Politik

Asowstal-Kämpfer und Ausländer Ukraine meldet Austausch Hunderter Gefangener

Die Ukraine und Russland einigen sich auf den größten Gefangenenaustausch seit Kriegsbeginn. Unter den Freigelassenen sind auch Verteidiger des Asow-Stahlwerks in Mariupol. Zudem kommen zehn Ausländer frei - darunter zwei von Separatisten zum Tode verurteilte Briten.

Die Ukraine hat den größten Gefangenenaustausch mit Russland seit Beginn des Krieges Ende Februar verkündet. "Wir haben es geschafft, 215 Menschen zu befreien", sagte der Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Andrij Jermak, im Fernsehen. Wie Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner täglichen Ansprache mitteilte, habe Russland im Austausch 55 Gefangene erhalten, darunter Wiktor Medwedtschuk, ein ehemaliger ukrainischer Abgeordneter und Verbündeter von Russlands Präsident Wladimir Putin.

Laut Selenskyj waren unter den Freigelassenen auch Militärbefehlshaber, die an der Verteidigung des Asow-Stahlwerks in der südukrainischen Hafenstadt Mariupol beteiligt waren. Sie seien in einer lange vorbereiteten Aktion in die Türkei gebracht worden. Die Freigelassenen würden "in vollständiger Sicherheit" bis zum Ende des Krieges dort bleiben, erläuterte Selenskyj.

Zehn ausländische Gefangene frei

Die von Russland kontrollierten Separatisten in der Ostukraine hatten zuvor zehn gefangene Ausländer freigelassen, darunter fünf Briten. Das Außenministerium in Saudi-Arabien erklärte, die Männer seien aus Russland in das Königreich gebracht worden. Von dort werde ihre Heimreise organisiert. Die anderen Freigelassenen stammten demnach aus den USA, Marokko, Schweden und Kroatien.

Die britische Premierministerin Liz Truss sprach auf Twitter von einer "sehr willkommenen Nachricht". Damit seien Monate der Unsicherheit und des Leidens für die Betroffenen und ihre Familien zu Ende gegangen. Zu den Freigelassenen zählte ein 28-jähriger Brite, der in einem Schauprozess wegen Söldnertums zum Tode verurteilt worden war, wie Gesundheitsstaatssekretär Robert Jenrick mitteilte.

Nach Informationen der BBC wurde auch der zweite damals verurteilte Brite freigelassen. Gegen die drei anderen, davon zwei freiwillige Kämpfer und ein humanitärer Helfer, sei ebenfalls ein Schauprozess angestrengt worden. Ein Brite war in Gefangenschaft der Separatisten in Donezk gestorben. Der Leichnam wurde Anfang September an die Ukraine übergeben, er wies nach Kiewer Angaben Folterspuren auf.

Saudi-Arabien als Vermittler

Truss dankte dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für seine Bemühungen und Saudi-Arabien für die Unterstützung. Kronprinz Mohammed bin Salman hatte den Angaben nach in der Sache vermittelt. "Russland muss die rücksichtslose Ausbeutung von Kriegsgefangenen und zivilen Häftlingen für politische Zwecke beenden", forderte Truss.

Die Freilassung war den Angaben nach Teil eines größeren Gefangenenaustauschs zwischen Russland und der Ukraine. Zu den Heimkehrern sollen auch die US-Bürger Alexander Drueke und Andy Huynh gehören, wie US-Medien unter Berufung auf die Familien berichteten. Die Männer aus dem US-Bundesstaat Alabama waren demnach im Juni während der Kämpfe in der Ostukraine gefangen genommen worden. Sie hatten sich den ukrainischen Truppen im Kampf gegen die russischen Invasoren angeschlossen.

Am Dienstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im US-Fernsehen gesagt, Russland und die Ukraine hätten sich auf den Austausch von 200 Gefangenen geeinigt. Erdogan bezeichnete die Gefangenen als "Geiseln", nannte sonst aber keine Einzelheiten. Bin Salman hatte sich laut Berichten saudi-arabischer Staatsmedien am Dienstag mit einem Sondergesandten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj getroffen.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 21. September 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP

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