Vor dem ProtesttagFrankreich: Regierung will Mindestlohn kurzfristig erhöhen

Frankreich erwartet neue Proteste. Die Angst vor einer wiederholten Eskalation ist groß. Erstmals trifft sich Präsident Macron zuvor mit Gymnasiasten, um sich ihre Sorgen anzuhören. Zudem will die Regierung Tempo bei der Mindestlohnerhöhung machen.
Vor erneuten Demonstrationen in Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten und marode Schulen will Präsident Emmanuel Macron erstmals mit Schülerinnen und Schülern zusammentreffen. Macron wolle Gymnasiasten und Vertreter ihrer Organisationen empfangen, um "sich ihre Forderungen und Sorgen anzuhören", teilte der Élysée-Palast mit.
Als einen weiteren Schritt, um auf die Protestierenden zuzugehen, wolle die Regierung die Erhöhung des Mindestlohns vorziehen. Das berichtete die Zeitung "Les Échos". Die Erhöhung könnte bereits kurzfristig erfolgen, statt wie bislang voraussichtlich erst im Januar. Dabei geht es um eine Erhöhung von etwa 15 Euro monatlich. Derzeit liegt der Mindestlohn bei brutto 12,31 Euro (9,74 Euro netto) je Stunde und 1867,02 Euro brutto im Monat.
Die Schüler demonstrieren seit Wochen für mehr Vertretungslehrer, eine bessere Ausstattung ihrer Schulen und weniger überfüllte Stundenpläne. Macron hatte sich bislang nicht selbst mit Schülern oder Vertretern ihrer Organisationen getroffen. Ein erstes Treffen von Premierminister Sébastien Lecornu mit Vertretern von Schüler- und Studentenorganisationen war für Montag geplant.
Neue Proteste am Samstag
Die Schülerdemonstrationen mündeten am vergangenen Samstag in breitere Proteste auch gegen eine zu geringe Kaufkraft, wobei es in Paris und anderen Städten zu schweren Ausschreitungen kam. Läden wurden geplündert, Gegenstände angezündet und auch Polizisten angegriffen. Laut Regierungsangaben gingen 550.000 Menschen auf die Straße. Ursprünglich sind die Proteste zwar auf die Schüler zurückzuführen, doch seit Wochen mischen sich auch andere Gruppen unter die Demonstrierenden.
Um erneute Gewalt zu verhindern, hat die Regierung für dieses Wochenende zahlreiche Beschränkungen angeordnet. Wie das Innenministerium mitteilte, werde das Polizeiaufgebot am Samstag erhöht und Spezialkräfte mobilisiert. Oberstes Ziel sei eine "Rückkehr zur Ruhe", sagte Präsident Emmanuel Macron.
