Politik

Die Krise und der Arbeitsplatz Wirtschaft für Urlaubsverzicht

Arbeitnehmer sollen wegen der Krise nach dem Willen der mittelständischen Wirtschaft einen Urlaubstag weniger nehmen. Bundesarbeitsminister Scholz warnt indes die Arbeitgeber vor Kürzungen bei Tarifrunden.

Per E-Mail Bilder aus dem Urlaub nach Hause zu schicken, kann schnell das Reisebudget sprengen: Preise von 20 Euro pro Megabyte sind möglich. (Bild: Diagentur/dpa/tmn)Arbeitnehmer sollen wegen der Krise nach dem Willen der mittelständischen Wirtschaft einen Urlaubstag weniger nehmen. "Wer einen Urlaubstag opfert, sichert seinen Arbeitsplatz. Und er hilft seinem Betrieb, die Krise besser zu überstehen", sagte Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), der "Bild"-Zeitung. Ohoven erklärte, zurzeit müssten 45.000 mittelständische Unternehmen mit rund 450.000 Beschäftigten um das Überleben kämpfen.

 

Vor allem Autozulieferer, zunehmend aber auch Metall- und Handwerksbetriebe seien betroffen. Ohoven sagte, die Firmen und ihre Mitarbeiter müssten sich für die Zeit nach Auslaufen der Kurzarbeit "warm anziehen". Die Krise werde in vielen Unternehmen erst im kommenden Jahr voll durchschlagen.

Scholz warnt Arbeitgeber

TOB05_GERMANY-_0722_03.JPG5281550097484078861.jpgBundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) warnte indes die Arbeitgeber vor Kürzungen bei den bevorstehenden Tarifrunden. "Lohnsenkungen wären volkswirtschaftlich völlig falsch", sagte Scholz der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Er wandte sich damit gegen einen Vorstoß von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt Mitte der vergangenen Woche, der für Lohnsenkungen wegen der Wirtschaftskrise plädiert hatte.

Related content"Einige sind auf den Finanzmärkten mit hohen Renditeerwartungen große Risiken eingegangen und haben die Krise dadurch verursacht. Es kann nicht sein, dass die Arbeitnehmer das jetzt ausbaden sollen", meinte Scholz. "Wir brauchen Vertrauen in die soziale Sicherheit, damit ein neuer Aufschwung entstehen kann."

 

Scholz äußerte Zuversicht, dass die Arbeitslosigkeit nicht so stark ansteigt wie befürchtet. "Es spricht viel dafür, dass wir in diesem Jahr unter der Vier-Millionen-Marke bleiben. Und auch 2010 können wir deutlich erfolgreicher sein als die düsteren Prognosen es vermuten lassen." Vieles deute darauf hin, dass die Konjunktur im nächsten Jahr wieder besser werde.

Milliardendefizit der Kassen

 

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnet indes wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise bis Ende 2010 mit Milliardendefiziten in den Sozialkassen. Nach einer RWI-Analyse laufe ein ungedeckter Finanzbedarf in der gesetzlichen Kranken- und Arbeitslosenversicherung von fast 30 Milliarden Euro auf, berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

 

Bei der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit erwarte das Institut ein Finanzierungsdefizit von rund 18 Milliarden Euro. Bei den Krankenkassen beziffere es den Fehlbetrag in diesem und im nächsten Jahr auf zusammen 10,5 Milliarden Euro. RWI-Forscher Heinz Gebhardt sagte dem Magazin: "Um die Defizite auszugleichen, reicht es nicht, auf Wachstum zu setzen." Die nächste Regierung müsse in großem Stil Ausgaben kürzen, Beiträge erhöhen oder Steuermittel zuschießen.

Quelle: ntv.de, ghö/AFP/dpa