Politik
André Poggenburg kritisiert Frauke Petry, für isoliert in der AfD hält er sie aber nicht.
André Poggenburg kritisiert Frauke Petry, für isoliert in der AfD hält er sie aber nicht.(Foto: dpa)
Samstag, 22. April 2017

Poggenburg zu Petry-Pleite: "Vielleicht zieht sie ja die richtigen Schlüsse"

Frauke Petry erlebt beim AfD-Bundesparteitag ein doppeltes Desaster. Ihr Zukunftsantrag wird ignoriert und die Delegierten entscheiden, für die Wahl ein Spitzenteam aufzustellen – was Petrys Position weiter schwächt. Anschließend verfolgt Petry mit versteinerter Miene, wie Parteikollege Jörg Meuthen sie in seiner Rede öffentlich abmahnt. Der rechte Flügel der Partei dürfte den Tag mit Wohlwollen verfolgt haben. Im Interview mit n-tv spricht der Höcke-Unterstützer André Poggenburg über die Personalie Petry.

n-tv: Frauke Petry hat den Vorschlag gemacht, über die Zukunft der Partei zu sprechen. Das Gremium ist offenbar der Meinung, man möchte lieber über das Programm sprechen. Was ist das für ein Signal der Partei an Frauke Petry?

André Poggenburg: Es gab berechtigte Kritik an dem Antrag unserer Bundesvorsitzenden. Er war nicht gut formuliert, er hat nur Unruhe gestiftet und deswegen ist er ganz gekonnt und wohlverdient von der Tagesordnung genommen worden.

Frauke Petry sieht ziemlich geknickt aus. Erleben Sie das auch so?

Geknickt nicht, sondern nachdenklich. Wenn sie darüber nachdenkt, was sich die Delegierten hier gewünscht haben, ist das ja auch richtig für eine Bundesvorsitzende. Vielleicht zieht sie ja die richtigen Schlüsse daraus und erkennt, dass es innerhalb der AfD eben mehrere Strömungen gibt, die sie akzeptieren muss.

Es ist ja auch der Antrag heruntergenommen worden, dass man das Ausschlussverfahren von Björn Höcke noch einmal diskutiert. Halten Sie das für eine gute Entscheidung, dass weiter geprüft wird, wie man mit ihm umgeht?

Ich finde das nicht schlimm, dass der Antrag heruntergenommen wurde. Das Schiedsgericht Thüringen wird sich damit befassen. Ich glaube, es wird ein klares Ergebnis gegen das Parteiausschussverfahren bringen. Und ich werde sehr dafür kämpfen, dass dann an dieser Stelle Schluss ist.

Wenn man sich so durch die Reihen bewegt, hört man, Frauke Petry sei ein bisschen isoliert. Wie erleben Sie das?

Als Bundesvorsitzende ist sie nicht isoliert. Aber sie hat jetzt mehrmals Dinge getan, die sehr kritikwürdig waren. Ich würde mir wünschen, dass sie künftig etwas mehr mit dem Bundesvorstand und mit den Vertretern relevanter Strömungen spricht und damit auch vermeiden würde, dass es zu Situationen wie bei dem Zukunftsantrag kommt.

Wer soll Ihrer Meinung nach das Spitzenteam bilden?

Ich kann mir vorstellen, dass drei bis fünf Personen das machen sollten. Es sollte die ganze Breite der Partei abgebildet werden. Für mich zählt Alexander Gauland sicher dazu. Auch eine Alice Weidel, die die wirtschaftsliberale Strömung repräsentiert, könnte dazugehören. Frau von Storch steht auch für einen großen Teil der AfD. Für mich steht auf jeden Fall fest, dass Alexander Gauland dabei sein muss.

Welche Botschaft soll am Ende dieser Parteitag aussenden?

Mehrere. Erstens: Die AfD braucht nicht eine Person an der Spitze, um erfolgreich sein zu können. Die Botschaft ist auch: Wir sind weitaus geeinter, als es draußen wahrgenommen wird. Und wenn wir Glück haben, kommt auch rüber, dass wir nicht nur über Personen streiten, sondern auch eine Programmdebatte führen.

Frau Petry hat vorhin zu dem Abstimmungsergebnis Stellung genommen und gesagt, dass sie die Partei zwar noch unterstütze, sich das aber genau ansehe. Empfinden Sie das als Drohung?

Als Drohung nicht, denn womit will Sie drohen? Ich würde mir aber wünschen, dass sie ihre Aussagen in den nächsten Tagen noch etwas präzisiert. Klar ist aber Eines: Spätestens seit dem Weggang von Bernd Lucke ist allen klar, dass niemand der AfD mehr damit drohen kann, dass sie geht. Das haben wir schonmal erlebt und es hat nicht funktioniert. Das wissen wir alle.

Mit André Poggenburg sprach Hero Warrings

Quelle: n-tv.de

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