Politik

Kampf gegen "Narcoterroristen"US-Armee wirft sich mit voller Wucht in den Drogenkrieg 

30.09.2026, 19:07 Uhr
imageVon Lukas Märkle
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Ein US-Soldat beim Antidrogeneinsatz mit dem ecuadorianischen Innenminister. (Foto: AFP)

Donald Trump weitet seinen Drogenkrieg gegen die Kartelle in Südamerika aus. Nicht nur aus der Luft werden angebliche Schmugglerboote angegriffen. Das US-Militär ist nun auch am Boden aktiv bei Razzien.

Stolz hat Ecuadors Präsident Daniel Noboa in sozialen Netzwerken das Resultat einer der ersten gemeinsamen Einsätze mit dem US-Militär präsentiert. Fotos zeigen blutüberströmte Leichen mutmaßlicher Kartellmitglieder auf einer Straße neben einem von Einschusslöchern übersäten SUV. Unter den Getöteten sei ein "Logistik- und Finanzmanager internationaler Drogenhandelsnetzwerke", berichtete der Staatschef.

Die Toten sind eine Folge der ausgeweiteten US-Einsätze im Drogenkrieg in Südamerika. Die Truppen der Vereinigten Staaten gehen dabei nicht mehr nur aus der Luft vor. Das US-Militär schlägt nun auch am Boden zu.

Bei einer weiteren gemeinsamen Razzia in der vergangenen Woche waren nach Angaben des ecuadorianischen Innenministers John Reimberg 50 Angehörige des US Southern Command und der US-Antidrogenbehörde DEA beteiligt. Gemeinsam mit Hunderten Einsatzkräften der Nationalpolizei führten sie Razzien gegen einen Ableger eines mexikanischen Kartells durch.

Mehr als 200 Tote bei Angriffe auf Boote

Ecuador liegt zwischen den beiden größten Kokainproduzenten der Welt: Kolumbien und Peru. Die Folgen des regionalen Drogenhandels sind deshalb auch in Ecuador spürbar. Die damit einhergehende Gewalt hält verstärkt in dem Land Einzug. Ecuador dient Kriminellen als Transit- und Umschlagplatz, um Kokain in die USA, nach Europa oder nach Asien zu verschiffen. Banden kämpfen vor Ort um die Schmuggelrouten und Territorien, was inzwischen zu einer der höchsten Mordraten Südamerikas geführt hat.

Unter Präsident Noboa hat sich Ecuador zu einem wichtigen Akteur im "Shield of the Americas" entwickelt, dem Sicherheitsbündnis der Trump-Regierung. Dem Verbund gehören weitere lateinamerikanische Staaten an, die überwiegend von rechten Regierungen geführt werden. Zuletzt trat Kolumbien bei - nach dem Wahlsieg des rechten Hardliners Abelardo de la Espriella im August der Allianz.

"Kein Staat kann allein einen Feind besiegen, der keine Grenzen kennt", sagte Noboa vor der UN-Generalversammlung zum Kampf gegen die Drogenkriminalität. "Lange Zeit wurde die organisierte Kriminalität als ein Problem der Polizei betrachtet. Heute wissen wir, dass sie mehr als das ist." Noboa vertritt damit eine ähnliche Linie wie Washington. Die Trump-Regierung und ihre Verbündeten bezeichnen Kartelle und andere kriminelle Gruppen als "Narcoterroristen". Im März hatten die USA Ecuador bereits dabei unterstützt, angebliche Drogenschmuggler an der Grenze zu Kolumbien zu bombardieren.

Im vergangenen Monat wurden mehrere ecuadorianische Fischerboote im Pazifik zerstört, die angeblich dem Drogenschmuggel dienten. Das US-Militär führt die Angriffe auf mutmaßliche Schmugglerboote seit rund einem Jahr durch. Bei den rechtlich umstrittenen Attacken in internationalen Gewässern wurden US-Medienberichten zufolge inzwischen mehr als 200 Menschen getötet. Belege für Verbindungen der Boote zu Drogenkartellen oder zum Schmuggel legten die Vereinigten Staaten jedoch nicht vor.

