Politik

Offensive beendet Türkei zieht Armee zurück

Die Türkei hat ihre Offensive gegen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK im Nordirak einen Tag nach Kritik der US-Regierung beendet. Der Generalstab in Ankara betonte aber, die Entscheidung sei nicht auf ausländischen Druck hin getroffen worden. Die Armee habe ihre Ziele erreicht, auch wenn die Bodenoffensive nicht das Ende der PKK bedeute. US-Präsident George W. Bush hatte vom NATO-Verbündeten Türkei ein baldiges Ende der Militäroffensive gefordert, nachdem die Türkei einen Zeitplan noch am Donnerstag abgelehnt hatte. Bagdad begrüßte das Ende der Offensive.

Der Sprecher der irakischen Regierung, Ali al-Dabbagh, erklärte: "Wir begrüßen den Abzug der türkischen Truppen aus dem Norden des Iraks." Der "geordnete Rückzug" der türkischen Truppen habe im Morgengrauen begonnen. Er hoffe, dass der Gesprächsfaden zwischen Ankara und Bagdad in Zukunft nicht abreißen werde, damit es keine weiteren militärischen Konfrontationen mehr gebe.

60 Ziele zerstört

Der türkische Generalstab erklärte, Hauptziel der achttägigen Offensive sei ein wichtiges Lager der PKK im nordirakischen Zap-Tal gewesen. Dieses war von Soldaten eingenommen worden. Türkische Medien hatten unter Berufung auf Militärkreise berichtet, die Armee wolle im Anschluss auf das Hauptquartier der PKK in den Kandil-Bergen etwa 100 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt vorrücken.

Nach Angaben des Generalstabes wurden bei der Offensive 240 PKK-Mitglieder, 24 türkische Soldaten und 3 türkische Dorfschützer - Mitglieder einer von der türkischen Regierung unterstützten Dorfmiliz - getötet. Die PKK bestreitet, dass es in ihren Reihen so viele Tote gegeben hat. Die türkische Armee zerstörte nach eigenen Angaben im Irak außerdem 60 Ziele der PKK.

PKK-Sprecher Ahmed Deniz sagte, die türkische Armee habe bereits am Donnerstag damit begonnen, zahlreiche Stellungen in der Region Al-Amadija zu räumen. Ein Großteil der türkischen Truppen sei inzwischen aus dem Gebiet abgezogen worden. Die verbleibenden Soldaten hielten sich nahe der Grenze auf, "sie stehen nicht weiter als einen Kilometer von der Grenze entfernt".

Einmarsch mit 10.000 Soldaten

Der Nachrichtensender Al-Arabija berichtete unter Berufung auf kurdische Kämpfer im Nordirak, die türkischen Truppen hätten sich aus Gebieten am Zab-Fluss zurückgezogen, in denen sie zuvor Minen verlegt hätten. Türkische Medien hatten berichtet, es seien 10.000 Soldaten im Einsatz. Nach anderen Berichten waren es deutlich weniger. Die PKK ist in den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

US-Präsident George W. Bush hatte am Vortag erklärt: "Ich stimme stark mit Verteidigungsminister Robert Gates überein, dass der Einsatz begrenzt und vorübergehend sein muss." Das türkische Militär müsse "schnell vorgehen, sein Ziel erreichen und wieder abziehen". Auf die Frage, wie schnell genau, sagte der Präsident: "So schnell wie möglich."

Quelle: ntv.de