Politik

Große Nacht für Obama Zehnter Sieg in Folge

Senator Barack Obama hat mit zwei überragenden Siegen bei den US-Vorwahlen seine Rivalin Hillary Clinton in arge Bedrängnis gebracht. Obama deklassierte die Ex-First-Lady in den Bundesstaaten Wisconsin und Hawaii, in denen er jeweils mit einem klaren zweistelligen Prozentpunkte-Vorsprung gewann.

Kommentatoren in US-Medien sprachen von einem "schweren Schlag" für Clinton. Als entscheidende Abstimmungen gelten jetzt die Vorwahlen am 4. März in den bevölkerungsreichen Bundesstaaten Texas und Ohio.

Davor stehen noch zwei Debatten an. Am Donnerstag in Texas und in der kommenden Woche in Ohio wird Clinton noch in letztes Mal die Gelegenheit bekommen, Obama den Schwung zu nehmen.

Wenn Obama kommt, wird umgeschaltet

Von Medien und ihrem Gegner wird Clinton schon fast wie eine Verliererin behandelt. Sie war noch nicht mit ihrer Rede zum Wahlergebnis in Wisconsin fertig, da fing Obama mit seiner an - und viele Fernsehsender schalteten abrupt zu ihm um.

Auch in einer landesweiten Umfrage liegt Obama vorn. In der noch vor den beiden jüngsten Obama-Siegen gemachten Umfrage von Reuters und des Meinungsforschungsinstitut Zogby kam Obama auf 52 Prozent Zustimmung gegenüber 38 Prozent für Clinton. Zuvor waren die beiden wochenlang gleichauf gelegen. "Man kann klar den Schwung erkennen", sagte John Zogby. "So etwas passiert, wenn man Vorwahlen in Serie gewinnt - oder es ist der Grund dafür, dass man in Serie gewinnt."

In direkter Konkurrenz zum republikanischen Favoriten John McCain liegt Obama mit sieben Prozentpunkten ebenfalls in Führung. Dagegen würde Clinton gegen McCain klar verlieren.

McCain baut Vorsprung aus

Bei den Republikanern baute McCain seinen Vorsprung vor seinem Konkurrenten Mike Huckabee weiter aus. Huckabee hat keine Chancen mehr auf die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei. Dennoch weigert er sich hartnäckig, seine Bewerbung zurückzuziehen.

Für Obama waren die Abstimmungen in Wisconsin und Hawaii der neunte und zehnte Sieg in Folge. "Für Clinton wird es jetzt sehr, sehr schwer", meinte ein CNN-Kommentator. Obama gewann in Wisconsin 58 Prozent der Stimmen, Clinton kam auf 41 Prozent. Nach Ansicht von Wahlexperten war der Erfolg besonders bemerkenswert, da es Obama in dem Mittelwest-Staat gelang, in das Wählerklientel Clintons einzudringen: Er gewann bei niedrig-verdienenden Arbeitern und lag bei Frauen gleichauf. Außerdem gibt es in Wisconsin lediglich eine kleine Schicht schwarzer Wähler. "Obama schaffte einen tiefen Einbruch in Clintons Wählerbasis", analysierte die "Washington Post".

Noch größer fiel Obamas Triumph auf der Pazifikinsel Hawaii aus: Hier kam er auf 76 Prozent der Wählerstimmen, für Clinton votierten nur 24 Prozent. Allerdings war hier ein Sieg Obamas erwartet worden: Obama kam auf auf Hawaii zur Welt und verbrachte dort einen Teil seiner Kindheit.

Clinton und McCain gegen Obama

Obama gab sich vor fast 20.000 jubelnden Anhängern zuversichtlich, dass er die Demokraten am 4. November in die Präsidentenwahl führen wird. "Wir müssen eine andere Richtung einschlagen, wir müssen ein neues Kapitel aufschlagen", sagte der 46-Jährige. Falls er im Herbst zum Präsidenten gewählt werde, wolle er die US-Truppen "noch im Jahr 2009 aus dem Irak nach Hause bringen". Allerdings warnte er, der von ihm angestrebte politische Wandel werde nicht leicht sein. "Aber der Wandel ist möglich."

Clinton, die in Ohio auf Wahlkampftour war, warf Obama zum wiederholten Mal vor, er habe nur "Worte" zu bieten. "Es kommt aber darauf an, einen Präsidenten auszuwählen, der sich nicht nur auf Worte verlässt, sondern auf Arbeit".

Mit ähnlichen Worten greift McCain Obama neuerdings an. Die Amerikaner sollten sich nicht von einem "eloquenten, aber leeren" Versprechen auf Wandel hinters Licht führen lassen, sagte er vor Anhängern. Dafür werde er "jeden Moment eines jeden Tages" kämpfen. Obama warf dem Senator aus Arizona seinerseits vor, die Politik von Präsident George W. Bush fortsetzen zu wollen.

Die Macht der Superdelegierten

Nach Angaben von CNN hat Obama nun 1301 Delegierte beim Nominierungs-Parteitag der Demokraten Anfang September hinter sich, Clinton 1239. Um zum Kandidaten gekürt zu werden, sind 2025 Stimmen notwendig. Wahlexperten schließen nicht aus, dass erst im September eine Entscheidung fällt. Falls keiner der beiden Bewerber bis dahin keine Mehrheit der Delegierten hinter sich gebracht hat, geben die 795 "Superdelegierten" den Ausschlag, die Kraft Parteiamt abstimmen dürfen und nicht an die Meinung der Basis gebunden sind.

Dagegen steht bei den Republikanern die Kandidatur des 71-jährigen McCain so gut wie fest. Er gewann in Wisconsin 55 Prozent der Wähler, 37 Prozent stimmten für Huckabee. Im Bundesstaat Washington, wo nur die Republikaner wählten, bekam McCain 49 Prozent, Huckabee 22.

Quelle: ntv.de

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