3. Juni

Irans Revolutionsgarden feuern ballistische Raketen und Drohnen auf US-Militärstützpunkte in Kuwait und Bahrain, das US-Militär wiederum greift eine iranische Militäreinrichtung in der Straße von Hormus an.

7. Juni

Erstmals nach zwei Monaten feuert der Iran wieder Raketen auf Israel. Israel fängt nach eigenen Angaben die Geschosse ab, Trümmer landen am Boden.

8. Juni

Trotz Trumps Aufforderung, auf Gegenschläge zu verzichten, reagiert Israel mit Angriffen auf Ziele im Iran. Auch iranische Raketen fliegen erneut in Richtung Israel. Die Huthi-Miliz im Jemen reklamiert Angriffe auf Israel für sich.

11. Juni

Der Iran sperrt die Straße von Hormus nach eigenen Angaben komplett: Jedes Schiff, das die Meerenge zu passieren versuche, werde angegriffen. Die USA dementieren die Sperre.

14. Juni

Die USA und der Iran einigen sich auf ein Rahmenabkommen. Der Vereinbarung zufolge soll binnen einer Frist von 60 Tagen eine Einigung über die Begrenzung des iranischen Atomprogramms und die Aufhebung der US-Sanktionen ausgehandelt werden. Zudem sollten mehrere Bedingungen erfüllt werden, die eine ungehinderte Schifffahrt im persischen Golf ermöglichen. Weil sich die im April verlängerte Feuerpause als brüchig erwies, bekräftigen die Verhandler nun: Während der Gespräche soll eine Waffenruhe gelten, auch im Libanon.

17. Juni

Trump unterzeichnet das Rahmenabkommen auf Schloss Versailles, auf dem er von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zum Abschluss des G7-Gipfels empfangen worden war. Die spontane Aktion zog wegen historischer Parallelen viel Spott auf sich: Im Spiegelsaal des Schlosses wurde 1918 fast auf den Tag genau am gleichen Datum der Vertrag von Versailles unterzeichnet, der den Ersten Weltkrieg beendete und dabei Bedingungen schuf, die letztlich zum Zweiten Weltkrieg beitrugen.

19. Juni

Nach Angaben der US-Regierung einigen sich auch Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz auf eine neue Waffenruhe. Schon am Folgetag gibt es aber neue Kämpfe zwischen den Parteien.

20. Juni

Unter Hinweis auf die Kämpfe im Libanon kündigt Iran eine erneute Schließung der Straße von Hormus an. Es folgen Wochen der Unsicherheit, in denen beide Seiten widersprüchliche Angaben zum Status des Schifffahrtswegs machen.

23. Juni

Der US-Senat verabschiedet eine Resolution, die Trump anweist, den Krieg gegen den Iran zu beenden oder die Genehmigung des Kongresses für weitere militärische Maßnahmen einzuholen. Der Beschluss gilt als symbolisches Zeichen.

27. Juni

Erstmals seit Unterzeichnung des Rahmenabkommens meldet das US-Militär wieder Angriffe gegen den Iran. Spannungen und Angriffe in der Golfregion nehmen zu, die Gespräche zwischen Washington und Teheran ruhen.

8. Juli

Trump erklärt die Waffenruhe mit dem Iran für beendet und kündigt neue Angriffe an. Auslöser für die neue Eskalation sind Angriffe auf Schiffe in der Gegend der Straße von Hormus, für die Washington Teheran verantwortlich macht.

27. Juli

Die US-Angriffe auf den Iran werden Trump zufolge vorerst ausgesetzt, um laufenden Verhandlungen über die Straße von Hormus und das iranische Atomprogramm eine weitere Chance zu geben. Zwei Tage später werden neue Angriffe des US-Militärs im Iran gemeldet.

17. August

Das auf 60 Tage angelegte Rahmenabkommen läuft aus - möglicherweise auch bereits am Wochenende, der im Abkommen festgehaltene Termin ist nicht bekannt. Keine Kriegspartei scheint eine Verlängerung anzustreben.

19. August

Trump will den Iran mit einem "Wirtschaftskrieg" zum Einlenken bringen. Er spricht von einer Isolation des Iran in nie dagewesenem Ausmaß, an der sich auch Verbündete der USA beteiligen sollen.

26. August

Teheran bezeichnet den verschärften wirtschaftlichen Druck der USA auf das Land als wirkungslos und stellt Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus. Washington werde mit wirtschaftlichem Druck "nichts erreichen", so der iranische Präsident Massud Peseschkian. Iran und Oman verhandeln unterdessen über einen vorläufigen Schifffahrtskorridor. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu schließt eine diplomatische Einigung mit Teheran aus.

Quelle: ntv.de, nbr/dpa/AFP/rts

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