Drogenschmuggel wird nicht eingedämmt

Bisher sorgt die Welle der Militärschläge aber nicht für eine Eindämmung des Drogenschmuggels. Einem Bericht der US-Antidrogenbehörde DEA zufolge sind weder die Menge noch die Reinheit des in die USA geschmuggelten Kokains zurückgegangen. Auch der Schwarzmarktpreis habe sich nicht verändert, berichtete die "Washington Post" bereits im Juli unter Berufung auf die Analyse. Ein Preisanstieg würde auf eine Verknappung des Angebots hindeuten.

Der DEA zufolge führen die US-Angriffe lediglich zu einem strategischen Wandel bei den Kartellen: Statt auf kleinere Schnellboote, die über das offene Wasser fahren, werde auf größere Schiffe gesetzt, die sich nahe an der Küste halten und nicht der Gefahr von Angriffen in internationalen Gewässern ausgesetzt sind.

Die US-Regierung hat inzwischen mehr als 20 Gruppen als 'ausländische terroristische Organisationen' eingestuft. Trump spricht von einem "Krieg" gegen die Kartelle - ohne entsprechende formale Kriegserklärung des Kongresses, wie Kritiker bemängeln.

Auf US-Seite ist General Francis Donovan, der Kommandeur des Southern Command, für die Führung des Antidrogenkampfs in Südamerika verantwortlich. Dieser war zuvor lange im Nahen Osten eingesetzt worden. Statt Terrornetzwerke aufzuspüren, jagt er nun mit der "Operation Southern Spear" Drogenkartelle im Dschungel und auf hoher See.

Drogenkrieg könnte ausgeweitet werden

"Es ist eine unglaubliche Herausforderung", erklärte Donovan dem "Wall Street Journal". "Wenn man die Flussnetze, ihre täglichen Durchflussmengen und Gezeitenunterschiede von bis zu 20 Fuß [circa sechs Meter] hinzunimmt, ergibt sich eine einzigartige Kombination aus geografischen und topografischen Problemen, mit der wir bisher einfach noch nicht konfrontiert waren."

Die ursprünglich nur vorübergehend vorgesehene Einheit wurde inzwischen zu einer dauerhaften Eingreiftruppe umgewandelt und koordiniert die gemeinsamen Einsätze. "Diese Maßnahmen können Razzien, Festnahmen oder die Zerschlagung eines Unterschlupfs sein. Es könnte sich sogar um etwas so Routinemäßiges handeln wie den verstärkten Einsatz von Frachtscannern an Grenzkontrollstellen", sagte Donovan zu seinen Plänen. Das Ziel sei es, den Kartellen "umfassenden, systemischen Widerstand" entgegenzusetzen.

Auch Instrumente und Waffensysteme aus dem Antiterrorkampf kommen zunehmend zum Einsatz. US-Medienberichten zufolge sollen weitere Drohnen vom Typ MQ-9 Reaper in die Region verlegt werden, um die Aktivitäten ausweiten zu können. Sie dienen einerseits der Aufklärung, können aber auch mit Raketen ausgerüstet und für Luftschläge eingesetzt werden. Das ist ein bekanntes Mittel aus dem Antiterrorkampf im Nahen und Mittleren Osten.

Die zunehmend operative Rolle der USA bedeutet für das Southern Command einen erheblichen Wandel. Denn das Southern Command war bislang meist nur mit begrenzten militärischen Kräften in der Region präsent. Deren Aufgaben beschränkten sich weitgehend auf den Austausch von Geheimdienstinformationen und die Ausbildung lokaler Einsatzkräfte. Ecuador ist dabei kein Einzelfall. Kolumbien, Paraguay und Jamaika haben in den vergangenen Wochen ebenfalls Vereinbarungen geschlossen, die US-Truppen eine temporäre Stationierung sowie Einsätze im jeweiligen Land erlauben.

Quelle: ntv.de

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