Politik

Tödlichste Monate für UkraineWadephul in Kiew erschüttert von Bildern der Zerstörung

22.08.2026, 10:12 Uhr
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Außenminister Wadephul (Mitte) gedenkt gemeinsam mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha auf dem Maidan der unzähligen Gefallenen. (Foto: picture alliance/dpa)

Außenminister Wadephul verspricht der Ukraine bei einem Besuch deutsche Unterstützung. Die täglichen Bilder der Zerstörung dürften "niemanden kalt lassen", sagt er. Dem Kreml bescheinigt er immer wirrere Propaganda und prognostiziert Russland den wirtschaftlichen Ruin.

Nur wenige Stunden nach den russischen Angriffen auf ein Einkaufszentrum mit vielen Toten ist Bundesaußenminister Johann Wadephul zu einem Solidaritätsbesuch in Kiew eingetroffen. Dabei versicherte er dem Land die anhaltende Unterstützung Deutschlands im Abwehrkampf gegen Russland. "Wir stehen an der Seite der Ukraine. Wir unterstützen sie. Sie wird diese militärische Auseinandersetzung gewinnen", sagte der CDU-Politiker nach seiner Ankunft mit einem Sonderzug in Kiew. 

Die täglichen Bilder der Zerstörung dürften "niemanden kalt lassen", sagte Wadephul. Nie vorher habe Russland mehr Raketen auf sein Nachbarland abgefeuert. "Neben wahllosem Mord an Zivilisten greift Russland gezielt die Energieinfrastruktur der Ukraine an, um die Lebensgrundlagen zu zerstören und damit den Durchhaltewillen der Menschen zu brechen."

"Die Ferienwochen im Juli und August, für Menschen überall in Europa die schönste Zeit des Jahres, waren für die ukrainische Zivilbevölkerung die tödlichsten seit mehr als vier Jahren", erklärte Wadephul in Kiew. Jeden Tag würden Frauen, Männer und Kinder von Russland "der Zukunft beraubt, auf die das ganze Land hofft und nach der das ganze Land strebt. Einer Zukunft in Frieden, einer Zukunft endlich ohne Angst um Freunde und Familie, ohne Angst vor dem, was die nächste Nacht bringt."

Viele Tote in Selenskyjs Heimatstadt

Erst am Freitag waren bei einem doppelten Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in der Stadt Krywyj Rih mindestens 16 Menschen getötet und 120 weitere verletzt worden. Krywyj Rih ist die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Bei neuen nächtlichen russischen Attacken in Kiew und Saporischschja wurden laut Behörden zudem an diesem Samstag mindestens zwei Menschen getötet.

Er wolle bei seinem Besuch "mit möglichst vielen Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen" sprechen, so Wadephul . Dabei soll es ihm zufolge auch darum gehen "wie Deutschland als wichtigster Partner in Europa gezielt unterstützen kann".

Neben der militärischen Unterstützung für die Ukraine sind laut dem Auswärtigem Amt auch die Wintersicherung sowie die Vertiefung der deutsch-ukrainischen Sicherheitskooperation ein Thema des Besuchs. Hinsichtlich der Wintersicherung werde es unter anderem um die Bereitstellung von Generatoren, Ersatzteilen und weiterer Energietechnik, die Unterstützung des ukrainischen Energiesektors sowie Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastruktur gehen.

Militärische Zusammenarbeit soll gestärkt werden

Ein weiterer Schwerpunkt von Wadephuls Gesprächen in Kiew betrifft laut dem Auswärtigem Amt die Vertiefung der Sicherheits- und Verteidigungskooperation mit der Ukraine. Dabei soll es insbesondere um die Stärkung militärischer Fähigkeiten, den Austausch von Erfahrungen und den gemeinsamen Aufbau langfristiger Sicherheitsstrukturen gehen.

Deutschland lerne von der Ukraine, erklärte Wadephul dazu. Es gebe "kaum ein anderes Land, in dem derart viel Initiative und Innovation jeden Tag gelebt wird". "Bei meinem Besuch wird es deshalb auch um unsere technische und wirtschaftliche Zusammenarbeit gehen, etwa bei der gemeinsamen Entwicklung von Drohnensystemen. Und darum, wie wir unsere neue strategische Partnerschaft auf allen Ebenen weiter vertiefen können."

Laut Wadephul hat die Ukraine "mit internationaler Unterstützung den längeren Atem". Eine Fortführung des Krieges werde "Russland nur weiter in den wirtschaftlichen Ruin" führen, erklärte Wadephul. Dies werde "immer mehr Menschen in Russland klar". "Die immer wirrere Propaganda und immer totalitärere Unterdrückung im Inneren ist auch ein Zeichen der Verzweiflung des Regimes". Der Minister fügte an: "Der einzige Ausweg ist Frieden." Es sei "Ziel all unserer Maßnahmen", dass der russische Präsident Wladimir Putin "dies endlich akzeptiert und endlich aufhört, auch die Jugend seines eigenen Landes in den tausendfachen Tod zu schicken".

Wadephul ist zum vierten Mal seit seinem Amtsantritt vor 16 Monaten in dem Land. Der Besuch wurde aus Sicherheitsgründen wie üblich nicht öffentlich angekündigt. Am kommenden Montag vor 35 Jahren hat die Ukraine die Unabhängigkeit von der Sowjetunion erlangt. Um den Jahrestag herum finden Feierlichkeiten vor allem in der Hauptstadt Kiew statt.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/AFP

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