Politik

Nicht nur in Mali ist Krieg Warlords legen Afrika lahm

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Soldaten bestimmen in Afrika oft, wo es lang geht. Etliche bewaffnete Konflikte toben auf dem Kontinent.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einmal mehr schreibt Afrika Negativschlagzeilen. Ein "afrikanisches Afghanistan" möchten Franzosen und Europäer in Mali verhindern. Doch der Konflikt in dem westafrikanischen Land ist bei Weitem nicht der einzige in Afrika. Auf dem schwarzen Kontinent schwelen mindestens zehn weitere bewaffnete Konflikte. Eine Übersicht.

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Die Kämpfe in Afrika sorgen immer wieder für Missernten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wieder einmal brennt es lichterloh in Afrika. Wieder einmal operieren hier westliche Truppen, um einen gefährlichen Krisenherd unter Kontrolle zu bringen. Erneut wird deutlich, dass es trotz aller Sonntagsreden und Beschwörung "afrikanischer Lösungen" im Ernstfall ohne Militärintervention des Westens nicht geht. Beim 20. Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs Afrikas ab Sonntag in Addis Abeba scheint schlechte Stimmung garantiert. Mali wird dort nicht das einzige Thema sein. Andere Konflikte Afrikas sind zwar nur regional. Aber für Millionen Menschen sind sie eine ständige Bedrohung. Afrikas Konflikte südlich der Sahara derzeit:

MALI: Seit dem Militärputsch im März 2012 und der Machtübernahme der Islamisten im Norden befindet sich Mali im Ausnahmezustand. Nun folgten die französische Operation Serval und der gemeinsame Einsatz mit westafrikanischen Truppen gegen die Extremisten. Die Furcht vor einer Terroristenhochburg im Sahel, einem "afrikanischen Afghanistan", hat die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen bewegt. Der UN-Sicherheitsrat unterstützt einstimmig die Militärmission. Gesucht wird aber eine politische Lösung.

DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO (DRC): Bürgerkriege und Anarchie haben in Zentralafrika in den vergangenen zwei Jahrzehnten Millionen Opfer gefordert. Im Zentrum befindet sich die DRC. Hier gibt es heute zwar eine 20.000 Mann starke UN-Friedenstruppen. Aber Rebellen sind vor allem im rohstoffreichen Osten Kongos stark. Für einen Frieden bräuchte es die Kooperation der DRC mit den Nachbarn Ruanda und Uganda sowie eine unbestechliche Zentralregierung und eine disziplinierte Armee.

ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK (ZAR): Südafrika schickte vor zwei Wochen 400 Soldaten zur Unterstützung der Regierung in Bangui. Zu groß war die Sorge, die vorrückende Rebellengruppe UFDR würde die Regierung stürzen. Derzeit ruhen die Hoffnungen auf Verhandlungen mit den Rebellen. Neben der UFDR agieren hier auch andere Gruppen wie die berüchtigte Lord's Resistance Army. Paris schickte Ende Dezember 150 Soldaten aus Gabun nach Bangui.

SOMALIA: Auch wenn es deutliche Fortschritte bei der Befriedung Somalias gibt, dominiert die Al-Shabaab-Miliz noch immer wichtige Landesteile. Somalias Armee und die Truppen der Afrikanischen Union kontrollieren zwar die Hauptstadt Mogadischu und andere wichtige Städte wie Kismayo wieder. Aber die Kämpfe gehen weiter, immer wieder verüben die Islamisten blutige Anschläge.

SUDAN/SÜDSUDAN: Die ölreiche Region bleibt unruhig. Zwar wurde der Grenzkonflikt zwischen dem Sudan und dem 2011 unabhängig gewordenen Südsudan formell beigelegt und eine entmilitarisierte Pufferzone vereinbart. Aber noch wird über Grenzverlauf und Ölförderung gestritten. In beiden Ländern flammen immer wieder Kämpfe auf. Bei Kämpfen zwischen Sudans Armee und Rebellen starben jüngst 60 Menschen. In Stammesstreitigkeiten um die Kontrolle von Goldminen in der Region Darfur kamen vor kurzem mehr als 100 Menschen ums Leben.

NIGERIA: Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas fürchten vor allem die Christen den Terror der Islamisten von Boko Haram. Seit 2009 starben bei Terroranschlägen über 1400 Menschen. Menschenrechtsgruppen kritisierten auch das angeblich brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte, wodurch viele Menschen getötet worden seien.

KENIA: Mit Sorge schaut Kenia auf die Wahl im März. 2007 geriet das Land wegen der damals umstrittenen Wahl fast an den Rand eines Bürgerkriegs. Über 1000 Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende flüchteten. Erst Monate später wurde ein politischer Kompromiss gefunden. Nun stellen sich auch Politiker zur Wahl, gegen die der Internationale Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt.

SIMBABWE: Auch in Simbabwe fürchten die Bürger die anstehenden Wahlen. Wahlkämpfe in dem vom 88-jährigen Autokraten Robert Mugabe beherrschten Land waren oft mit Gewalt und Blutvergießen verbunden. Auch nach 32 Jahren Herrschaft will Mugabe wieder antreten.

MADAGASKAR: Seit 2009 herrscht ein Putschregime, nun soll im Mai gewählt werden. In dem bitterarmen Inselstaat drohen nach Ansicht von westlichen Diplomaten neue Wirren und gewalttätige Auseinandersetzungen.

ANGOLA/CABINDA: In der angolanischen Exklaven-Provinz Cabinda im Norden agiert eine Separatistenbewegung FLEC. Zwar wurde nach einem Terroranschlag auf einen Bus mit Fußballern aus Togo 2010 FLEC stark geschwächt; schon seit den 60er Jahren kämpft sie um die Unabhängigkeit der ölreichen Region. Erst gegen die portugiesische Kolonialmacht, dann gegen Angola, das Cabinda besetzt hatte.

Quelle: ntv.de, Laszlo Trankovits, dpa

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