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RTL/n-tv Trendbarometer Wagenknechts Rückzug schadet der Linken

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Sahra Wagenknecht will im Herbst nicht mehr als Fraktionsvorsitzende der Linken kandidieren.

(Foto: picture alliance / Christophe Ga)

Sahra Wagenknecht löst mit ihrem Rücktritt ein kleines politisches Beben aus. Kritiker der Linken-Politikerin jubeln und sehen Chancen für neue Bündnisse. Parteifreunde fürchten herbe Verluste an der Wahlurne. Eine aktuelle Umfrage belegt, wie die Wähler die Linke sehen.

Nach Sahra Wagenknechts Ankündigung, sich aus den führenden Ämtern der Partei zurückzuziehen, verliert die Linke in der Wählergunst an Rückhalt: 42 Prozent der Bundesbürger rechnen damit, dass die Linkspartei bei künftigen Wahlen weniger Stimmen erhalten wird. Das geht aus dem aktuellen RTL/n-tv Trendbarometer hervor. Vor allem die Anhänger von Wagenknechts eigener Partei sind alarmiert: 53 Prozent der Linken-Wähler fürchten mit Blick auf die in diesem Jahr anstehenden Europa-, Landtags- und Kommunalwahlen eine Verschlechterung der Wahlchancen.

Dementsprechend verliert die Linke im RTL/n-tv Trendbarometer dieser Woche auch schon einen Prozentpunkt gegenüber der Vorwoche und kommt nur noch auf 7 Prozent. Das sind 2,2 Prozentpunkte weniger als bei der Bundestagswahl 2017.

Dass Wagenknecht eine Galionsfigur der Linken ist und ihre Partei es nach ihrem Rückzug schwer haben könnte, zeigt die Umfrage ebenfalls: 43 Prozent der Befragten kennen außer der Fraktionsvorsitzenden keinen einzigen Politiker der Linkspartei - das trifft sogar auf fast ein knappes Drittel (30 Prozent) der Linken-Anhänger zu.

Die größte Bekanntheit hat Gregor Gysi, den in der gesamten Republik 37 Prozent kennen, in Ostdeutschland sogar 49 Prozent. Parteichefin Katja Kipping kennen dagegen nur 21 Prozent der Bundesbürger und 36 Prozent der Linken-Anhänger. Der Name Oskar Lafontaine sagt 20 Prozent der Befragten etwas, Dietmar Bartsch ist immerhin 17 Prozent bekannt. Unter den Linken-Anhängern kommt Bartsch auf 40 Prozent. Schlusslicht in diesem Ranking ist Co-Parteichef Bernd Riexinger. Ihn können nur 8 Prozent der Deutschen den Linken zuordnen.

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Wie viele der Herrschaften neben Sahra Wagenknecht können Sie benennen? Nur Dietmar Bartsch, Bernd Riexinger und Katja Kipping (v.l.).

(Foto: picture alliance / Britta Peders)

Nach der Ausstiegs-Ankündigung von Wagenknecht kann sich vor allem die SPD neue Bündnisse vorstellen. Auch in der Bevölkerung sinken die Vorbehalte gegen rot-rote Koalitionen. 40 Prozent der Bundesbürger halten ein Regierungsbündnis aus SPD und Linke auch auf Bundesebene für denkbar. Mit Blick auf die Umfragewerte bleibt das aber weiterhin unwahrscheinlich. Denn SPD und Linke kommen im aktuellen RTL/n-tv-Trendbarometer zusammen auf gerade einmal 22 Prozent.

Partei der Alten im Osten?

Die Anhängerschaft der Linkspartei in Ost- und Westdeutschland unterscheidet sich gemessen am Altersaufbau erheblich. Forsa hat zwischen Juli 2018 und März 2019 fast 6000 Anhänger der Linkspartei befragt. Der auffälligste Befund: Im Osten ist die Linke eine Partei, die mehrheitlich die älteren Bevölkerungsschichten anspricht. Nur 24 Prozent der Linken-Anhänger in Ostdeutschland sind jünger als 45 Jahre, aber 54 Prozent älter als 60. Im Westen ist es beinahe umgekehrt: Dort sind 45 Prozent der Linken-Wähler jünger als 45 und nur 29 Prozent über 60.

Unter den Links-Sympathisanten im Westen finden sich deutlich weniger Rentner (26 Prozent) als im Osten (46 Prozent). Und: Im Osten sind 48 Prozent, im Westen 43 Prozent der Links-Anhänger Frauen. Ostdeutsche Links-Anhänger verfügen über ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 2450 Euro, die Anhänger im Westen haben im Schnitt 2850 Euro zur Verfügung. 47 Prozent der "Ost-Linken" leben auf dem Land, 47 Prozent der "West-Linken" in Großstädten.

"Nach wie vor besteht zwischen den Anhängern der Linken im Osten und Westen eine tiefe Kluft", fasst Forsa-Chef Manfred Güllner die Lage bei n-tv zusammen. Im Osten gäben ihr überwiegend ältere "DDR-Nostalgiker" auf dem Land ihre Stimme, während sie im Westen eher von "nörgelnden Intellektuellen", aber auch zunehmend von jüngeren linksorientierten Bildungsschichten in den urbanen Metropolen gewählt würden. "Wegen ihrer Überalterung verliert die Linke im Osten kontinuierlich Wähler, seit 2005 insgesamt 780.000. Dagegen hat sie im Westen im selben Zeitraum 950.000 neue Wähler gewonnen", erklärte Güllner.

Quelle: n-tv.de, hny

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