Politik

Chinas missglücktes Muskelspiel Vietnam und Philippinen gehen auf Barrikaden

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Tausende Vietnamesen gehen seit Tagen auf die Straße, um gegen den Nachbarn China zu protestieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weil China bei den Paracel-Inseln eine Ölplattform errichtet hat, kommt es seit Tagen in Vietnam zu Protesten gegen chinesische Firmen. Und auch die Philippinen fühlen sich brüskiert. Peking sucht die Schuldigen aber auf der anderen Seite des Pazifiks.

Die Randale ist im autoritären Vietnam beispiellos. Mehr als 10.000 Menschen stürmen ein Gelände mit ausländischen Fabriken, setzen Gebäude sowie Autos in Brand und schlagen Fensterscheiben ein. Der Polizeiapparat des autoritären Einparteienstaates hält Demonstrationen eigentlich unter dem Deckel. Aber in diesem Fall liegen die Demonstranten mit ihrer Empörung ganz auf Staatslinie. Es geht gegen China. Der übermächtige Nachbar setzt seine Territorialansprüche im Südchinesischen Meer immer aggressiver durch. Der Proteststurm richtet sich gegen eine gigantische Ölplattform, die China Anfang Mai vor die zentralvietnamesische Küste gezogen hatte. Der Standort ist nahe der Paracel-Inseln, die beide Länder beanspruchen.

Auch mit den Philippinen gibt es laufend Streit. Gerade nahm die dortige Küstenwache an den umstrittenen Spratly-Inseln chinesische Fischer mit 500 Schildkröten fest. Das Südchinesische Meer ist eine bedeutende Fischereizone und gilt als rohstoffreich. "Dieser Fall bedroht den Frieden und die Stabilität in der Region", warnt die vietnamesische Forschungsbeauftragte Huong Le Thu vom Singapurer Institut für Südostasienstudien. "Medien und Soziale Netzwerke schütten auf beiden Seiten noch Öl ins Feuer.

Nicht der erste Konflikt zwischen China und Vietnam

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Chinas Verteidigungsminister Chang Wanquan kündigte hinsichtlich Territorialansprüchen keine Nachsicht an.

(Foto: picture alliance / dpa)

In China heißt es, dies sei eine Lektion, die Vietnam verdient habe - und die anti-chinesische Reaktion in Vietnam ist entsprechend deutlich." Die Länder hatten 1979 schon einmal einen kurzen Grenzkrieg geführt. Der Streit wurde vor 15 Jahren beigelegt.

Vietnam und die Philippinen haben viel zu verlieren. Sie sind auf China angewiesen. China ist Vietnams größter Handelspartner, das Land importiert vor allem. "Wenn China seine Exporte drosseln würde, wäre das für die vietnamesische Wirtschaft schmerzhaft", so ein Ökonome.

Für die Philippinen ist China nach Japan und den USA der drittgrößte Handelspartner. "Die aggressive Haltung Chinas bei der Durchsetzung seiner Territorialansprüche ist kontraproduktiv, aber angesichts des Umfangs unserer Beziehungen können wir einen Sturm überstehen", meint der philippinische Politologe Ramon Casiple. China ist kompromisslos. "Bei unserem Territorium und unserer Souveränität werden wir niemals Kompromisse eingehen, zurückstecken oder uns auf Handel einlassen", zitierten Staatsmedien Chinas Verteidigungsminister Chang Wanquan vor kurzem.

China erhebt Vorwürfe gegen die USA

Doch was treibt China zur neuen Aggressivität? "Das hat etwas mit dem jüngsten Besuch von US-Präsident Obama in Asien zu tun, und mit der Unterzeichnung des neuen Verteidigungsabkommens mit den Philippinen", meint Casiple. Barack Obama hatte 2011 verstärkte Präsenz in Asien angekündigt, auch wenn konkret dabei bislang nicht viel herausgekommen ist. Die "Global Times", ein Ableger des chinesischen Parteiorgans "Volkszeitung", warf den USA vor, die Philippinen und Vietnam in ihrem Protest gegen China noch zu bestärken. US-Außenminister John Kerrys Worte, der Vorstoß mit der Ölplattform sei provokant und aggressiv, "dürften Hanoi und Manila so richtig inspiriert haben", schrieb die Zeitung.

Dass Vietnam diese Proteste nicht unter dem Deckel hielt, erklärt Politologin Huong Le Thu so: "Das Regime sorgt sich um seine Stabilität. Es gibt interne Rangeleien, das schwächt die Legitimität. Eine Bedrohung von außen kann da hilfreich sein: Missmut im Lande kann auf ein anderes Ziel gelenkt werden." Aggressive Vorstöße auf der einen und wütende Demonstrationen auf der anderen Seite bringen nichts, wie Sam Bateman vom RSIS-Institut der Singapurer Nanyang Technologie-Universität meint. "Dabei gibt es nur Verlierer", schreibt er. "Dabei könnten alle Gewinner sein, wenn sie nur die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zur gemeinsamen Verwaltung des Meeres und seiner Ressourcen akzeptieren würden."

Quelle: ntv.de, Christiane Oelrich, dpa

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