Politik

Der Kriegstag im Überblick Ukraine meldet Rückeroberung von 46 Siedlungen in Cherson - Westen liefert weitere Raketenwerfer

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Die ukrainischen Streitkräfte können auf weitere HIMARS-Raketensysteme der USA bauen.

(Foto: IMAGO/Cover-Images)

Ungewohnte Einigkeit: Alle Seiten begrüßen es, dass das erste mit Getreide beladene Schiff den Hafen von Odessa verlassen hat. Die USA und Deutschland liefern weitere Raketenwerfer. Unterdessen gibt es heftige Gefechte im Donbass, die Ukraine meldet Fortschritte in der Region Cherson. Der 159. Kriegstag im Überblick.

Erstes Getreideschiff verlässt Hafen von Odessa

Der Start der Getreidelieferung aus der Ukraine hat die Hoffnung auf eine Linderung der sich anbahnenden Ernährungskrise geweckt. "Heute macht die Ukraine gemeinsam mit Partnern einen weiteren Schritt zur Verhinderung des Hungers in der Welt", teilte der ukrainische Infrastrukturminister Olexander Kubrakow bei Facebook mit. Zuspruch dafür gab es aus der EU und von der NATO.

Auch Russland hat das Auslaufen des ersten Frachtschiffes mit ukrainischem Getreide aus dem Schwarzmeer-Hafen Odessa begrüßt. "Das ist ziemlich positiv", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. "Das ist eine gute Möglichkeit, die Effektivität der Arbeit von Mechanismen zu testen, die bei den Verhandlungen in Istanbul vereinbart wurden."

In Istanbul war am 22. Juli das unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei ausgehandelte Abkommen über den Getreideexport unterzeichnet worden. Am Morgen war das Frachtschiff "Razoni" mit 26.000 Tonnen Mais an Bord in Richtung Libanon aufgebrochen. Seine Fracht soll am morgigen Dienstag bei einem Zwischenstopp in Istanbul überprüft werden.

Ukraine hofft durch Getreide auf Milliarden-Einnahme

Durch die Wiederinbetriebnahme von drei Häfen könne die Wirtschaft der Ukraine mindestens eine Milliarde US-Dollar (rund 980 Millionen Euro) einnehmen und Planungen im Agrarsektor ermöglichen, sagte Infrastrukturminister Kubrakow. 16 weitere Schiffe warteten bereits in den Häfen am Schwarzen Meer auf ihre Abfahrt, sagte Kubrakow. Diese Frachter seien seit der russischen Invasion vor gut fünf Monaten blockiert gewesen. Russland hatte stets betont, es erwarte im Gegenzug, dass seine Getreide-, Lebensmittel- und Düngerexporte ebenfalls wieder in vollem Umfang aufgenommen werden können.

Moskau: Armee zerstört westliche Militärtechnik

Russlands Armee hat in der Ukraine eigenen Angaben zufolge erneut westliche Militärtechnik zerstört. In der ostukrainischen Stadt Charkiw seien auf einem Werksgelände zwei Abschussanlagen für US-amerikanische HIMARS-Raketen getroffen worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow. Unweit der Schwarzmeer-Metropole Odessa hätten die russischen Truppen eine Vorrichtung für ebenfalls von den USA gelieferte Schiffsabwehrraketen des Typs Harpoon zerstört. Die westliche Militärhilfe, mit der die Ukraine eigenen Angaben zufolge teils erfolgreiche Gegenoffensiven startet, ist Russland ein Dorn im Auge.

USA übergeben vier weitere HIMARS-Raketenwerfer

Derweil kann die Ukraine vier weitere HIMARS-Raketensysteme der USA in Betrieb nehmen. Nach Angaben von Verteidigungsminister Olexij Resnikow wurden die präzisen Mehrfachraketenwerfer vor Kurzem ausgeliefert. Er sei US-Präsident Joe Biden, Verteidigungsminister Lloyd Austin und dem amerikanischen Volk dankbar, dass sie das ukrainische Militär unterstützten, schrieb Resnikow auf Twitter. "Der Klang der HIMARS ist der Tophit an der Front." Die Mehrfachraketenwerfer haben eine größere Reichweite und sind präziser als die noch aus Sowjetzeiten stammende Artillerie der Ukraine.

