Politik

Yasmin Fahimi, das neue Gesicht der SPD Warum diese Frau so wichtig wird

Als neue Generalsekretärin gehört Yasmin Fahimi zu den wichtigsten Figuren der SPD. Dabei hat sie weder Erfahrung noch war sie erste Wahl. Doch Gabriels Ministeramt könnte ihre Chance sein.

Neue Minister, ein neuer Fraktionschef und eine neue Fraktionsgeschäftsführerin: Pünktlich zum Fest war das Stühlerücken bei der SPD eigentlich abgeschlossen. Viele alte und auch einige frische Gesichter führen die Sozialdemokraten in das neue Jahr und in die neue Große Koalition. Doch eine Leerstelle schleppte die Partei tatsächlich doch noch mit über den Jahreswechsel.

Generalsekretärin gesucht, hieß es in der Berliner SPD-Zentrale schon seit Anfang Dezember. Denn durch den Wechsel von Andrea Nahles ins Arbeitsministerium wurde ein wichtiger Posten frei. Wie aus einer Telefonkonferenz nun bekannt wurde, soll es eine Frau richten, die schon seit Wochen als aussichtsreichste Kandidatin gilt. Auf Vorschlag von SPD-Chef Sigmar Gabriel hat der Parteivorstand Yasmin Fahimi für das Amt nominiert. Läuft alles nach Plan, dann wird sie auf dem Sonderparteitag am 26. Januar zur Nahles-Nachfolgerin gewählt. Doch wer ist die Frau, die den strategisch wichtigen Posten der Generalsekretärin übernehmen soll?

Fahimi, die Tochter eines Iraners und einer Deutschen, ist Gewerkschafterin. In den vergangenen 15 Jahren arbeitete sie für die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, kurz IG BCE. Seit 2005 ist sie im Vorstand, bis zuletzt war sie Leiterin für politische Planung. Ihr Lebensgefährte ist der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. Schon mit 17 Jahren trat Fahimi in die SPD ein und engagierte sich in ihrer Heimatstadt bei den Jusos. Anschließend durchlief sie die Führungsakademie der Partei. Neben ihrer Gewerkschaftsarbeit beteiligt sie sich in der rot-grünen "Denkfabrik Demokratie" und ist Vorstandsmitglied des "Innovationsforums Energiewende".

Viel Verantwortung, viel Ärger

Tatsächlich hat die 46-Jährige ihren Aufstieg jedoch nicht nur ihren Qualitäten zu verdanken. Denn eigentlich hatte Gabriel jemand anderen im Auge: den schleswig-holsteinischen Landeschef Ralf Stegner. Doch die Berufung des Parteilinken scheiterte am Geschlechterproporz. Dass neben dem Partei- und Fraktionsvorsitzenden auch der Generalsekretär ein Mann sein sollte, stieß in der Partei auf Widerstand. Es musste also eine Frau werden - dadurch kam Fahimi ins Spiel, die wie Gabriel eine Niedersächsin ist.

Dass der Posten nicht immer dankbar ist, erlebte zuletzt Andrea Nahles. Als Generalsekretärin musste sie dem Parteichef hinterherräumen, den verpatzten Wahlkampf von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück übernehmen, Angriffe auf den politischen Gegner fahren und die Basis mobilisieren. Dabei kam es Nahles noch zugute, dass sie in Partei und Fraktion bestens vernetzt ist.

Fahimi dagegen ist bundespolitisch unerfahren. Auf dem zweitwichtigsten Posten des Parteiapparats birgt das Risiken und Chancen. Zwar helfen unverbrauchte Gesichter an der Spitze bei der Erneuerung der Partei. Aber tatsächlich birgt Fahimis neue Aufgabe auch viel Verantwortung. In der umstrittenen Großen Koalition ist Ärger mit den eigenen Mitgliedern programmiert.

Doch möglicherweise bleiben Fahimi jene Aufräumarbeiten erspart, die Nahles noch verrichten musste. Denn Superminister Gabriel wird sich der Parteiarbeit künftig weniger intensiv widmen können als bisher. Für die neue Generalsekretärin, die dadurch eine wichtigere Rolle spielen wird als ihre Vorgängerin, könnte dies eine große Chance sein. Viel Einarbeitungszeit hat Fahimi nicht. Die erste Bewährungsprobe ist nah: der Europawahlkampf liegt maßgeblich in der Hand der Generalsekretärin.

Quelle: n-tv.de

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