Politik

UN-Bericht erhebt schwere Vorwürfe Vatikan missachtet Rechte von Kindern

35601414.jpg

Seit Jahren erschüttern immer neue Missbrauchsfälle die katholische Kirche. Die Aufklärung geht den Vereinten Nationen nicht weit genug.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der UN-Ausschuss für die Rechte von Kindern wirft dem Vatikan vor, die Kinderrechtskonvention zu verletzen. So würden nicht nur Missbrauchsfälle ungenügend aufgeklärt, das Kirchenrecht schütze zudem die Täter. Die Experten fordern Konsequenzen.

Die Vereinten Nationen haben den Vatikan wegen Tausender Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in der Kirche aufgefordert, sich von überführten oder verdächtigten Priestern zu trennen. Diese müssten umgehend aus ihren Ämtern entfernt und den staatlichen Behörden überstellt werden, forderte das UN-Kinderschutzkomitee in einem in Genf vorgelegten Bericht.

Die Experten warfen dem Vatikan vor, Auskunft über das genaue Ausmaß von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche zu verweigern. Damit stelle der Vatikan den Ruf der Kirche über das Kindeswohl. Sie forderten, Fälle von Kindesmissbrauch öffentlich zu untersuchen.

Der Ausschuss für die Rechte des Kindes überprüft regelmäßig die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention. Bereits bei einer Anhörung in Genf am 16. Januar hatten die Sachverständigen dem Vatikan unter anderem vorgeworfen, Details über das Ausmaß von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche unter Verschluss zu halten. Vertreter des Kirchenstaats betonten, der Vatikan gehe mit aller Kraft gegen Missbrauchsfälle vor. Es war das erste Mal, dass sich der Vatikan öffentlich und ausführlich zum Missbrauchsskandal äußerte.

Verbindliche Regeln gefordert

Weiter zeigte sich das Komitee zutiefst besorgt darüber, dass der Heilige Stuhl das Ausmaß der Verbrechen nicht anerkenne und nicht die erforderlichen Maßnahmen ergreife, um solche Fälle zu verhindern und Kinder zu schützen. Stattdessen gebe es Richtlinien und Vorgaben, die geradezu dazu führten, dass der Missbrauch weitergehe und Täter straflos blieben, hieß es in dem Bericht. Mit der Versetzung von Tätern in andere Pfarreien oder andere Länder versuche die Kirche, Verbrechen zu vertuschen.

Deshalb fordern die Experten verbindliche Regeln im Kirchenrecht, die Kinder künftig besser vor Missbrauch in katholischen Institutionen weltweit schützen sollen.

Im Dezember war bekanntgeworden, dass Papst Franziskus einen Ausschuss für den Schutz der Kinder vor Missbrauch einrichten möchte. Dieses Gremium müsse alle Fälle untersuchen und auch den Umgang der Kirchenführung damit, verlangt der UN-Ausschuss.

Auch Kritik an Deutschland

Von der Bundesregierung forderten die Kinderrechtsexperten derweil mehr Engagement gegen Kinderarmut. So müssten materielle Zuwendungen an ökonomisch benachteiligte Familien erhöht werden, um Kindern einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen. Das geht aus den Empfehlungen des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes hervor.

Die UN-Experten kritisierten zudem die ungleichen Bildungschancen in Deutschland sowie die Behandlung minderjähriger Asylbewerber. Die Bundesregierung hatte bei der Präsentation ihres Berichts vor dem Ausschuss Fortschritte bei der Umsetzung der Kinderrechtskonvention hervorgehoben, zugleich aber weitere Diskussionen angekündigt.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.