Auch Deutschland hat weitere Waffen geliefert. Laut Verteidigungsminister Resnikow ist ein weiterer Mehrfachraketenwerfer vom Typ MARS II in der Ukraine eingetroffen. Damit verfügt die Ukraine nun über drei Systeme dieses Typs. Deutschland liefert die Systeme an die Ukraine. Verteidigungsminister Resnikow dankt Deutschland und Verteidigungsminister Christine Lambrecht ausdrücklich für die Lieferung.

Ukrainisches Militär: 46 Siedlungen in Cherson zurückerobert

Die ukrainischen Truppen drängen derweil die russische Armee in der südlichen Region Cherson nach eigenen Angaben weiter zurück. "Heute wurden 46 Siedlungen in der Region Cherson befreit", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax Ukraine den amtierenden Leiter der regionalen Militärverwaltung von Cherson Dmytro Butrii - die meisten davon den Angaben zufolge im Norden des Oblast an der Grenze zur Region Dnipropetrowsk und etwas weiter südlich an der Grenze zur Region Mykolajiw.

Weitere heftige Kämpfe in der Ost-Ukraine

In der ostukrainischen Region Donezk haben die russischen Truppen Angaben aus Kiew zufolge ihre Angriffe in Richtung der Stadt Bachmut fortgesetzt. "Die Kämpfe dauern an", teilte der ukrainische Generalstab auf Facebook mit. Auch in der benachbarten Stadt Soledar habe es Vorstöße der Russen gegeben, die aber abgewehrt worden seien. Der ukrainische Generalstab berichtete zudem von Kämpfen nordwestlich und westlich der unter russischer Kontrolle stehenden Großstadt Donezk. Die russischen Attacken bei Pisky und Marjinka seien ohne Erfolg geblieben, hieß es.

Separatisten: 50 ukrainische Soldaten im Donbass getötet

Die vom Kreml unterstützten Separatisten melden militärische Erfolge im Donbass. Demnach haben Truppen der selbsternannten Volksrepublik Luhansk (LNR) in den vergangenen 24 Stunden 50 ukrainische Soldaten getötet. Außerdem wurden laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass, die einen Sprecher der LNR zitiert, vier gepanzerte Truppentransporter zerstört. Wo sich die Kämpfe ereignet haben, wurde nicht mitgeteilt.

Russland veröffentlicht Pläne für Mariupol

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Die russische Nachrichtenagentur Tass veröffentlichte bereits Bilder aus Mariupol.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Schon im nächsten Monat will Russland die ersten neuen Gebäude in der nahezu komplett zerstörten Stadt Mariupol eröffnen. "Die ersten Wohngebäude werden im September stehen", sagte Vize-Ministerpräsident Marat Chusnullin dem russischen Fernsehsender RBC. Auch sollten bis dahin die ersten Krankenhäuser fertig gebaut sein. Ferner gebe es Pläne für den Wiederaufbau des historischen Zentrums von Mariupol. Russischen Truppen hatten die Stadt im Südosten der Ukraine vor ihrer Eroberung wochenlang belagert und bombardiert.

Von der Leyen warnt vor "schlimmster Situation"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat vor einer Zuspitzung der Energiekrise in der Europäischen Union in Folge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine gewarnt. "Da Russland bereits zwölf Mitgliedsländern (der EU) die Gaslieferungen ganz oder teilweise abgedreht hat, müssen wir uns alle auf die schlimmste Situation vorbereiten", erklärte von der Leyen der spanischen Zeitung "El Mundo". Der vorige Woche vereinbarte europäische Notfallplan zur Drosselung des Gaskonsums werde aber "dazu beitragen, unseren Bedarf an Wintervorräten zu decken". Spanien hatte sich wie andere EU-Länder dem Notfallplan zunächst widersetzt, das Vorhaben nach Zugeständnissen aber am Ende gebilligt.

Weitere wichtige Texte zum Ukraine-Krieg:

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, ses/dpa/rts

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