Politik

Deutsche Dschihad-Touristen Viele Syrien-Kämpfer waren früher kriminell

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Rekruten der Terrormiliz IS trainieren in Mossul.

(Foto: AP)

Ob Gewalt-, Drogen oder Sexualdelikte - viele deutsche Dschihadtouristen können vor ihrer Reise nach Syrien bereits eine kriminelle Karriere vorweisen. Vor Ort werden die deutschen Islamisten vor allem für eine Aufgabe gebraucht.

Von den aus Deutschland nach Syrien ausgereisten radikalen Islamisten war fast die Hälfte vorher kriminell. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundeskriminalamtes und des Hessischen Informations- und Kompetenzzentrums gegen Extremismus, aus der die "Süddeutsche Zeitung" zitiert.

Demnach war fast die Hälfte der für die Studie betrachteten 670 Syrien-Reisenden zuvor durch Gewalt-, Eigentums- und Drogendelikte aufgefallen, vereinzelt auch wegen Sexualstraftaten. 399 Verdächtige besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft. 114 Dschihadisten waren zum Islam konvertiert. Unter den 80 Studenten, die nach Informationen der Experten nach Syrien gingen, sind viele Studienabbrecher. 63 Islamisten zogen direkt von der Schulbank in den Krieg.

Die meisten Dschihadtouristen waren laut dem Bericht Männer. Allerdings machen der Studie zufolge die Frauen mittlerweile 21 Prozent der Dschihadisten aus, die nach Syrien und in den Irak ausreisen. Viele der Dschihadisten waren vor ihrer Ausreise arbeitslos.

Dies deckt sich mit Erkenntnissen des Bundesnachrichtendiensts. Wie Präsident Gerhard Schindler erst kürzlich sagte, haben die deutschen Kämpfer meist nur eine untergeordnete Rolle. Sie dienten hauptsächlich "als Kanonenfutter und zu Propagandazwecken".

Der Untersuchung zufolge würden deutsche Islamisten auffallend häufig als Selbstmordattentäter eingesetzt, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" weiter. Von den 670 Ausgereisten seien 234 inzwischen wieder zurück in Deutschland. 23 von ihnen säßen in Haft.

Die Studie geht auch auf die sogenannten Radikalisierungsfaktoren ein. Demnach spielt das Internet zu Beginn der Radikalisierung in 30 Prozent der Fälle eine Rollen. Noch wichtiger allerdings sind Freunde (37 Prozent) und Kontakte in Moscheen (33 Prozent) - weshalb viele Dschihadtouristen auch mit Freunden in den Krieg ziehen.

Quelle: ntv.de, ghö