US-Wahl

Serienstars unterstützen Kandidatin in Michigan TV-Präsident macht Wahlkampf

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Martin Sheen als Präsident Jed Bartlett in der Serie "The West Wing".

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Sechs Jahre lang liefert die Serie "The West Wing" Polit-Drama zur besten Sendezeit. Nun sind ihre Stars zurück, allen voran Martin Sheen als Präsident Jed Bartlet. Sie machen Werbung für ein wichtiges Detail auf vielen Stimmzetteln . Und für eine Kandidatin, die beste Verbindungen zur "West Wing"-Truppe hat.

Wie bekommt man einen der beliebtesten US-Präsidenten aller Zeiten und fast sein gesamtes Führungsteam dazu, Wahlkampf für einen zu machen? Bridget McCormack jedenfalls hat es geschafft, mit einer Mischung aus demokratischem Informationsbedürfnis und familiären Verbindungen. Und es hilft, dass besagter Präsident seine zwei Amtszeiten nur im Fernsehen regierte.

Gegen die Ignoranz der Wähler

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Bridget McCormack will Richterin in Michigan werden.

McCormack bewirbt sich in Michigan als Richterin beim höchsten Gericht des Bundesstaates. Ein wichtiges Amt, dass am Wahltag jedoch von vielen Wählern ignoriert wird. Denn ihr Name taucht im sogenannten "nicht-parteiischen" Teil des Stimmzettels auf. Hier können Wähler für Kandidaten ihr Kreuzchen machen, die offiziell keiner Partei zugeordnet sind. Doch sehr oft bleiben die Kästchen leer, weil sich viele Wähler nur auf die großen Rennen mit bekannten und politisch klar definierten Kandidaten konzentrieren. Gut ein Viertel der Wahlzettel bleibt so nur halb ausgefüllt, schreibt die Tageszeitung "USA Today". "Diesen Schwund würde ich gerne reduzieren", sagt McCormack.

Und zwar mit Hilfe von Präsident Josiah Bartlet, in der wirklichen Welt besser bekannt als Schauspieler Martin Sheen. 156 Episoden lang mimte der Golden-Globe-Gewinner den charismatischen Regierungschef in der TV-Serie "The West Wing". Die Show gehört bis heute zu einer der besten Darstellungen des Alltags hinter den Mauern des Weißen Hauses - und sie sah in gewisser Weise sogar die ganz reale Präsidentschaft von Barack Obama voraus. Denn in der Serie übernahm zum Schluss der Latino-Abgeordnete Matthew Santos das höchste Amt des Landes. Die Rolle, gespielt von Jimmy Smits, basierte auf der Lebensgeschichte von Obama, der damals noch Senator für Illinois war.

Sheen erklärt Wahlzettel

Für McCormack kam nun fast die ganze Führungsriege von "West Wing" erneut zusammen. In einem kurzen Webvideo erklären sie, warum sich Wähler auch die Rennen der nicht-parteiischen Kandidaten genau anschauen sollten. "Wenn Sie nur entlang der Parteien wählen, bleiben Ihre Interessen unterrepräsentiert", erklärt Sheen als Präsident Bartlet seiner Sekretärin.

Ganz nebenbei fällt auch der Name Bridget McCormack, als Beispiel für eine von vielen nicht-parteiischen Kandidaten, die unter der Unwissenheit der Wähler leidet. "Bridget hat ihr ganzes Leben dafür gekämpft, dass Menschen wie du und ich ihr Recht bekommen", sagt der stets hyperaktive Stabschef Josh Lyman (Bradley Whitford) in einem Meeting, während Pressesprecherin C.J. Cregg (Allison Janney) durch Kampagnenmaterial von McCormack blättert. "Irgendwas sagt mir, dass sie reizend ist, super-clever und vielleicht sogar sexy", flötet Sicherheitsberaterin Kate Harper dazwischen. Die wird gespielt von Mary McCormack - und spätestens da wird klar, wie die Kandidatin für rein lokales Richteramt so viel Hollywood-Power für sich zusammentrommeln konnte.

Familienbande mit Starpower

Denn Mary und Bridget sind verwandt. Während die eine das Gesetz studierte, wurde die andere eine berühmte Schauspielerin, unter anderem in "The West Wing". Mary McCormack war es dann auch, die ihre Ex-Kollegen für den Werbespot zusammenbrachte. Die mussten sich nicht lange bitten lassen, schließlich gehören die meisten von ihnen zu den politisch besonders engagierten Stars im Filmgeschäft. Sheen ist seit vielen Jahren Bürgerrechts- und Umweltaktivist, Whitford taucht regelmäßig in politischen Talkshows auf, wo er für Barack Obama wirbt.

Aaron Sorkin, der Macher von "West Wing", war an der Produktion nicht beteiligt. Trotzdem ist auch er im Spot omnipräsent. Kaum eine Szene, in der nicht sein legendärer Stil parodiert wird. Von den sogenannten "Walk-and-talks", bei denen die Figuren im Gehen politische Themen diskutieren, bis hin zu Präsident Bartlets eigentümlicher Art, das Sakko anzuziehen: Fans der Serie finden etliche Referenzen zur früheren Serie, die in ihrer besten Zeit bis zu 17 Millionen Zuschauer hatte.

Hollywood für lau

Dass die Kosten mit 5000 US-Dollar eher moderat ausfielen, hatte Kandidatin McCormack vor allem der Großzügigkeit der Stars zu verdanken: Die arbeiteten nämlich für lau. Ihren Namen dürften in Michigan inzwischen deutlich mehr Wähler kennen: Mehr als 720.000 Klicks in sechs Tagen hat das Video auf Youtube bekommen.

Bleibt nur zu hoffen, dass Michigans Wähler am 6. November nicht enttäuscht sind, wenn der Name Josiah Bartlet nirgendwo auf dem Stimmzettel auftaucht. Der nämlich tritt mit Sicherheit nicht an.

Quelle: ntv.de