Politik
Biden während des Gesprächs mit den NRA-Vertretern im Weißen Haus. Er scheint es ernst zu meinen.
Biden während des Gesprächs mit den NRA-Vertretern im Weißen Haus. Er scheint es ernst zu meinen.(Foto: REUTERS)
Freitag, 11. Januar 2013

Gespräch mit Biden im Weißen Haus: Waffenlobby ist empört

Die Waffenlobby in den USA ist sauer: Vizepräsident Biden will "das Recht auf Waffenbesitz angreifen". Das war zwar schon vor dem Treffen bekannt. Aber danach gibt sich die NRA überrascht und empört. Unterdessen gibt es erneut eine Schießerei an einer Schule in den USA.

Im Ringen um schärfere Waffengesetze in den USA stehen die Zeichen auf Konfrontation. Präsident Barack Obama ließ verlauten, dass er notfalls "per Dekret" Beschränkungen beim Waffenkauf erzwingen will. Ein Gespräch der Regierung mit der Waffenlobby NRA verlief wie erwartet ergebnislos. Die Lobbyisten drohen mit scharfem Widerstand.

Über eineinhalb Stunden diskutierten Vertreter der mächtigen Waffenlobby National Rifle Association NRA mit Vizepräsident Joe Biden. Danach äußerte sich die Organisation, die nach eigenen Angaben vier Millionen Mitglieder zählt, tief enttäuscht.

"Wir sind enttäuscht, wie wenig dieses Gespräch damit zu tun hatte, unsere Kinder zu schützen", teilte die NRA mit. Stattdessen sei es vor allem um von der Regierung geplante Einschränkungen des Rechts auf Waffenbesitz gegangen, der von der Verfassung verbrieft sei.

Die NRA kündigte Widerstand gegen Beschränkungen an: "Wir werden es nicht zulassen, dass gesetzestreuen Waffenbesitzern die Schuld für die Taten von Kriminellen und Wahnsinnigen zugeschoben wird", hieß es in der Erklärung der NRA, die zu den mächtigsten Interessenverbänden in den USA zählt.

"Ehrliche Amerikaner"

Legale Schusswaffenbesitzer seien "ehrliche, steuerzahlende, hart arbeitende Amerikaner", fügte die NRA ausdrücklich hinzu.

Bereits zuvor hatte die NRA ihre Strategie in der Debatte abgesteckt. "Der einzige Weg, einen bösen Typen mit einer Kanone zu stoppen, ist ein guter Typ mit einer Kanone", hatte NRA-Vizechef Wayne LaPierre zum Jahresende öffentlich gesagt. Alle Schulen in den USA sollten bewaffneten Schutz erhalten.

Obama hatte nach dem Massaker vom Newtown entschlossene Schritte gegen laxe Waffengesetze angemahnt. Es gebe keine Entschuldigung mehr, nicht zu handeln. Sein Vize Biden führt derzeit mit allen betroffenen Gruppen Gespräche. Bereits nächste Woche will er erste Vorschläge präsentieren.

Als konkrete Schritte gegen den Waffenwahn sind unter anderem ein Verkaufsverbot für halbautomatische Waffen und besonders große Magazine, mit denen ohne Nachladen viele Schüsse abgefeuert werden können, im Gespräch. Eine mögliche weitere Maßnahme ist eine gründliche Personenprüfung bei Waffenkäufen. Kriminelle und psychisch Gestörte sollen vom Waffenkauf ausgeschlossen werden. Schusswaffen sollten auf nationaler Ebene registriert und ihre Weitergabe verfolgt werden.

Wieder eine Schießerei in den USA

Unterdessen wurde bekannt, dass der bei der Schießerei an einer Schule in Kalifornien von Kugeln getroffene Schüler schwer verletzt wurde. Der Jugendliche sei in einem lebensbedrohlichen Zustand, sagte der örtliche Sheriff Donny Youngblood. Ein 16-jähriger Schüler hatte am Donnerstagmorgen (Ortszeit) in der Ortschaft Taft eine Klasse in einer Oberschule gestürmt und auf zwei Schüler geschossen. Er traf dabei jedoch nur einen der beiden Schüler. Der Angreifer wurde kurz darauf festgenommen.

Der Sheriff lobte das mutige Verhalten des Lehrers und eines anderen Vertreters der Schule, die sich dem Angreifer nach den ersten Schüssen entgegengestellt hätten. So hätten die anderen 28 Schüler fliehen können. "Der Schüler war noch immer mit seinem Gewehr bewaffnet und sie sind bei ihm geblieben, haben ihn abgelenkt, indem sie mit ihm redeten", sagte Youngblood. Der Angreifer habe sich dabei beruhigt. Die beiden jungen Erwachsenen hätten sich "heldenhaft" verhalten.

Quelle: n-tv.de