Politik

Bildungsmisere Von Finnland lernen

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hat die Länder zu einer gemeinsamen grundlegenden Schulreform in Deutschland aufgefordert. Das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler beim internationalen Schulleistungstest "Pisa" erfordere eine "nationale Antwort und keinen Kompetenzstreit zwischen Bund und Ländern", sagte Bulmahn anlässlich eines Finnland-Besuches zusammen mit sechs deutschen Länder-Schulministern.

Bulmahn besucht mit ihren Amtskollegen aus den Bundesländern seit Pfingstmontag das skandinavische Land, das bei "Pisa" neben Korea weltweit am besten abgeschnitten hatte. Die Minister besichtigen in Begleitung deutscher Wissenschaftler Schulen, Kindergärten und Jugendbildungsstätten.

Bulmahn sagte, auch die nach dem Amoklauf an einem Erfurter Gymnasium ausgelöste Diskussion über Gewalt verdeutliche, dass "Schüler und Lehrer dringend mehr Zeit füreinander" benötigten. Ganztagsschulen und die Einbeziehung von Sozialpädagogen und Psychologen wiesen dabei einen Weg. Sie verwies auf das Angebot von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), mit vier Mrd. Euro Bundesmitteln den Ausbau von 10.0000 Ganztagsschulen zu fördern. Damit könnte künftig an gut jeder vierten der über 40.000 deutschen Schulen Ganztagsunterricht angeboten werden.

Derzeit gibt es gerade 2015 Ganztagsschulen. Dies entspricht einem Anteil von unter fünf Prozent. Auch die meisten erfolgreichen "Pisa"- Teilnehmerstaaten haben Ganztags-Schulsysteme.

Bulmahn appellierte an die Länder, die vom Bund angebotene Hilfe bei der Bildungsreform nicht auszuschlagen. "Wenn man in Deutschland den Länder-Föderalismus bewahren will, muss im Bildungsbereich jetzt entschieden gehandelt werden." Vorschläge gebe es genug, nur die Umsetzung erfolge bisher zu langsam.

Bulmahn hatte die Schulminister aller Bundesländer zu der Reise eingeladen. Die Minister der unionsgeführten Länder verzichteten jedoch auf eine Teilnahme.

Finnische Schüler erzielten Spitzenleistungen in Mathematik, Naturwissenschaften und beim Leseverständnis. Zugleich werden in Finnland Kinder aus ärmeren und bildungsfernen Familien deutlich besser gefördert.

Das deutsche Schulsystem landete dagegen im internationalen Vergleich sowohl bei der Leistung wie der sozialen Förderung abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze. Die viertägige Reise führt weiter nach Schweden. Dort gilt nach dem Pisa-Test die schulische Förderung von Ausländerkindern als besonders gelungen.

Quelle: n-tv.de