Politik

Drohnenattacke auf Saudi-Arabien USA und Iran liefern sich Schlagabtausch

Die größte Raffinerie eines der weltgrößten Ölproduzenten steht nach einem Drohnenangriff in Saudi-Arabien in Flammen. Zwischen Washington und Teheran entspinnt sich ein Streit, wer der Verursacher ist. Erst allmählich wird deutlich, dass der Angriff die ganze Welt treffen könnte.

Zwischen den USA und dem Iran entwickelt sich ein Schlagabtausch zur Streitfrage, wer für die verheerenden Drohnenangriffe auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien verantwortlich ist. Irans Präsident Hassan Ruhani wies seinerseits US-Vorwürfe zurück, dass sein Land hinter den Attacken stecke. Die USA wollten mit ihren Vorwürfen nur davon ablenken, dass ihr Verbündeter Saudi-Arabien ständig Luftangriffe auf Jemen fliege und Menschen töte, sagte Ruhani. Die USA müssten eingestehen, "dass ihre Präsenz in der Region die Probleme schafft", fügte Ruhani hinzu.

Die Drohnenangriffe auf zwei Anlagen des Staatskonzerns Aramco in Abkaik und Churais im Osten Saudi-Arabiens wurden am Samstag verübt. Zu den Attacken bekannten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen. Dessen ungeachtet machten die USA den Iran verantwortlich. "Der Iran hat einen beispiellosen Angriff auf die globale Energieversorgung verübt", schrieb US-Außenminister Mike Pompeo auf Twitter.

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In den sozialen Medien kursieren Bilder von den gigantischen Flammen rund um die getroffene Ölanlage.

(Foto: via REUTERS)

Der iranische Präsident äußerte sich kurz vor seinem Abflug Richtung Ankara, wo er am Montag die Präsidenten der Türkei und Russlands treffen will. Bei dem Gipfel soll es offiziell um die Situation in Syrien gehen. Aber auch die Drohnenangriffe und ihre Auswirkungen auf die ohnehin fragile Situation in der Region dürften zur Sprache kommen.

Trump bietet Hilfe an

Pompeo forderte alle Nationen auf, die iranischen Angriffe "öffentlich und eindeutig" zu verurteilen. Die USA würden sicherstellen, dass der Iran für seine Aggression zur Rechenschaft gezogen werde. Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump habe dem saudischen Kronprinzen Mohammad Bin Salman am Telefon "seine Unterstützung für Saudi-Arabiens Selbstverteidigung" angeboten.

Die Drohnenangriffe haben die Ölproduktion in dem Königreich dramatisch einbrechen lassen. Die Produktionsmenge sei infolge der "terroristischen Attacken" um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens pro Tag eingebrochen, berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA. Der Komplex wird zu den weltweit wichtigsten Ölanlagen gezählt.

Größte Raffinerie Saudi-Arabiens

Nach offiziellen Angaben erschütterten am frühen Samstagmorgen gegen 3.31 Uhr und 3.42 Uhr Ortszeit mehrere Explosionen Anlagen des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Churais und Abkaik. Auf Videos in sozialen Netzwerken sind große Feuer über den Komplexen zu sehen, die den Nachthimmel erleuchten. Satellitenbilder von NASA und ESA zeigten im Laufe des Samstags mehrere riesige schwarze Rauchfahnen, die sich bis zu 150 Kilometer weit über Saudi-Arabien erstreckten.

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Die Brände seien unter Kontrolle, teilte Saudi-Arabiens Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman bin Abdulasis kurz darauf mit. Durch die Angriffe sei die Produktion in Abkaik und Churais aber zeitweise ausgesetzt. Auch die Produktion von Flüssiggas sei betroffen. Der Produktionsausfall könne aber durch Lagerbestände ausgeglichen werden.

Nach Angaben von Saudi Aramco ist der Komplex die größte Raffinerie des Landes und die größte Rohölstabilisierungsanlage der Welt. Abkaik spiele eine entscheidende Rolle in der täglichen Produktion des Unternehmens. Von hier werde verarbeitetes Öl weiter an die Ost- und Westküste des Landes sowie nach Bahrain geleitet. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris sieht nach den Drohnenangriffen zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt, teilte die IEA mit.

USA könnten einspringen

Im Falle von Engpässen seien die USA zur Freigabe von Ölreserven bereit, teilte eine Sprecherin des US-Energieministeriums am Sonntag mit. Die strategischen Ölreserven der USA umfassen nach Ministeriumsangaben 630 Millionen Barrel. Saudi-Arabien produzierte nach Angaben der OPEC im vergangenen Monat rund 9,8 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Ein Militärsprecher der Huthis bezeichnete den Angriff mit zehn Drohnen am Samstag als "legitime Antwort" auf die anhaltende Militärkampagne Saudi-Arabiens im Jemen. "Wir versprechen dem saudischen Regime, dass unsere nächste Operation größer und schmerzhafter sein wird", sagte Militärsprecher Jahia Saria.

Das arabische Königreich führt im Jemen eine von den USA unterstützte Militärkoalition an, die gegen die Huthis kämpft. Diese werden wiederum vom Iran unterstützt und halten große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter Kontrolle.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa/AFP

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